Phil Taylor, der Darts-König

Britains Phil Taylor takes a throw before the start of his semi-final match against compatriot Wayne Mardle an the World Darts Championship at the Circus Tavern, Purfleet in Essex, Saturday 03 January 2004. EPA/Sean Dempsey
Foto: apa Phil Taylor ist bereits ein 15-facher Weltmeister im Wurfpfeilschmeißen.

Er ist der beste Darts-Spieler der Welt. Ab Freitag spielt der Brite beim Turnier in Wr. Neustadt. Der KURIER traf ihn.

Ostersonntag in Salzburg. Die High Society hat sich fein herausgeputzt, spaziert nachmittags um den Mönchsberg, labt sich im angesagten Restaurant M32 und genießt den Ausblick auf die Festung Hohensalzburg. Ein Mann fällt kleidungstechnisch aus dem Rahmen, obwohl er das meiste Geld von allen haben dürfte: Der 52-jährige Phil Taylor hat zur Feier des Tages seinen schönsten Trainingsanzug an, den er in Salzburg zur Schau stellt. Deshalb wird der Brite angestarrt, als er das M32 betritt. Und nicht, weil die Menschen den besten Darts-Spieler aller Zeiten, den 15-fachen Weltmeister, erkannt haben. Trotzdem unterbricht ein Mann sein Mahl, um ein Foto von Phil Taylor zu schießen. Sicherheitshalber. Danach fragt er vorsichtig: "Wer ist das?"

KURIER: Wir sitzen hier, weitgehend unbemerkt, und reden. Könnten Sie unbemerkt durch London gehen?
Phil Taylor:
Keine Chance. Wobei: Wenn viele Leute auf der Straße sind, ist es besser, weil man im Gedränge nicht leicht gesehen wird. Wenn wenig los ist, bildet sich eine Menschentraube und ich schreibe Autogramme.

Stört Sie das?
Im Gegenteil, das macht mich sehr, sehr stolz. Das gehört zu meinem Beruf, dem ich alles verdanke. Die Leute zahlen mich ja, deshalb geht es mir gut.

Sie haben allein durch Ihre Gabe, besonders gut Pfeile auf ein 2,37 Meter entferntes Board werfen zu können, 5,5 Millionen Euro an Preisgeld verdient. Macht Sie das demütig?
Ja, auf alle Fälle. Es war eine Fügung des Schicksal, dass ich Darts für mich entdeckt habe. Und dass mich Darts gefunden hat. Als Fünfjähriger habe ich die ersten Pfeile auf die Scheibe geworfen. Mit dem ersten Preisgeld habe ich meiner Mutter einen Mantel gekauft. Wir hatten nicht viel Geld.

Wenn Sie nicht Darts-Profi wären - wovon würden Sie heute leben?
Mein Leben würde komplett anders aussehen, ich würde größere Sorgen haben, als ein Triple-Feld auf der Scheibe nicht zu treffen. Wahrscheinlich würde ich Mechaniker sein. Diesen Beruf habe ich erlernt. Aber ehrlich: Tauschen möchte ich nicht! Wenn du das tust, was du gern tust, hast du aufgehört zu arbeiten.

Sie werden "The Power" genannt? Warum?
Weil jeder Spieler ein Einmarsch-Lied hat, sagte ein befreundeter Manager, dass ich auch eines brauche. Wir fanden keines. Bis er unabsichtlich einen Stapel CDs vom Tisch warf und auf eine CD draufstieg. Die Hülle ging kaputt. Es war "The Power" von Snap.

Wie oft trainieren Sie?
Am Board? Jeden Tag, eineinhalb bis maximal zwei Stunden, um die Mittagszeit. Mehr bringt nichts. Den Rest des Tages schaue ich auf meine Fitness, arbeite mit Hanteln, fahre Elektro-Bike, betreibe Walking.

Wie viel haben Sie abgenommen? Sicher 15 Kilo, oder? Wie haben Sie das geschafft?
Das steht und fällt mit Bewegung und parallel dazu gesunder Nahrung. Meine Frau, Laura Church, ist meine Ernährungsberaterin. Sie war Judoka, Zweite bei der Miss Universe und hat eine eigene TV-Show. Ich schreibe alles auf, was ich zu mir nehme. Wie viel Gewicht ich verloren habe, weiß ich nicht. Und wichtig ist: kein Alkohol. Von einem kleinen Wodka bin ich betrunken.

Man hört immer wieder, dass manche Spieler vor dem Bewerb Alkohol trinken, damit sie die Konzentration halten können. Stimmt das?
Ich weiß nicht, was die anderen tun, wie viel sie trainieren, was sie essen und trinken. Aber ich kann mir vorstellen, dass jemand Wodka ins Wasser mischt und dann auf der Bühne "Wasser" trinkt. Das merkt kein Mensch.

Im Juli beginnen die Olympischen Spiele in London. Bogenschießen ist dabei, Darts nicht. Zwei Sportarten, die vergleichbar sind, oder?
Durchaus. Es ist schade, dass wir nicht mitmachen dürfen. Aber so weit ich weiß, muss eine Sportart aus dem Programm genommen werden, damit eine andere Aufnahme findet. Vielleicht passiert das ja in acht, zwölf Jahren.

Welche Sportler taugen Ihnen?
Die Besten, weil ich Sieger-Typen liebe. Klitschko, der fünf, sechs Sprachen spricht; oder Michael Schumacher. Ich schaue bei einem Formel-1-Rennen nur auf ihn. Wenn Schumacher Fotograf wäre, wäre er der beste Fotograf der Welt.

Haben Sie eigentlich einen Mentaltrainer?
Nein. Durch das Fitnessprogramm mit Laura bin ich mental fitter denn je. Ich kann mich auch gut mit Musik entspannen, höre gern Streisand, Sinatra, Sammy Davis, Katy Perry und natürlich Robbie.

Man sagt Ihnen ja zu Robbie Williams ein Nahverhältnis nach. Stimmt das?
Sicher! Robbie und ich sind beide aus Stoke-on-Trent, wir sind Nachbarn und sehr gute Freunde geworden. Wir unternehmen auch sehr viel gemeinsam. Zum Beispiel fahren wir mit unseren kleinen Motor-Buggys Rennen im Wald. Da geht ganz schön die Post ab. Robbie gewinnt immer, er ist unschlagbar, weil er mehr Zeit zum Üben hat. Er ist überhaupt sehr talentiert, auch wenn wir Basketball spielen oder Snooker. Nur im Darts bin ich ein bisschen besser. Noch.

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(kurier) Erstellt am
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