Thomas Zajac vor dem Hafenplan von Enoshima

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Sport
08/13/2019

Sprachlos in Japan: Wie sich Segler Zajac auf Olympia vorbereitet

Der Medaillengewinner von Rio de Janeiro spricht über die Schwierigkeiten im Alltag und in der Olympia-Vorbereitung.

von Peter Karlik

Das Smartphone ist für Thomas Zajac in diesen Tagen ein unverzichtbares Hilfsmittel geworden. Nicht, weil sich der Wiener so gerne in Social-Media-Kanälen verliert. Nein. Eher, weil er „lost in translation“ ist. Der Bronzemedaillengewinner von Rio de Janeiro verbringt mit seiner Partnerin Barbara Matz einige Monate in Japan, um sich bestmöglich auf die Olympischen Spiele 2020 vorzubereiten. Das olympische Segelrevier vor der Halbinsel Enoshima liegt bei der 434.126-Einwohner-Stadt Fujisawa, etwa eine Zugstunde von Tokio entfernt.

„Nur dank Google Maps weiß ich, wo ich im Zug aussteigen muss. Ich habe eine japanische SIM-Karte und kann mich so zurechtfinden.“ Straßennamen sind ein Jahr vor Olympia noch immer in Japanisch angeschrieben. Die Sprache ist zu schwer, um sie so nebenbei zu erlernen.

„Das Einzige, was wir uns beigebracht haben, sind die Zeichen für Damen- und Herren-Toiletten. Da sollte man nicht falsch gehen“, sagt der 33-Jährige schmunzelnd. „Auf der Toilette ist es dann schwierig genug, sich zurechtzufinden. Da gibt es 70 Knöpfe...“

Immer höflich

Nach Hilfe fragen habe wenig Sinn. „Erstens können nicht viele Menschen Englisch, und zweitens bekommt man immer eine Antwort, weil Japaner nicht unhöflich sein wollen“, sagt Zajac. Beim Krafttraining sei das wiederum ein Vorteil. „Es gibt im Fitness-Center geschätzt eine Million Regeln, die wir sicher alle schon gebrochen haben. Aber weil Japaner so höflich sind, macht uns niemand darauf aufmerksam.“

Auch die Restaurantbesuche gestalten sich schwierig. „Man kann oft nicht einmal erkennen, in welche Richtung die Speisekarte geschrieben ist. Ich gehe dann durch das Lokal und bestelle etwas, das ich bei einem anderen Gast gesehen habe.“ Das funktioniere sehr gut. „Ich habe mich noch nie so gesund ernährt wie in Japan“, sagt Zajac und sticht dabei genüsslich in ein Hühnerschnitzel, das er beim Gespräch mit dem KURIER am Wiener Naschmarkt verzehrt. Zajac genießt es sichtlich, einfach erzähen zu können, ohne an eine Übersetzung denken zu müssen.

Zajac war vor der am Donnerstag beginnenden Pre-Olympics-Regatta vor Enoshima eine Woche in Wien. Im Gepäck hatte er die Foils, auf denen sein Nacra17-Katamaran über das Wasser gleitet. Sie wurden auf dem FH Technikum auf Härte und Biegung getestet. Weil die Teile immer in Paaren gekauft werden, kann so festgestellt werden, welche besser zusammenpassen. Für eine Olympia-Medaille wird nichts dem Zufall überlassen.

Bis zum Beginn der ersten olympischen Wettfahrt gilt es, sich so gut wie möglich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. „Es gibt vor Enoshima drei bis vier typische Bedingungen. Aber es ziehen so viele Wettersysteme vorbei, dass es innerhalb kürzester Zeit komplett anders aussehen kann.“ Deshalb muss für alle möglichen Verhältnisse das richtige Material gefunden werden. Und wenn es gefunden ist, muss es versteckt werden. „Bei den Pre-Olympics wird sicher niemand mit jenem Segel starten, das bei Olympia verwendet wird“, kündigt Zajac an. Tarnen und Täuschen gehört zur Vorbereitung wie das Training. Für ihre Video-Produktionen auf www.candidatesailing.com haben sie zum Beispiel nicht das gesamte Bild-Material freigegeben: Die Konkurrenz spioniert überall. „Aber wir machen das natürlich auch, wo wir nur können“, gibt Zajac zu. Kein Geheimnis mehr ist, dass Zajac/Matz „bei hoher Welle und starkem Wind nach heutigem Stand heiße Medaillenkandidaten“ sind. Bei leichtem Wind müssten sie noch kämpfen.

Taifun-Warnung

Derzeit sieht es in Japan eher nach starkem Wind aus. Am Wochenende nahm der Taifun Krosa Kurs auf die Küste. Die Motorboote der Trainer mussten aus dem Wasser gehoben werden, der Hafen steht vor der Schließung. Ob am Donnerstag gestartet werden kann, ist noch unsicher.

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