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Sport
05/28/2020

Mählich vor dem Cup-Finale: "Wir sind keine Illusionisten"

Der Lustenau-Coach über das Geisterspiel-Endspiel am Freitag gegen Meister Salzburg in Klagenfurt.

von Christoph Geiler

Die großen Zeiten von Austria Lustenau sind längst Geschichte. Vor 20 Jahren stieg der Traditionsverein aus der Bundesliga ab und fristet seither ein Dasein in der Zweitklassigkeit. Längst hat Lokalrivale Altach im Ländle der Austria den Rang abgelaufen.

Der Einzug ins Cupfinale war wieder einmal ein Lebenszeichen der Lustenauer. Im Semifinale Anfang März hatte sich das Team von Roman Mählich gegen Zweitligist Wacker Innsbruck mit 1:0 durchgesetzt.

Es wird ein besonderes Finale an diesem Freitag in Klagenfurt zwischen Austria Lustenau und Salzburg. Es ist das Duell David gegen Goliath, Zweitligist gegen Serienmeister, vor allem aber ist dieses Finale das erste Geisterspiel nach der Corona-Krise. „Es wäre schön gewesen unter normalen Umständen zu spielen, weil sicher Tausende Zuschauer aus Lustenau nach Klagenfurt gepilgert wären“, sagt Roman Mählich. „Das geht halt jetzt leider nicht. Wir freuen uns aber alle, dass wir dieses Finale überhaupt spielen dürfen."

KURIER: Herr Mählich, kribbelt es wirklich bei Ihnen?

Roman MählichJa, es kommt langsam. Natürlich hätten alle Beteiligten sich andere Umstände für dieses Finale vorgestellt und auch gewünscht, aber es ist nun einmal alternativlos. Deshalb gibt’s von meiner Seite auch gar kein Jammern, dass das ein Geisterspiel ist. Im Gegenteil.

Was meinen Sie?

Vielleicht kommt ja gerade wegen all der Umstände diesem Finale jetzt eine ganz besondere Aufmerksamkeit entgegen. Weil es eben bei uns in Österreich das erste Spiel nach einer Gesundheitskrise ist. Wenn das Finale mitten in der Saison stattgefunden hätte, wären die Medienpräsenz und das Interesse an unserem Verein sicher nicht so groß gewesen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass sich am Freitag viele dieses Spiel daheim anschauen werden. Das kann die Fans im Stadion zwar nicht ersetzen, aber es kommt diesem Finale dadurch eine größere Bedeutung zu.

Müssen Sie Ihre Spieler auf ein Geisterspiel anders oder besonders einstimmen?

Nein, das muss man nicht thematisieren. An der Motivation, Konzentration und Aufmerksamkeit wird es bei uns eher nicht scheitern. Für uns als Austria Lustenau sind Geisterspiele jetzt nicht so etwas Ungewöhnliches. Es ist ja nicht so, dass bei uns in der Liga jede Woche 10.000 Zuschauer in den Stadien wären. Das werden wir schaffen.

Ist diese Kulisse also möglicherweise sogar ein Vorteil für Ihre Mannschaft?

Mag sein, dass wir das öfter schon in ähnlicher Form erlebt haben. Aber ich glaube nicht, dass wir wirklich einen Vorteil herausschlagen können. Man muss zum Beispiel nur einmal nach Deutschland schauen.

Welche Erkenntnisse haben Sie durch die ersten Geisterspiele in der Bundesliga gewonnen?

Man sieht schon, dass die Favoriten sich im Großen und Ganzen offensichtlich durchsetzen. Umgemünzt auf unser Finale heißt das: An der grundsätzlichen Ausgangsposition ändert es nichts, dass keine Leute im Stadion sind.

Was spricht denn überhaupt für Austria Lustenau?

Natürlich klammert man sich an die großen Überraschungen, die es im Fußball immer wieder gegeben hat. Sonst spricht im Grunde ja nichts für uns, wir sind da keine Illusionisten. Salzburg ist die Mannschaft, die in den letzten Jahren nicht nur in Österreich für Furore gesorgt hat, sondern auch darüber hinaus. Wenn die ihre Top-Leistung abrufen, dann wird es schwer. Wenn wir die zumindest ein bisschen ärgern können, hätten wir schon viel erreicht. Alles andere als ein klarer Salzburger Sieg wäre eine Überraschung. So ehrlich muss man schon sein.

Haben Sie ansatzweise eine Ahnung, wie gut Ihre Mannschaft nach der langen Pause drauf ist?

Ich sag’s ganz ehrlich. Es ist schwer einzuschätzen, wo wir stehen. Wir sind ungefähr eineinhalb Wochen im Mannschaftstraining. In Wahrheit müssen wir uns auf das verlassen, was wir vor der Pause einstudiert haben und was damals gut funktioniert hat. Das betrifft auch die Auswahl der Spieler. Es werden wahrscheinlich die Spieler zum Einsatz kommen, auf die man vorher gesetzt hat. Weil die anderen keine Möglichkeit hatten, sich aufzudrängen.

2010/'11 Ried - Austria Lustenau 2:0

2011/'12 Salzburg - Ried 3:0

2012/'13 Pasching - Austria 1:0

2013/'14 Salzburg SKN St.Pölten 4:2

2014/'15 Salzburg - Austria 2:0

2015/'16 Salzburg - Admira 5:0

2016/'17 Salzburg - Rapid 2:1

2017/'18 Sturm Graz - Salzburg 1:0

2018/'19 Salzburg - Rapid 2:0

Und wie sieht’s nach der langen Zwangspause mit der Fitness aus?

Ich denke, dass die Spieler in so einem Match leichter über die Schmerzgrenze gehen können als in einem normalen Ligaspiel. Die Fitness sollte am Freitag nicht das Problem sein. Das größere Problem werden eher die Salzburger sein.

Abschließend: Bei den Geisterspielen hört der Zuseher jedes Wort, was die Spieler und Trainer von sich geben. Müssen Sie da als Coach Ihr Verhalten anpassen?

ch werde sicher ein wenig aufpassen müssen, was ich alles sage. Weil einem während dem Spiel manchmal doch Sachen rausrutschen, die man besser nicht gesagt hätte. Ob es dann in der Emotion funktioniert, ist eine andere Frage.