Sport
23.07.2018

Österreichs Kletterer sind hoch im Kurs

Sechs Wochen vor der Heim-WM in Innsbruck zeigen Jessica Pilz und Jakob Schubert auf.

Ein Ottonormalbergsteiger wird nie nachvollziehen können, dass Jessica Pilz sich tatsächlich darüber beschwert, dass die Kletterroute beim Weltcup in Briancon (FRA) zu wenig anspruchsvoll gewesen sein soll. Schon beim bloßen Anblick der Steilwände mit ihren Überhängen und anderen schwierigen Passagen befällt viele ein Schwindelgefühl. Jessica Pilz freilich meisterte in Briancon trittsicher und fingerfertig alle Hindernisse und Herausforderungen und erreichte im Finale souverän das Top, wie in der Klettersprache der Durchstieg der Wand genannt wird.

Dass sich die Niederösterreicherin am Ende doch mit dem zweiten Platz begnügen musste, lag in den Augen von Pilz auch an der zu einfachen Route. Da sich die Slowenin Janja Garnbret ebenfalls keine Blöße gab, musste die Reihung im Semifinale über den Sieg entscheiden – und dort war Pilz hinter Garnbret gelandet. „Ich bin trotzdem zufrieden, der zweite Platz ist gut fürs Selbstvertrauen“, sagte die 21-Jährige, die in dieser Saison in Chamonix bereits einen Vorstieg-Weltcup gewonnen hatte und in der Gesamtwertung an zweiter Stelle liegt.

Nummer eins

Mit den österreichischen Kletterern geht’s überhaupt steil bergauf sechs Wochen vor der Heim-WM in Innsbruck (6. bis 16.9.). Das WM-Gastgeberland führt nicht nur die Nationenwertung an, auch bei den Herren stellt Österreich aktuell den Gipfelstürmer: Jakob Schubert behauptete mit seinem vierten Platz in Briancon die Führung im Gesamtweltcup.

Da lässt sich auch das Ende seiner beeindruckenden Erfolgsserie verschmerzen. Erstmals seit zwei Jahren, seit dem Weltcup in Briancon im Sommer 2016, war Schubert in einem Vorstieg-Weltcup nicht auf das Stockerl gekraxelt, ein Flüchtigkeitsfehler im Finale hatte ihm den Podestplatz gekostet. „Das war schade, aber auf jeden Fall stimmt meine Form“, sagte der 27-Jährige.

Medaillenjagd

Vor der WM wartet am Wochenende noch der Weltcup-Klassiker in Arco (Italien), ehe sich die Kletterer einen Monat lang den Feinschliff für den Saisonhöhepunkt holen. Die Österreicher genießen dabei das Privileg, in der modernsten Kletterhalle Europas trainieren zu dürfen. Um 12 Millionen Euro entstand in Innsbruck ein neues Kletterzentrum, das den Athleten Berge gibt. 5700 Quadratmeter reine Kletterfläche steht den Kraxlern zur Verfügung, dabei können Spitzen-aber auch Hobbysportler aus über 500 Routen wählen, in der Halle wie im Freien.

Der Kletter-Boom ist freilich international. 2020 werden die Akrobaten der Steilwand in Tokio sogar erstmals um Olympiamedaillen klettern.