Österreichs Abfahrer schlittern in ein Debakel

Österreichs Abfahrer schlittern in ein Debakel
Keiner der ÖSV-Herren landet in den Top Ten. Der Schweizer Küng krönt sich zum Weltmeister.

Der vierte WM-Bewerb brachte erstmals keine Medaille für Österreich. Im Gegenteil: Die Herren-Abfahrt in Beaver Creek bescherte der bisher so erfolgsverwöhnten Mannschaft gar das schlechteste Team-Ergebnis der Geschichte. Kein ÖSV-Läufer konnte sich unter den besten Zehn einreihen. Olympiasieger Matthias Mayer blieb als Zwölfter der Beste in der Ergebnisliste.

Der Samstag wurde vor allem zum Schweizer Feiertag: Patrick Küng, 31, siegte vor Travis Ganong, 26, und seinem Landsmann Beat Feuz, 27.

Fehler

"Mir ist heute einfach überhaupt nichts aufgegangen", sagte Mayer. " Bei der Ausfahrt Steilhang hat es mir den Innenski verschnitten, da bin ich dann viel zu gerade auf die Welle hingefahren. Das sind Fehler, die man bei einer WM-Abfahrt nicht machen darf." Ähnlich trocken fiel auch die Analyse von Super-G-Weltmeister Hannes Reichelt aus, der 13. wurde. "Ich habe schon gedacht, dass ich schneller bin, weil die Sprünge sehr weit gegangen sind", sagte er und sah dabei ein wenig ratlos aus. "Aber man darf sich nie täuschen."

Dass Reichelt bereits eine Goldmedaille gewonnen hat, tröstete den Salzburger aber. "Im Moment ärgere ich mich zwar noch über die Abfahrt. Aber in zwei Stunden werd’ ich mich dann wieder über die Goldene freuen", sagte er und stapfte davon, durch den frühlingshaft weichen Schnee im Zielraum.

Zu viel Druck

Die Enttäuschung über den 19. Platz war auch Max Franz ins Gesicht geschrieben. "Ich bin einfach nicht g’scheit reingekommen. Scheiße", machte er seinem Ärger über die verpatzte Abfahrt Luft. "Ich hab’ mich voll reingehängt, bin top-motiviert reingegangen und dann das", sagte der Kärntner, der sich für den Samstag einiges vorgenommen hatte: "Ich hab’ mir in der Früh gedacht, heute passt es, dass wir ein gutes Ergebnis runterbringen als Mannschaft." Auf die windigen Bedingungen wollte er seine Leistung nicht schieben. "Klar ist da am Start Wind gegangen. Aber es gehört trotzdem von ganz oben gefahren, sonst ist es ja auch fad. Das ist schließlich eine WM-Abfahrt."

Dem stimmte auch Georg Streitberger zu, jener Österreicher, der als 29. das historisch schlechte WM-Ergebnis der rot-weiß-roten Mannschaft komplettierte. "Es war alles zammen vom Start weg nichts", sagte der 33-Jährige, der schon beim zweiten Tor von einer Böe gebremst worden war. "Das Tempo ist einfach über die ganze Fahrt nicht da gewesen. Ich hab’ schon gewusst, dass es nicht gut war, aber so ein großer Rückstand hat mich dann schon überrascht. Damit habe ich nicht gerechnet."

Neues Glück

Die Enttäuschung war den rot-weiß-roten Speed-Herren ins Gesicht geschrieben. Zu groß war der Rückstand auf die Medaillenränge, zu unerklärlich das mannschaftlich schlechte Abschneiden.

Ein schwacher Trost war Mayer, Reichelt und Co. der Ausblick auf die nächsten Speed-Rennen: Den Heimweltcup in Saalbach am Wochenende nach der WM. "Heimfahren, runterkommen und dann in Saalbach wieder auf den Putz hauen", so formulierte Max Franz sein nächstes Saisonziel.

(aus Beaver Creek)

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Patrick Küng (SUI/Gold): "Ich habe mich sehr gut darauf vorbereitet. Ich wäre schon im Super-G parat gewesen, es ist mir nicht aufgegangen. Diesen Sieg feiern zu dürfen, ist sehr schön, ich freue mich. Bei den Herren ist es so schwierig zur Zeit, es fahren viele so schnell. Es braucht ein bisschen Glück auch. Mein Ski war so schnell, manchmal fast zu schnell für mich. Es ist perfekt. Ein Traum. Es ist die Königsdisziplin, wenn man in der Schweiz Ski fährt, hat man immer einen sehr großen Druck. Es war in den letzten Jahren sehr schwierig. Umso schöner können wir nun vorne stehen."

Travis Ganong (USA/Silber): "Ich wusste, dass es eng werden wird. Um zu gewinnen, musst du hier alles geben. Ich habe viel gearbeitet dafür. Diese Medaille daheim zu gewinnen und vor meiner Familie, ist sehr schön."

Beat Feuz (SUI/Bronze): "Ich bin voll auf Angriff gefahren. Ich habe unten raus voll riskiert, ich bin überglücklich über die Medaille. In den letzten zwei Jahren war es nicht einfach, aber als ich im Dezember wieder auf dem Podest stand, habe ich gespürt, es geht wieder."

Matthias Mayer (AUT/12.): "Es ist heute nicht so gelaufen. Ich bin zu gerade zu der Welle hin, es hat mir den Ski verschnitten. Nach dem Fehler geht da gar nichts mehr, da herunter darf man sich nichts leisten."

Hannes Reichelt (AUT/13.): "Ich dachte mir, die Sprünge sind weit gegangen, es dürfte nicht so schlecht sein, auch wenn ich ein paar Schnitzer hatte. Aber so ist es, man fühlt sich gut und ist auch langsam. Ganz sauber runterkommen ist auch nicht immer schneller. Heute habe ich von oben bis unten kontinuierlich verloren. Ich wollte heute schon vorne mitfahren, das tut jetzt am Nachmittag noch ein 'bissl' weh, aber dann ist man drüber hinweg."

Max Franz (AUT/19.): "Oben ist es brutal windig, unterschiedlich, keine Ahnung, was das ausmacht. Im Steilhang ist es putzdunkel geworden, ich habe versucht, voll Gas zu geben, habe mich im Flachen gescheit reingehängt. Es ist schade, ich habe mir mehr ausgerechnet gehabt. Ich war voll motiviert. So ein Pech mit den Verhältnissen, aber irgendwann werde ich auch mal Glück haben."

Georg Streitberger (AUT/29.): "Max und ich und danach Innerhofer haben ein Pech gehabt mit den Verhältnissen. Aber es war von mir von oben weg nicht gut, den Steilhang bin ich nicht gut gefahren, es hat dann nichts gepasst von oben bis unten. Ich habe überall Zeit verloren."

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