Österreichs Frauen-Tennis: Ein Aufstieg mit Misstönen

In Linz ist der positive Trend im österreichischen Frauen-Tennis spürbar. Spielverderber sind die Tennis-Verbände und die Bundesregierung.
Bisher beste Saison: Sinja Kraus

Schauplatz Banja Luka: Rund 100 Zuschauer findet sich seit Montag ein, um Frauen-Nationalteams auf die Beine zu schauen. Auch Österreichs Billie-Jean-Cup-Team (BJKC) ist dabei. Mit einer Rumpfmannschaft, die von der 19-jährigen Ekaterina Perelygina angeführt wird, der Nummer fünf im Lande und Nummer 571 weltweit. 

Gespielt wird in der Europa-Afrika-Zone, in unteren Gefilden des Frauen-Tennis, gestern war Zypern der Gegner. Durchschnittsalter der Österreicherinnen bei der Veranstaltung des Weltverbandes ITF: 20,25 Jahre.

Schauplatz Linz: Beim WTA-Turnier (Spielerinnenvereinigung) sind die 2.500 Fans Zeugen des Aufschwungs im heimischen Frauen-Tennis. Nicht nur Lilli Tagger weckt das Interesse, auch die eingebürgerte Anastasia Potapowa, die hier als Russin schon 2023 gewann, Julia Grabher und Sinja Kraus bewegen sich auf Plätzen rund um 100.

Fehler von oben

„Natürlich ist es sehr schade, dass dies gleichzeitig ist, gerade jetzt, wo Österreichs Frauen im Aufschwung sind“, sagt Barbara Schett, ehemalige Nummer sieben der Welt und Turnierbotschafterin in Linz. „Mir tut es persönlich auch um Marion Maruska leid, die eine gute Freundin ist.“

Maruska ist die Kapitänin des BJKC-Teams und wie der gesamte österreichische Tennisverband (ÖTV) nicht amused über den Termin. „Das ist bitter für den österreichischen Tennissport“, sagt ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda, der vor allem die „mangelnde Abstimmung zwischen ITF und WTA“ kritisiert. Bei den Männern würde es so etwas nicht geben, da pausiert die ATP-Tour (Spielergemeinschaft) beim Davis Cup zumeist.

Sandra Reichel waren die Hände gebunden. Die Turnierchefin des Upper Austria Ladies sagt: „Wir hatten die Wahl: entweder kein Turnier heuer oder eben dieser Termin. Es ist wohl klar, dass wir die zweite Variante wählten.“

Maruska zeigt Verständnis für ihre Spielerinnen. „Man kann verstehen, dass sich unsere Topspielerinnen die Chance, bei einem WTA-500-Turnier in Österreich zu spielen, nicht nehmen lassen wollen.“ Hier gibt es Preisgeld und Punkte, die die Spielerinnen brauchen, um bei größeren Turnieren ins Hauptfeld zu kommen. Potapowa hatte gar keine Wahl, sie ist im BJKC noch nicht spielberechtigt. „Wenn die Papiere da sind, werde ich sicher für Österreich spielen“, sagt die 25-Jährige.

„Ich bin maßlos enttäuscht. Man hat das Geld gestrichen, ohne sich mit dem Turnier auseinanderzusetzen.

Sandra Reichel, Turnierdirektorin Linz

Förderung gestrichen

Doch auch in Linz läuft nicht alles von selbst. Reichel hat alle Hände voll zu tun, um den Fortbestand zu sichern. Vor zehn Jahren verabschiedete sich der Hauptsponsor, nun strich der Bund die Förderungen in der Höhe von 300.000 Euro. 

„Ich bin maßlos enttäuscht. Man hat das Geld gestrichen, ohne sich mit dem Turnier auseinanderzusetzen. Das Turnier ist die höchstdotierte Frauen-Sportveranstaltung in Österreich. Eine Veranstaltung, mit der wir die Frauen im Sport sichtbarer machen“, sagt Reichel, die aber dank des Aufschwungs in Österreich aufatmen kann. „Natürlich hilft und Lilli Tagger, aber ich möchte im gleichen Atemzug auch die anderen Österreicherinnen nennen.“ Auch Schett weiß: „Ich kann mich nicht erinnern, dass der Dienstag ausverkauft war. Man merkt schon etwas vom Aufschwung.“

Natürlich hofft man, 2027 nicht wieder gleichzeitig mit dem Nationalteam spielen zu müssen. Einem Team, in dem Schett immer erfolgreich und gerne gespielt hat. „Das war die einzige Gelegenheit, wo man im Team spielen konnte. Sonst ist man auf sich alleine gestellt. Und unser Teamgeist war sehr gut damals.“

Das Billie Jean-King-Cup-Team gewann übrigens gegen Zypern 2:1. 

KURIER Tennis Magazin 2026: Tennisspieler posieren vor Tennisnetz.

Kommentare