Tag der Oldies in Melbourne: Wem die Stunde noch lange nicht schlägt
Stan Wawrinka steht in der 3. Runde
Seine Erinnerungen an das erste Mal sorgen eher für weniger Glücksgefühle. 2005 war es, als ein 17-jähriges Burscherl Marat Safin gegenüberstand – und chancenlos war. Wie es weiterging: Der Russe gewann das Turnier und Novak Djokovic marschierte schon bald von Titel zu Titel, gewann ab 2008 zehn Mal und ist Rekordchamp bei den Australian Open.
Und der mittlerweile 38-Jährige gewinnt noch immer, und das recht problemlos. Beim 6:3, 6:2, 6:2 gegen den italienischen Qualifikanten Francesco Maestrelli musste Djokovic in der 2. Runde gar nicht in den höchsten Gang schalten, um sicher weiterzukommen. „Was wäre auch der Sinn, wenn man nicht versuchen würde, sich Jahr für Jahr zu verbessern? Das ist die Mentalität, die ich verfolge“, erzählt Djokovic und berichtet von einer perfekten Vorbereitung.
Wenn er Samstag gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp spielt, könnte er auf der Anlage Alterskollegen begegnen. Denn es ist durchaus möglich, dass er auf den 37-jährigen Marin Cilic und den bald 41-jährigen Stan Wawrinka trifft.
Denn diese Männer haben etwas mit Djokovic gemein: Sie stehen allesamt in der 3. Runde, spielen diese am Samstag, sind ebenfalls im etatmäßigen Pensionsalter – und gewannen zumindest ein Grand-Slam-Turnier.
Stan Wawrinka, der nimmermüde Schweizer, geht in seine endgültig letzte Saison und zeigte, dass er das noch immer nicht müsste. Er kämpfte nach 4:33 Stunden den um 20 Jahre jüngeren Franzosen Arthur Gea 4:6, 6:3, 3:6, 7:5, 7:6 (10:3) nieder. Wawrinka, der hier 2006 debütierte und 2014 sein erstes von drei Grand-Slam-Turnieren gewann, ist damit der erste Spieler im Alter von mehr als 40 Jahren in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers seit dem legendären Australier Ken Rosewall bei den Australian Open 1978. „Es war so laut, die Stimmung war überragend. Ich brauche eure Energie, ich bin nicht mehr der Jüngste. Keine Ahnung, wie ich mich von diesem Match erholen soll“, sagt der Sieger, auf den am Samstag der als Nummer neun gesetzte US-Star Taylor Fritz wartet.
Wie Wawrinka ist auch Cilic aufgrund des Rückfalls im Ranking oft auf der undankbaren Challenger-Tour unterwegs, wo es wenig Punkte, wenig Geld und vor allem wenig Zuschauer gibt. Vor großem Fan-Anhang blüht auch der 37-Jährige noch einmal auf. Weil der Kroate, der 2014 die US Open gewann. sensationell spielte, musste er es nicht lange tun. Cilic panierte den als Nummer 21 gesetzten Kanadier Denis Shapovalov ganz klar mit 6:4, 6:3, 6:2. In dieser Form ist Cilic auch gegen den Top-Ten-Mann Casper Ruud aus Norwegen nicht zwingend krasser Außenseiter. Vor allem auf Hartplatz nicht.
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