Rad-Star Ivan Basso: „Der Sport hat mir das Leben gerettet“

Ivan Basso (48) ist Botschafter für den Neusiedler See Radmarathon. Der zweifache Giro-Sieger äußerte sich zu Jedermann-Rennen und zu seiner Krebs-Diagnose. Fragen zu Doping blieben unbeantwortet.
Ivan Basso jubelt über einen Sieg beim Giro d'Italia (Archivbild)

Mit dem 34. Neusiedler See Radmarathon wird die Rad-Saison in Österreich eröffnet. Etwa 2.500 Teilnehmer aus 43 Nationen sind am Start und umrunden in 125 Kilometern gegen den Uhrzeigersinn den See. Erstmals ist das Rennen auch ein Qualifikationsbewerb für die Amateur-WM. Als Botschafter für das Rennen fungiert Ivan Basso.

Mit Jedermann-Bewerben hat der heute 48-Jährige während seiner aktiven Karriere nichts zu tun gehabt. Der Italiener gewann zwei Mal den Giro d’Italia. Er arbeitete allerdings auch mit Doping-Mediziner Eufemiano Fuentes zusammen und wurde danach für zwei Jahre gesperrt.

Im (per eMail geführten) Interview äußerte sich Basso zu seiner Rolle in Neusiedl und zu den Lehren, die er gezogen hat. Kritische Fragen des KURIER zum Thema Doping hat er allerdings nicht beantwortet (siehe unten).

KURIER: Sie sind Testimonial für den Neusiedler See Radmarathon. Warum das? Und welche Rolle haben Sie da?

Ivan Basso: Dies ist eine der wichtigsten Veranstaltungen im UCI-Gran-Fondo-Kalender. Zudem verbinden mich mit Österreich wunderschöne Erinnerungen. 2001 habe ich in Lienz die fünfte Etappe der Österreich-Rundfahrt gewonnen. Ich erinnere mich an die vielen Fans und freue mich darauf, diese Erinnerungen durch die Zusammenarbeit mit Johannes Hessenberger (Organisator; Anm.) aufleben zu lassen.

Ivan Basso bei einem Vortrag im Jahr 2025.

Ivan Basso

2029 findet im Rahmen des Neusiedler See Radmarathons erstmals in Österreich eine Amateur-WM statt. Was bedeutet das?

Die Gran Fondos (Jedermann-Rennen; Anm.) – und erst recht die WM – sind nicht nur Radsport. Sie beleben auch das Umfeld. Und sie stehen für einen gesunden Lebensstil. Zudem ist uns wichtig, dass es dort Initiativen für Jugendliche und Kinder gibt. Wir können Impulse für die neue Generation setzen.

Wie fit sind Sie noch? Könnten Sie bei so einem Amateur-Rennen noch mithalten?

Mit dem Ende meiner Profikarriere habe ich ein Kapitel geschlossen. Aber ich halte mich mit meinen 48 Jahren immer noch fit. Ich empfinde noch immer Freude am Fahrrad und genieße die Schönheit der Landschaft.

Das Interview geht unter der Info-Box weiter.

Wie oft sitzen Sie noch auf dem Rennrad?

Ich mache jede Woche an fünf bis sechs Tagen Sport und wechsle dabei zwischen einem Tag auf dem Fahrrad und einem Tag Laufen.

Werden Sie bei der WM 2029 selbst mitfahren?

Das weiß ich noch nicht. Aber fix ist, dass meine Rolle über die eines einfachen Testimonials hinausgehen wird. Ich werde die Veranstaltung in ihrer Gesamtheit erleben, alles, was davor, währenddessen und danach passiert. Und ich werde den Kontakt nicht nur zu Organisatoren und Sponsoren suchen, sondern auch zu den Radsportlern und Fans.

2015 haben Sie während der Tour de France die Diagnose Hodenkrebs bekommen. Ihre Karriere haben Sie danach beenden müssen. Haben Sie den Krebs besiegt und sind Sie wieder vollkommen gesund?

Ja, ich muss dem Sturz bei der Tour de France 2015 danken. Durch die Untersuchungen danach wurde der Tumor erst entdeckt. Leider bedeutete dieser Moment das Ende meiner Karriere, aber der Sport hat mir letztlich das Leben gerettet. Und mir wurde dadurch erst klar, wie wichtig Prävention ist. Eine der besten Formen der Prävention ist ein gesunder Lebensstil, körperliche Aktivität ist einer der Grundpfeiler. Wenn man Sport treibt, hört man auf seinen Körper und merkt, ob es einem gut geht oder ob etwas nicht stimmt.

Als Sie Teil des Radsports waren, war er so aufregend wie nie zuvor. In jener Zeit wurde aber auch eines der dunkelsten Kapitel geschrieben. Es war die Hoch-Zeit des (Blut-) Dopings. Lance Armstrong wurden alle sieben Tour-Titel gestrichen. Wie sehen Sie diese Zeit im Rückblick?

Sicherlich waren die Jahre, in denen ich gefahren bin, von diesen Problemen geprägt; leider war auch ich daran beteiligt. Doch ich habe einen Wendepunkt herbeigeführt, sowohl im weiteren Verlauf meiner Karriere als Athlet als auch in meinem heutigen Leben als Sportmanager und Familienvater.

Ivan Basso auf einem Bild mit Lance Armstrong und Jan Ullrich.

Basso (li.) fuhr gegen die Doping-Sünder Armstrong (Mitte) und Ullrich.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Würden Sie etwas anders machen?

Heute ist es leicht, zu sagen, dass ich die negativen Dinge, die ich getan habe, nicht wieder tun würde. Ich habe im Lauf der Jahre verstanden, dass man aus den begangenen Fehlern lernen kann. Wichtig ist, die gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen.

Was hat Sie der Radsport gelehrt?

Der Sport hat mir viel genommen, aber noch viel mehr gegeben. Nach der Karriere musste ich lernen, dass ich nicht immer der Beste sein kann. Man muss sich Zeit nehmen, um die Welt und die Menschen besser kennenzulernen. Ich habe versucht, herauszufinden, was einen zu einem besseren Menschen macht.

Kommentare