Neuer ÖTV-Boss Grasl: „Wollen das Produkt Tennis verbessern“
Neues ÖTV-Präsidium: Richard Grasl (Mitte) mit den Vizepräsidenten Axel Melchior, Andreas Pilsl, Richard Grasl, Stephanie Bonner und Klemens Eiter (von links).
Im wahrsten Sinne des Wortes stieg in Oberpullendorf kein weißer Rauch auf. Von Schall und Rauch bei den nächsten Vorhaben soll aber keine Rede sein. Der Niederösterreicher Richard Grasl, auch Geschäftsführer von KURIER, Profil und Mediaprint, wurde am Sonntag einstimmig für drei Jahre zum Präsidenten des Österreichischen Tennisverbandes (ÖTV) gewählt und löst damit den erfolgreichen Martin Ohneberg ab. Welche Dinge in Zukunft anstehen und wo der 53-jährige Medienmanager den Hebel ansetzen will.
KURIER: Welche Dinge stehen ganz oben auf der „To-Do-Liste“?
Richard Grasl: Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit wir wieder Erfolge wie durch Thomas Muster, Dominic Thiem, Judith Wiesner oder Barbara Schett feiern können. Zunächst wollen wir mehr Kinder zum Tennis bringen, damit diese in den Karriere-Trichter reinkommen, unter anderem mit guten Kooperationen mit Schulen. Dann die Spieler, die Talent und Willen mitbringen, in eine gute Ausbildung bringen. Da ist es notwendig, sich das Konzept der Leistungszentren anzuschauen, von der Südstadt abwärts bis zu den regionalen Leistungszentren. Schließlich muss man auch jenen Spielern, die alles mitbringen, die Möglichkeit geben, vom Jugend- ins Profitennis zu wechseln. Der Verband selbst kann dazu nur die Rahmenbedingungen schaffen. Wir denken andererseits auch an ÖTV-Akademien, um die Qualität der Trainerausbildung und des Tennis-Managements noch zu verbessern.
Sind die finanziellen Mittel vorhanden?
Tennis ist die zweitgrößte Sportart in Österreich, ist aber in Vergleich zu anderen Verbänden unterdotiert. Wir wollen das Produkt Tennis verbessern. Das geht über Turniere, Business-Events, Schüler- und Jugend-Events bis zu Angeboten für Sponsoren, damit es eine echte Partnerschaft gibt, nicht nur Bandenwerbung. Tennis muss vor allem für Sponsoren attraktiver werden.
Von der Politik kam weniger Geld. Der zweitgrößte österreichische Verband war im Förderkatalog zuletzt nie in den Top Ten ....
Natürlich muss man auch das hinterfragen. Dort gilt es ebenfalls, einen Hebel anzusetzen.
Die Südstadt ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Wird es etwas mit einer Modernisierung?
Die Südstadt hat früher viele Topspieler herausgebracht, das war in den vergangenen Jahren nicht so. Wir werden uns die Situation genau anschauen, ob man dort sanieren muss oder ob es andere Alternativen gibt.
Es gab Zeiten, in dem die Zusammenarbeit mit den Ländern keine einfache war. Sehen Sie eine gute Zusammenarbeit für die Zukunft?
Unser Plan ist es, zwei Boards einzurichten. Ein Board wird es zum Thema Sport geben, wo auch einige Landespräsidenten dabei sind. Dazu Leute, die internationale Turniererfahrung aufweisen und auf dem Platz stehen. Ein zweites Board wird sich mit dem Thema Wirtschaft, Marketing und Events beschäftigen.
Die Turnierlandschaft in Österreich wächst ständig. Weiters ein wichtiger Eckpfeiler?
Man muss schätzen, was in den vergangenen Jahren in der Turnierlandschaft passiert ist. Bei ITF-Turnieren sind wir ganz oben. Aber wir müssen aber auch an internen österreichischen Circuits arbeiten, an ÖTV-Circuit als wichtiges Standbein neben dem Davis Cup und dem Billie Jean King Cup.
Ihr Vorgänger Martin Ohneberg kritisierte oftmals, dass der Sport in der Politik einen zu geringen Stellenwert besitzt. Wird man Ähnliches von Ihnen hören?
Sport sollte einen extrem hohen Stellenwert haben, nicht nur einen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Mehrwert, damit Kinder nicht nur am Handy sitzen. Sport besitzt auch einen extremen Integrationseffekt, am Sportplatz sind alle gleich. Wir werden diesbezüglich auch mit Präsidenten anderer Sportverbände Gespräche suchen, man muss die Politik überzeugen, dass jeder Euro, der investiert wird, sich doppelt und dreifach rechnet. Auch die Frage der Sportstätten muss man sich anschauen. Das heißt ja nicht, dass es ein eigenes Tennis-Stadion geben muss.
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