Sport
09.06.2017

French Open: Thiem scheitert an Nadal

Der Spanier lässt dem Österreicher nicht den Hauch einer Chance und gewinnt in drei klaren Sätzen.

Der tolle Siegeslauf von Dominic Thiem bei den French Open ist zu Ende. Der neunfache French-Open-Sieger und Topfavorit Rafael Nadal aus Spanien stoppte am Freitag in Paris den als Nummer 6 gesetzten Niederösterreicher und gewann mit 6:3,6:4,6:0. Thomas Muster, der die French Open 1995 gewonnen hatte, bleibt damit vorerst der einzige Österreicher in einem Major-Einzel-Endspiel.

"Für mich unerklärlich, wie erschreckend schwach er war. Er hat sich sehr schlecht bewegt, hatte kaum Druck auf der Rückhand und hat viel schlechter serviert als zuletzt in Rom bei seinem Sieg über Nadal", meinte Thiem-Coach Günter Bresnik in einer ersten Stellungnahme.

Nadal kämpft am Sonntag gegen Stan Wawrinka, der zuvor Andy Murray in fünf Sets in 4:34 Stunden bezwungen hatte (siehe unten), um seinen zehnten French-Open-Titel. Das zweite Halbfinale, das als das Duell der beiden in dieser Saison besten Sandplatz-Spieler eine höhere Klasse hatte erwarten lassen, konnte an das erste nicht anschließen.

Böse Vorahnung

Die leichten Befürchtungen Thiems vor dem Spiel bewahrheiteten sich: "Bisher habe ich im Match nach einem Sieg über einen Topspieler immer viel schlechter gespielt. Also ich hoffe, dass ich das verbessern kann", hatte der Weltranglisten-Siebente, der ab Montag um einen Platz zurückrutscht, nach seinem Drei-Satz-Erfolg im Viertelfinale über Titelverteidiger Novak Djokovic gemeint. Zuletzt war es ihm in Rom nach dem 6:4,6:3-Sieg im Viertelfinale über Nadal im Halbfinale gegen Djokovic so ergangen.

Das Match begann auf dem Center Court Philippe Chatrier zunächst zwar für Thiem nach Wunsch. Er nutzte gleich den ersten Breakball im ersten Game zur 1:0-Führung. Doch der Lichtenwörther musste gleich im darauffolgenden Spiel selbst sein Service abgeben. In der Folge ließ Thiem zu viele Gelegenheiten aus: Sowohl im dritten als auch im fünften Game hatte er je zwei Breakbälle gegen den Weltranglisten-Vierten. Er selbst gab den Aufschlag aber zum 1:3 erneut ab.

Zu fehlerhaft

Thiem agierte mit sehr viel Power, aber zu fehlerhaft. Nicht nur bei den Risikoschlägen, sondern auch bei vermeintlich einfacheren. Nach 45 Minuten hatte der neunfache French-Open-Sieger mit 6:3 bereits die Weichen in Richtung 22. Grand-Slam-Finale gestellt. Ein Nadal wird, in Führung liegend, immer stärker, darum kam dem Auftaktsatz auch große Bedeutung zu.

Als der als Nummer 6 gesetzte Thiem bei einer 1:0-Führung im zweiten Satz neuerlich zwei Breakbälle zum 2:0 nicht nutzte und er zum 1:2 den Aufschlag abgeben musst, war schon eine kleine Vorentscheidung gefallen. In diesem Satz sollte Thiem keine Gelegenheit mehr bekommen, ein Rebreak zu schaffen. Nadal war in seinem Aufschlag-Games unantastbar und stellte nach 96 Minuten die 2:0-Satzführung her.
Gleich zu Beginn des dritten Durchgangs gab Thiem seinen Aufschlag ab. Der ohne Satzverlust in sein zweites French-Open-Halbfinale gekommene Schützling von Günter Bresnik sollte auch beim zweiten Versuch, in ein Major-Endspiel einzuziehen, keinen Satz gewinnen. Vor einem Jahr hatte Thiem im Halbfinale gegen Novak Djokovic 0:3 in Sätzen verloren.

Für Thiem geht es nun nach Hause und dann in eine drei Turniere umfassende Rasen-Saison. Er spielt ab 19. Juni in Halle, danach in Antalya sowie in Wimbledon.

Marathon für den Final-Profi Stan Wawrinka

Stan, the Man. Er stand am Freitag seinen Mann, wie schon im ganzen Turnier. Der 32-jährige Schweizer, neben Rafael Nadal als Topfavorit ins Rennen gegangen, steht in seinem vierten Grand-Slam-Finale, wo am Sonntag (15 Uhr, Eurosport) Nadal wartet.

Der Schweizer schlug einem anfangs schwachen, dann mehr und mehr hochklassigen Semifinale wie schon im Vorjahr den britischen Ranglisten-Ersten 6:7, 6:3, 5:7, 7:6 und 6:1. Immerhin dauerte dieses Schauspiel viereinhalb Stunden.

Bei Murray, der damit noch immer auf den großen Coup in Roland Garros wartet, lief es im Turnier aber schon besser als zuvor. Eine Gürtelrose und Ellbogenprobleme hatten den 30-jährigen Olympiasieger weit zurückgeworfen. Wawrinka hingegen darf nun auch seine gute Finalserie vertrauen. Der Schweizer gewann alle seine drei Grand-Slam-Endspiele, 2015 auch jenes gegNovak Djokovic."Es war eine unglaubliche Begegnung", sagt Wawrinka, der mit 32 Jahren und 75 Tagen der älteres Finalist bei den French Open seit Niki Pilic 1973 ist (33 Jahre und 280 Tage). "Es hat Spaß gemacht, bei diesem Spiel dabei zu sein. Ich bin überglücklich, wieder in einem Grand-Slam-Finale zu stehen", sagte Wawrinka.

Junior out

Für Jurij Rodionov hingegen ist der Juniorenbewerb vorbei. Der Achtelfinalist im Einzel schrammte im Doppel an der seite des Tschechen Vrbensky hauchdünn am Finale vorbei. Rodionov hat schon Erfahrungen auf der ATP-Tour gemacht, möchte aber heuer noch in die Top 5 bei den Junioren einziehen. Dominic Thiem findet er "richtig gut", aber auch David Ferrer oder Roger Federer mag er. "Er hat einen Riesen-Aufschlag, ist körperlich schon weit", sagt Günter Bresnik über den gebürtigen Weißrussen.