Marieke Vervoort beschreibt ihr Leben als ständigen Kampf.

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Paralympics
09/12/2016

Eine Medaillengewinnerin hat Sterbehilfe im Hinterkopf

Die Belgierin Marieke Vervoort ist bereits seit 2008 im Besitz der erforderlichen Papiere, genieße aber "nach wie vor jeden kleinen Moment".

Die Paralympics-Silbermedaillengewinnerin Marieke Vervoort hat Berichte zurückgewiesen, nach denen sie unmittelbar nach den Spielen Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. "Ich habe alle Papiere griffbereit, aber ich genieße nach wie vor jeden kleinen Moment", sagte die 37-jährige Belgierin am Sonntag vor Journalisten in Rio de Janeiro.

"Sollte der Zeitpunkt gekommen sein, an dem ich mehr schlechte als gute Tage habe, dann habe ich meine Papiere - aber die Zeit ist noch nicht gekommen", sagte die Sportlerin. Vervoort leidet an einer degenerativen Muskelerkrankung, die ständige Schmerzen hervorruft und sie kaum schlafen lässt. Mit der Silbermedaille im Rollstuhlrennen über 400 Meter am Samstag endete die Sportkarriere der mehrfachen Medaillensiegerin, die Paralympics 2016 waren ihr letzter Wettbewerb, wie sie nun bestätigte.

Ihre Herausforderung sei es nun, das Leben jenseits des geliebten Sports schätzen zu lernen. "Ich werde jeden kleinen Moment in meinem Leben genießen, und ich werde mehr von meiner Kraft meiner Familie und meinen Freunden widmen, was ich bisher nicht konnte, weil ich jeden Tag trainieren musste", sagte sie weiter.

Interviews im August, in denen Vervoort den Wunsch nach Sterbehilfe erstmals angesprochen und den Sport als ihren einzigen Grund zum Leben bezeichnet hatte, hatten für einige Spekulationen gesorgt. Es seien einige falsche Sachen über sie berichtet worden, sagte sie nun. Diese wolle sie nun klarstellen.

Die Behindertensportlerin ist bereits seit 2008 im Besitz der erforderlichen Papiere. Die Möglichkeit der legalen Sterbehilfe in Belgien habe ihr den Mut gegeben, so lange es geht weiterzuleben. "Sie gibt den Leuten Ruhe. Ohne die Papiere hätte ich, glaube ich, schon längst Suizid begangen, denn es ist sehr hart, mit so vielen Schmerzen und der Ungewissheit zu leben".

Ihr derzeitiges Leben beschrieb Vervoort als ständigen Kampf. Ihre Sehkraft sei nur noch bei 20 Prozent, immer wieder leide sie zudem unter epileptischen Anfällen. Sie frage sich ständig, was als nächstes komme. Aber sie wisse, "wenn es für mich genug ist, dann habe ich diese Papiere".