Serena Williams ist erfolgreicher als Federer und verdient mehr als Rooney.

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Tennis
09/07/2016

Serena Williams: Das Match ihres Lebens

Die 34-jährige Amerikanerin könnte abseits des Tennisplatzes zur Ikone werden.

von Philipp Albrechtsberger

Serena Williams gewann am Montag ihr 308. Match bei einem Grand-Slam-Turnier. Rekord im Tennis (Roger Federer hält bei 307 Siegen). Die 34-jährige Amerikanerin benötigt in New York noch drei Siege, um zum siebenten Mal die US Open zu gewinnen. Rekord. Es wäre ihr 23. Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Rekord im Profi-Tennis. In dem Fall würde sie am Montag zum 187. Mal nacheinander die Weltrangliste zu Wochenbeginn anführen. Rekord bei den Damen.

Serena Williams hat allerspätestens dann so ziemlich alles erreicht in ihrem Sport – und so nebenbei auch noch 81 Millionen US-Dollar an Preisgeld eingespielt. Trotz des finanziell sorgenfreien Lebens ist Serena Williams manchmal arm dran.

Der Tennisstar hat sich vor einiger Zeit einen Gegner ausgesucht, der hartnäckiger ist, als es Jaroslawa Schwedowa im Achtelfinale der US Open war (6:2, 6:3); und der zäher ist, als es Simona Halep im Viertelfinale vermutlich sein wird. Williams duelliert sich mit der Gesellschaft.

Vorreiterin

"Es gibt definitiv einen Unterschied, wie männliche und weibliche Athleten behandelt werden", sagte Williams im Vorfeld der US Open. Das merkt selbst eine Ausnahmeerscheinung wie Williams am eigenen Leib. Erst in diesem Jahr musste sie ein paar Dinge klarstellen, nachdem ein paar ihrer männlichen Kollegen – darunter der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic – gemeint hatten, die Herren sollten für deren Verdienste um den Tennissport deutlich mehr kassieren als die Damen.

Der Return von Serena Williams ließ nicht lange auf sich warten: "Wenn ich eine Tochter habe, die Tennis spielt, und einen Sohn, der Tennis spielt, würde ich nicht sagen, dass meinem Sohn mehr Geld zusteht, weil er ein Mann ist." Punktgewinn für Williams. Djokovic musste sich später für seine Aussage entschuldigen.

Mitstreiter

An diesen Kampf ist die jüngere Schwester von Venus Williams (36) gewöhnt, seit sie 1995 im zarten Alter von 14 Jahren auf der Profi-Tour debütierte. Sie führt ihn mittlerweile so offensiv wie kaum eine zweite Sportlerin.

Dass im Tennis auch Damen hohe Gagen einstreifen, sei für Williams kein Privileg, sondern selbstverständlich. "Wir Frauen im Tennis können uns glücklich schätzen, Pioniere zu haben wie Billie Jean King." Die homosexuelle Amerikanerin kämpfte nicht nur auf dem Centre Court für die Gleichstellung. Einen prominenten Mitstreiter fand Williams in Andy Murray. Der Weltranglisten-Zweite wurde unlängst in Rio gefragt, wie es sich anfühle, als Erster im Tennis zwei olympische Goldmedaillen gewonnen zu haben. Die Antwort des Schotten: Man solle das besser Venus und Serena Williams fragen, "die beiden haben doch jeweils schon vier Goldene gewonnen".

Auch deshalb bedeutet Serena Williams ihr Match-Rekord bei Damen und Herren so unglaublich viel.

Weil es irgendwie zum Thema passt, eine kleine Anekdote: Im sportbegeisterten Land Spanien, in dem Sporttageszeitungen wie Marca, AS oder Mundo Deportivo zu den auflagen- und personalstärksten Medien zählen, feierten die Fußballerinnen von Athletic Bilbao heuer den Gewinn der Meisterschaft. Woraufhin der stolze Klub zu einer Pressekonferenz lud, die nie stattfinden sollte. Zu dem Termin war kein einziger Journalist erschienen.