Trotz Finalniederlage: Der Tennis-Zirkus braucht Evergreen Djokovic

Weist auch der Jugend den Weg: Altstar Novak Djokovic
Obwohl der 38-jährige Novak Djokovic im Melbourne-Finale Carlos Alcaraz unterlag: Seine nun schon fast ewigen Rekordjagden tun dem Tennis-Sport gut. Nicht nur das.

In der Tennis-Szene wird schon über ein Szenario gewitzelt: In 20 Jahren sitzt Carlos Alcaraz auf der Tribüne der Rod-Laver-Arena und hält irgendeinem Spanier, der gegenwärtig noch in den Windeln strampelt, im Spiel gegen Novak Djokovic die Daumen.

Dieses Mal, hatte Champ Alcaraz Beistand von Rafael Nadal. „Es fühlt sich sehr komisch an, dich da oben und nicht hier unten zu sehen“, sagte Djokovic, der sich dann aber mit dem gewohnten Schuss Humor mit seinem Bezwinger beschäftigte. „Du bist so jung – so wie ich. Ich bin mir sicher, dass wir uns in den kommenden zehn Jahren noch oft begegnen werden.“

Seine 38 Jahre merkte man ihm zumindest im ersten Satz nicht an, wo er spielte, wie bei zumindest zehn Auflagen, wo er gewann und sich damit zum Rekordsieger kürte. Alle bisherigen Endspiele in Down Under hat er gewonnen, dabei musste der Serbe nur zwei Mal über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen: 2012 im epischen Finale gegen Nadal (mit fünf Stunden und 53 Minuten das längste Match der Turniergeschichte) und 2020 gegen einen Dominic Thiem, der sich schon auf der Siegerstraße befunden hatte. 

Rosewall bleibt der älteste Champ

Der 38-jährige Serbe verpasste damit auch den 25. Grand-Slam-Triumph, mit dem er auch die beste Dame Margaret Court (24) übertrumpfen hätte können. Und mit seiner Niederlage bleibt vorerst der Australier Ken Rosewall, der 1972 bei seinem Titel in Melbourne 37 Jahre alt war, der älteste Sieger eines Grand-Slam-Turniers.

Vielleicht schnappt sich Djokovic diesen (inoffiziellen und sportlich wertlosen) Titel ja auch noch. Experten hatten ihm Anfang des Jahres nur noch den Titel auf dem Rasen in Wimbledon zugetraut. Vor allem die anstehenden Sandspiele bei den French Open sind wohl für einen dann 39-jährigen Körper wohl zu anstrengend.

Corona-Desaster 2022

Djokovic, der ab Montag wieder die Nummer drei im ATP-Ranking ist, hat aber in Melbourne alle Kritiker eines Besseren belehrt. Dass er so lange an der Spitze mitmischt, ist kein Zufall. Er tut alles für den Erfolg, das fängt mit Morgensport (eine Art Yoga) an und endet mit einer mehr als nur bewussten Ernährung (glutenfrei). In diesem Zusammenhang darf man auch die verweigerte Corona-Impfung verstehen, wegen dieser er 2022 von den Australian Open "heimgeschickt" wurde.

Nach drei Endspielen in Folge zwischen Alcaraz und Jannik Sinner war es jedenfalls eine Wohltat wieder ein neues, wenn auch in diesem Fall altes Gesicht zu sehen.

Djokovic tat dem Sport gut. Und tut es immer noch.

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