Fahnenträger Wolfgang Eibeck führte Österreichs Delegation ins volle Maracanã-Stadion.

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Sport
09/09/2016

Thomas Muster ist auch in Rio die Nummer eins

Martin Legner und Nico Langmann sind Österreichs Vertreter im Rollstuhltennis.

"Da warst du doch gar nicht auf der Welt", sagt Martin Legner zu Nico Langmann. "Aber geh, seine Spiele haben sie danach doch immer gezeigt." Es sind viele Dinge, die die beiden besten österreichischen Rollstuhl-Tennisspieler vereinen. Nicht nur die Bewunderung für Thomas Muster.

Beide starten bei den Paralympics in Rio, beide sind mit Leidenschaft dabei – und beide sind im Österreicher-Haus gut aufgelegt, als sie mit dem Ex-Profi und ORF-Kommentator Clemens Trimmel am KURIER-Stammtisch Platz nehmen. "Sie haben beide ungemeinen Ehrgeiz, es ist eine Freude ihnen zuzuschauen", sagt Trimmel, den das Projekt "Rio 2016" nach Brasilien geführt hat.

Eines vereint die Herren Langmann und Legner aber gewiss nicht: das Alter. Legner ist 54 Jahre alt und heuer zum siebenten Mal seit seinem Debüt 1992 dabei. Für den 19-jährigen Langmann sind es die ersten Spiele. "Ich bin froh, dass Martin dabei ist. Er war vor Jahren mein Vorbild, von ihm kann ich lernen", sagt Langmann, der auch schon mit Ex-Profi Werner Eschauer trainierte.

Das Olympia-Gefühl

Legner ist immer noch aufgeregt wie ein junger Bub vor der Mathematik-Schularbeit. "Das war mein großes Ziel, noch einmal dabei zu sein." Während er im Doppel Nummer eins der Welt war und im Einzel Nummer drei, klappte es mit der Olympiamedaille nie. "Das wird auch so bleiben, ich werde ja nicht jünger." Früher wären vielleicht noch die Grand-Slam-Turniere wichtiger für ihn gewesen, "aber jetzt ist es einfach unbeschreiblich geil, dieses Olympiagefühl zu erleben. Einfach weil es gelungen ist, dass unser Sport mehr Aufmerksamkeit bekommt. "Und nicht immer nur die Profis", stimmt Langmann zu. Obwohl – mit Neid richtet sich der Blick nicht auf Dominic Thiem. "Der hat schon für einen kleinen Aufschwung gesorgt. Kurz nachdem er bei den French Open ins Halbfinale eingezogen ist, waren unsere Tennisplätze wieder voll", sagt der Tiroler Legner. "Freilich, in meiner Zeit war Muster ein Vorbild."
Das merke man auch am Spielstil. Ob sich dieser beim Rollstuhltennis verändert hat? Beispielsweise, dass beim "normalen" Tennis die Aufschlagvolleyspieler aussterben oder die Spanier, die nur zum Shakehands ans Netz gehen? "Im Prinzip nicht. Und ich werde auch mit 54 meinen Stil nicht ändern", erklärt Legner. "Ich habe erst vor kurzem gegen einen Aufschlag-Volleyspieler klar verloren, ich habe gar nicht gewusst, dass es so was bei uns gibt", sagt Langmann.

Erstaunlich

In Rio wollen sich die beiden Asse, die ab heute im Einzel aufschlagen und auch gemeinsam Doppel spielen, nicht überraschen lassen. Obwohl? "Das ist heuer alles so gut organisiert, dass wir selbst staunen", sagen beide. "Ihr habt euch das auch redlich verdient. Es wäre schön, wenn auch bei den Grand Slam-Turnieren die Rollstuhl-Spieler wieder mehr in den Fokus rücken würden", schließt Trimmel die Runde.