Oh Madonna! Schreckensmoment vor elf Jahren beim Slalom

Rückkehr: Marcel Hirscher will erst in Adelboden wieder starten.
Beim legendwären Slalom sorgte eine Drohne 2015 fast für ein Unglück. Marcel Hirscher hatte damals Glück, am Mittwoch fehlt er.
Wolfgang Winheim

Wolfgang Winheim

Ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss und Wochen nach einer Virusinfektion wird das Comeback von Marcel Hirscher, 36, als carvender Holländer frühestens Samstag im Riesenslalom-Mekka Adelboden erfolgen. 

Und nicht am Mittwoch beim Slalom von Madonna di Campiglio. Obwohl Hirscher dort oft im Flutlicht glänzte. Und er als Zweitplatzierter sogar einmal mehr als nach Siegen im Mittelpunkt stand.

„Madonna“, schrie Weltcup-Direktor Markus Waldner in sein Funkgerät, nachdem eine Drohne des italienischen Fernsehens unmittelbar hinter dem fahrenden Hirscher auf die eisige Piste gekracht war. Die FIS-Jury geriet in Schockstarre. Das war 2015, als zumindest in der Sportbranche niemand ahnte, dass Drohnen noch einmal als gefürchtete Kriegswaffe missbraucht werden würden.

„Madonna!“, hatten Zeitungen schon im Dezember 1999 nicht bloß in Anspielung auf den gleichnamigen Weltcuport getitelt, zumal ebendort ein Slalom die Skiwelt veränderte. Als Olympiasieger Finn Christian Jagge (der Norweger sollte nur 54 Jahre alt werden) mit 20 Zentimeter kürzeren Skiern der Konkurrenz (einschließlich den in körperlicher Topform befindlichen Österreichern Benjamin Raich und Thomas Stangassinger) die lange Nase zeigte. Zu Zeiten, in denen man Touristen in der Gondel noch für Anfänger hielt, wenn deren Skier nur in Augenhöhe reichten. Heute sind sämtliche Topprofis ähnlich kurz unterwegs.

Richtung Lignano

„Madonna. Wie kommen wir nach Madonna?“ Das fragte sich am Beifahrer-Sitz einmal Weltcup-Routinier Thomas Sykora, während sein Chauffeur (ein Servicemann) auf ein Navi der ersten Stunde vertraute, das die beiden im nächtlichen Dezember-Nebel nicht in den Skiort, sondern in ein Madonna an der Adria lockte. „Erst bei einem Schild Richtung Lignano san ma stutzig g’worden.“

Als ORF-Skiexperte verliert Thomas Sykora, 57, selten bis nie die Übersicht. In der Riege der Honorarkritiker gilt er als der Mann mit Röntgenblick. Sykora sieht technische Stärken und Schwächen, erkennt vermeintlich unbedeutende Haltungsfehler noch ehe die Stoppuhr seine Analysen bestätigt.

Niederösterreichische Premiere

Vielleicht sollte Sykoras Meinung öfter auch bei der Ursachenforschung für Verletzungen Gehör geschenkt werden. So hatte er vor Monaten bei der 85-er-Feier seines Onkels Gunnar Prokop gesagt: „Wahnsinn, wie streng alle die Bindungen einstellen.“ Doppelt so fest wie zu seiner aktiven Zeit, als Sykora als bis heute einziger Niederösterreicher eine Ski-Olympia-Medaille gewann.

Kommentare