Neue Leidenschaft: Stefan Kretzschmar steht auf Golf, nur die Mode war lange Zeit unpassend.

© /Georg Kruggel

Stefan Kretzschmar
11/02/2014

"Handball allein hat mir nie genügt"

Das deutsche Idol über das Quali-Duell mit Österreich, den Kult um seine Person und das Tolle an der DDR.

von Philipp Albrechtsberger

Er ist noch immer das Gesicht des deutschen Handballs – ein markantes Gesicht: silberne Ohrstecker, blondiertes Haar, bunte Tätowierungen. Stefan Kretzschmar, 41, Olympia-Zweiter, Vizeweltmeister, Champions-League-Sieger, Kind der DDR und Idol der BRD, im Interview vor dem EM-Qualifikationsspiel der Österreicher gegen Deutschland am Sonntag in Wien (18 Uhr/live ORF Sport +).

KURIER: Herr Kretzschmar, muss Deutschland gegen Österreich immer Favorit sein?

Stefan Kretzschmar: Im Normalfall wäre die Partie für mich offen gewesen, weil sich Österreich in den letzten Jahr extrem gemausert hat und bei mehr Turnieren dabei war als Deutschland. Aber euch fehlt Viktor Szilagyi. Wenn es einen Spieler gibt, der nicht zu ersetzen ist, dann ist das Viktor. So eine uneingeschränkte Führungsfigur hat in den letzten Jahren selbst Deutschland gefehlt.

Fehlen dem Handball Typen?

Die Kids orientieren sich überall an Stars. Aber du kannst Idole nicht züchten. Viele Jungs im Handball hätten ja etwas zu sagen, wenn man sie mal fragen würde. Aber die Begeisterung für den deutschen Handball war schon mal größer.

Was ist schiefgelaufen seit WM-Gold im eigenen Land 2007?

Viele Sportarten begehen den Fehler, dass sie sich im Erfolgsfall ausruhen. Die Einzigen, die auch im Erfolgsfall noch etwas ändern, sind die Münchner Bayern. Das mag arrogant klingen, aber es wirkt. Die Handballer hatten im WM-Finale 2007 zwanzig Millionen Fernsehzuschauer und dachten, der Handball geht jetzt automatisch durch die Decke. Ist er auch, aber nur kurz. Danach hat man nicht hart genug gearbeitet und keine Idole aufgebaut, indem man sie etwa auch in anderen Formaten im Fernsehen positioniert hat.

Sie gelten als Musterbeispiel für Selbstvermarktung. War Ihnen Handball nie genug?

Aufzwingen kann man das niemandem. Wenn einem Handball reicht, ist das ja auch wunderbar und gehört akzeptiert. Mir hat das eben nie genügt. Mir wurde eine MTV-Sendung angeboten, obwohl ich keine Ahnung vom Moderieren hatte. Wenn ich mir heute Sachen davon angucke, ist mir einiges natürlich extrem peinlich. Was ich damals für einen Mist erzählt habe! Man eckt an, vor allem, wenn man politisch Stellung bezieht. Aber das war nie eine Marketingstrategie, sondern ausschließlich Neugier und Interesse.

Was hätten Sie sich rückblickend gerne erspart?

Tausende Auftritte und Interviews. Aber all das war ja mit ausschlaggebend für den Kult, der da um mich herum entstanden ist. Die Kids sind einfach darauf abgefahren, dass ich neun Piercings und Tätowierungen hatte. Heute fällst du als Sportler eher auf, wenn du keine Tätowierungen hast.

Sie waren 16, als vor bald 25 Jahren die Mauer fiel. Welche Erinnerungen haben Sie an das Sportsystem der DDR?

Ich war einer aus der Generation, die im Osten das Ausbildungssystem genießen durfte und im Westen davon profitiert hat. Ich hatte eine gesunde Beziehung zur DDR, reißerische Schlagzeilen werden von mir nicht kommen. Für einen jungen Sportler waren die Bedingungen perfekt.

Hätten Sie damals gedacht, dass Sie einmal Ihre eigene Golf-Modelinie (www.holy-shot.com) haben werden?

Zum Glück kann ich mir aussuchen, was ich machen will. Das ist ein Privileg. Ich spiele gern Golf, das ist der einzige Sport, in dem sich mein lädierter Körper noch einem Wettkampf stellen kann. Die normale Golf-Mode hat nicht unbedingt meinen Geschmack getroffen.

Apropos lädierter Körper: Sie bestreiten noch Handball-Legendenspiele. Macht das Spaß?

Man muss sich vorher in Form bringen, damit man sich nicht lächerlich macht. Dieser Anspruch ist noch da.

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