Sport
15.07.2017

Oliver Marach: "Wir wollten uns schon trennen"

Oliver Marach über seinen neuen Doppelpartner, die Finalchancen und seine Wahlheimat Panama.

Heute, Samstag, ist es so weit: Oliver Marach, 37, kann als zweiter Österreicher nach Jürgen Melzer (2010) den Doppel-Titel in Wimbledon holen. Mit seinem kroatischen Kollegen Mate Pavic fordert er das derzeit weltbeste Doppel, gebildet von Lukasz Kubot und Marcelo Melo (17 Uhr MESZ/live Sky Sport; für Nicht-Abonnenten online via www.skyticket.at).

KURIER: Ist der Finaleinzug Ihr bislang größter Erfolg?

Oliver Marach: Die beiden Teilnahmen beim ATP-Finale 2009 und 2010 sind vergleichbar, das war etwas Großes. 2009 sind wir mit zwei Gruppensiegen ausgeschieden. Das war bitter.

Damals spielten Sie mit Samstag-Gegner Lukasz Kubot, der auch Ihr Trauzeuge ist. Wie ist das Gefühl vor diesem Duell?

Wir reden jeden Tag miteinander und sprechen nicht nur über Tennis. Lukasz ist einer meiner ganz wenigen Freunde auf der Tour, ein ehrlicher Kerl. Aber wir haben schon gegeneinander gespielt. Auch am Samstag will jeder gewinnen, da vergessen wir kurz die Freundschaft.

Sie und Ihr Partner gehen nicht als Favoriten in die Partie. Wie sieht die Taktik aus?

Wenn wir so spielen wie im Halbfinale, haben wir keine Chance. Wir müssen so auftreten wie im Viertelfinale, das war richtig gut. Aber es ist das Duell der besten Rasenteams in diesem Jahr, wir spielen jetzt schon das dritte Rasen-Finale. Leider hat sich Mate am Handgelenk verletzt. Wir hoffen, dass es am Samstag wieder gut ist.

Sie mussten zuletzt im Finale von Antalya aufgrund einer Handgelenksverletzung aufgeben. Ein Handicap?

Das ist wieder in Ordnung. Aber wir haben nicht einmal gewusst, ob wir hier überhaupt antreten können. So war alles unsicher, auch die folgende Turnierplanung. Daher spiele ich in Gstaad und Kitzbühel Ende Juli jetzt mit Philipp Oswald, weil auch Mate planen muss.

Mit Mate Pavic bilden Sie seit März ein Team. Mit Alex Peya hat es ja unmittelbar zuvor nicht so gut geklappt für Pavic. Warum passen Sie beide so gut zueinander?

Alex und Mate haben oft mit Matchbällen verloren und viel Pech gehabt. Da unternimmt man dann eben etwas. Vor der Rasensaison waren wir wenig erfolgreich und wollten uns ebenfalls schon trennen. Das geht schnell. Wir haben uns zusammengefunden.

Apropos zusammenfinden: Stehen Sie zur Verfügung für das Daviscup-Spiel gegen Rumänien im September in Wels?

Ich bin prinzipiell immer bereit, im Daviscup zu spielen. Ich mag es aber nicht, dass ich vor Wimbledon zwei Jahre nichts von Kapitän Koubek gehört habe. Diese mangelnde Kommunikation stört mich sehr. Erst nach den zwei Finaleinzügen vor dem Wimbledon-Turnier hat er angerufen. Ich bin bereit, muss aber bald Bescheid wissen.

Ist Ihre Familie, mit der Sie in Panama leben, in London vor Ort?

Kurz, weil es viel zu tun gibt in Panama. Wir haben gemeinsam Geburtstage gefeiert. Meine Gattin Jessie hatte am 13. Juli, meine Tochter Leah ist am 9. Juli fünf geworden, und ich habe am Sonntag meinen 37. Geburtstag. Die Kleine ist zuhause in Panama bei der Nanny und bei der Oma geblieben.

Die Liebe hat Sie nach Panama verschlagen. Denken Sie daran, irgendwann wieder in Österreich zu leben?

Ich besuche Österreich sehr gerne, nach meiner Karriere sicher noch öfter. Aber mehr nicht, denn ich habe mir in Panama eine neue Existenz aufgebaut. Außerdem bin ich ein Mensch, der es lieber warm hat.