Australian-Open-Champ Alcaraz: Im Glanzlicht der Tennishistorie

Strahlemann: Carlos Alcaraz herzte seinen siebenten Major-Pokal, den ersten in Melbourne.
Nach seinem Finalsieg im Generationsduell mit Novak Djokovic schrieb Carlos Alcaraz Geschichte. Dabei gab es im Vorfeld Turbulenzen.

Immer wieder wurde in vergangenen Jahren das Wort Generationenduell strapaziert. Wenn Roger Federer servierte, was er bis 2022 tat, oder sich Rafael Nadal vor seinem Rücktritt 2024 für ein Match gegen einen Jungen aufwärmte.

Oder wenn es Novak Djokovic tat. In diesem Fall, und zwar im großen Endspiel der Australian Open, war er Teil eines Superlatives, was das Wort Generationsduell betrifft. Kurz: Ein Duell dieser Art hatte es noch nie gegeben. Weil beide Protagonisten Geschichte hätten schreiben können.

Selbstredend konnte es nur einer tun. Carlos Alcaraz, seines Zeichens relativ blutjunge 22, schlug in einem teilweise, aber nicht immer hochklassigen Endspiel den 38-jährigen Novak Djokovic 2:6, 6:2, 6:3 und 7:5. 

Die Fakten dahinter: Während der Serbe einige Rekorde, die er ohnehin größtenteils selbst hält, verpasste (siehe unten), sorgte Alcaraz für eine Youngster-Bestmarke. Der Spanier ist der jüngste Spieler der Geschichte, der alle vier Grand-Slam-Turniere gewinnen konnte, im Fachjargon sagt man Karriere-Slam dazu. 

Verteidigt er heuer die Titel bei den French Open und US Open und schnappt sich wie schon 2023 und 2024 die Trophäe in Wimbledon holt er als dritter Herr der Tennis-Geschichte sogar den Grand Slam (Titel innerhalb eines Kalenderjahres). Freilich, dafür hat er seine Arbeit erst zu einem Viertel erledigt.

Zukunftsmusik. Dass ihm und Jannik Sinner die nächsten Jahre eher gehören, als dem zweifelsohne noch immer topfitten, aber eben doch schon 38-jährigen Djokovic, liegt auf der Hand.

Dass Nadal im Publikum Alcaraz die oft strapazierten Daumen hielt, war irgendwie auch ein Signal. Alcaraz ist sein legitimer Nachfolger. Und vielleicht sogar noch besser, zumindest schneller, was das Einlösen von Siegerschecks betrifft. Der „King of Clay“, der am 3. Juni 40 wird, war bei seinem siebenten Major-Titel ein Jahr älter, als er den Karriere-Slam im September 2010 bei den US Open in trockene Tücher brachte, schon 24. Federer war fast 28, als es 2009 in Paris so weit war, Djokovic 29 (auch bei den French Open).

Großer Respekt

Zahlen, die Alcaraz wahrscheinlich egal sind. Er vermittelt keine Genugtuung, er vermittelt Respekt. Auch in Melbourne an diesem historischen Sonntag. „Was du machst, ist wirklich inspirierend. Es ist mir eine Ehre, die Garderobe und den Platz mit dir zu teilen“, verkündete der Mann aus Murcia in Richtung Djokovic.

Vieles hat Alcaraz schon mit seinen Vorgängern gemeinsam. Djokovic bastelte oft an seinem Team herum, auch der Tiroler Gebhard Gritsch zeichnete für viele Erfolge aus. Nun sorgte auch der Spanier für Aufsehen, als er sich vor wenigen Wochen von Erfolgstrainer Juan Carlos Ferrero, der ihn groß gemacht hat und der 2003 selbst Nummer eins war. Gearbeitet wurde hart, Nachfolger wurde mit Samuel López ein Mann aus dem eigenen Staff. „Niemand weiß, wie hart wir gearbeitet haben, um diese Trophäe zu gewinnen. Das ist auch eure Trophäe“, dankte Alcaraz seinem Team.

Er wird im ATP- Ranking seinen Vorsprung auf Jannik Sinner ausbauen. Doch aufgepasst: Der Italiener, der im Halbfinale überraschend Djokovic unterlag, hat bis Mai keine Punkte zu verteidigen, da er im Vorjahr aufgrund der Dopingsperre nicht spielte. Die Experten sind sich sicher, dass er stärker zurückkommt und sich weitere Finalduelle mit Alcaraz liefern wird.

Der freut sich vorerst aber einmal über seinen 7. Grand-Slam-Titel. Hier noch einmal die Erfolgsstory in Zahlen: 

  • 2022: US Open
  • 2023: Wimbledon
  • 2024: French Open, Wimbledon
  • 2025: French Open, US Open
  • 2026: Australian Open

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