Sport
28.06.2018

Olympia 2026: Keine Großinvestitionen in Grazer Bewerbung

Einer Machbarkeitsstudie zufolge soll die geplante Olympia-Bewerbung ohne Neubauten und große Investitionen auskommen.

Die am Donnerstag präsentierte Machbarkeitsstudie geht laut Joachim Pölzl, der große Teile der Studie präsentierte, von einem "polyzentrischen Sportstättenkonzept" aus, das nur existierende oder bereits in Planung oder Bau befindliche Sportstätten einbezieht. Demnach seien "keine Großinvestitionen in neue Sportstätten oder in die Unterbringung von Athletinnen und Betreuerinnen" erforderlich.

Unter den Sportstätten in den insgesamt elf Austragungsgemeinden werden auch der Eiskanal in Schönau am Königssee im Berchtesgadener Land sowie die Eisschnelllaufbahn im bayrischen Inzell angeführt. Im Eissport sind zudem die bestehenden zwei Eishockeyhallen in Klagenfurt und Wien Teil des Konzepts. Zusätzlich sind für die Sportarten Eiskunstlauf, Short Track sowie Curling Eishallen vorgesehen, die laut der Studie bereits in Vollbetrieb (Graz-Liebenau), in Bau ( Graz/Hüttenbrennergasse) oder in Planung (Graz/Messezentrum) sind. Alle Schneesportstätten seien bereits "in der Austragung von Weltcupveranstaltungen bzw. Weltmeisterschaften erprobt", wie Pölzl darlegte.

Olympisches Dorf später Wohnraum?

In Graz könnte ein Olympisches/Paralympisches Dorf im neu entstehenden Stadtzentrum auf den Reininghaus Gründen integriert werden, das anschließend Wohnraum für die Grazer Bevölkerung biete. Das Projekt sei bereits in den ersten Umsetzungsphasen. In den Austragungs-Clustern Kreischberg, Schladming, Inzell, Hochfilzen und Schönau seien fünf "Residential Zones" in direkter Umgebung der direkten Sportstätten vorgesehen. Die Kapazität für Akkreditierte und Besucher wurde "in der näheren Umgebung" - bis 50 Kilometer entfernt - analysiert. "Wir gehen davon aus, dass 910.000 zusätzliche Nächtigungen anfallen werden", sagte Michael Kernitzkyi von der Joanneum Research. In Graz sei der Februar ein Monat mit "sehr geringer Auslastung", wie Kernitzkyi hervorhob.

Olympia 2026 - Graz plant Bewerbung

Für die Eröffnungs- und Schlussfeier ist laut Studie vorerst eine "temporäre Veranstaltungsfläche auf grüner Wiese in Graz" vorgesehen. "Die Empfehlungen gehen dahin, dafür nicht ein Stadion zu bauen, sondern etwas Vergleichbares zum Donauinselfest zu machen", sagte Pölzl.

Das weltweite TV- und Medienzentrum könne laut Studie "in dem zentral gelegenen Messe- und Congresszentrum in Graz" errichtet werden. Daraus resultiere ein Gesamtkonzept, das "eine wesentlich bescheidenere und absolut sparsame Durchführung" der Olympischen und Paralympischen Winterspiele im Jahr 2026 ermöglichen soll. Die Paralympischen Winterspiele sollen traditionell nach den Olympischen Winterspielen stattfinden und wurden in die Gesamtplanung integriert.

"Reines Blendwerk"

Die Mobilität zwischen den Austragungsorten sei "naturgemäß eine große Herausforderung" wurde in der Studie festgehalten. Der Transport sei jedoch "kapazitätsmäßig möglich", da sich durch das polyzentrische Konzept "eine Verteilung der Mengen" ergebe. Das Schienennetz - hier setzt man auch auf die Koralmbahn, die 2025 in Betrieb gehen soll - und das Autobahnnetz würden "genügend Kapazitätsreserven" bieten, wie Co-Autor Michael Haberl (TU Graz) darlegte. Neben dem Ausbau des Knotenpunktes Trautenfels und den Adaptionen der B320 würden jedoch "keine weiteren größeren Ausbaumaßnahmen" auf der Ennstalstraße möglich sein. Erhöhte Anforderungen würden jedoch an die Programmgestaltung gestellt, da Transportzeiten zu berücksichtigen seien.

"Es ist aus meiner Sicht eine konservativ gerechnete und sehr genau ausgeführte Studie von hervorragenden Institutionen unseres Landes", hob Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) bei der Präsentation der Studie hervor. Er freue sich, "dass die Studie nun da ist, so können wir allen Kritikern mit Fakten gegenüber treten", wie Nagl formulierte.

Als "Reines Blendwerk" bezeichneten hingegen die Grazer Grünen am Donnerstag die Machbarkeitsstudie. "Es fehlen Kosten für notwendige Infrastruktur zur Gänze und die mit 50 Millionen Euro veranschlagten Sicherheitskosten sind nach den Erfahrungen der vergangenen Wettbewerbe viel zu niedrig angesetzt", so Umweltstadträtin Tina Wirnsberger. Aus der Sicht des Grünen Landtagsklubobmann Lambert Schönleitner seien die budgetären Zahlen "massiv zu hinterfragen": "Nach dieser Schönfärbelei fragt man sich doch, wieso sich nicht alle Städte der Welt um Olympische Winterspiele bewerben?", hielt der Grüne Klubobmann per Aussendung fest. Schönleitner forderte Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und Finanz-Landesrat Anton Lang (SPÖ) auf, "die steirischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler vor der ,Geldverbrennungsmaschine Nagl' zu schützen!"

Man werde die Machbarkeitsstudie einer genauen Prüfung unterziehen, teilte Lang mit. "Ich habe stets betont, dass einer Entscheidungsfindung eine umfassende, seriöse und plausibilisierte Analyse vorangehen muss. Es geht bei dieser wichtigen Entscheidung schließlich nicht um Befindlichkeiten irgendwelcher Art, es geht darum, ob eine tatsächliche Realisierbarkeit möglich ist. Und dies hängt ausschließlich von den Zahlen, Daten und Fakten ab", so der steirische Finanz- und Sportlandesrat Anton Lang zurückhaltend. Auch vonseiten der Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl hieß es, dass man die Daten und Fakten "genau prüfen lassen und in der Folge eine Entscheidung über einen etwaigen Beitrag des Landes treffen" werde, so Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl.