Präsent für den Präsidenten: Das Team bei Alexander Van der Bellen

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Sport
09/11/2019

Österreich ist bereit für die große Volleyball-Party

Die Herren haben sich erstmals sportlich für das EM-Turnier qualifiziert. Zum Auftakt wartet am Freitag Belgien.

von Florian Plavec

Am Dienstag wurde das Volleyball-Nationalteam von Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Hofburg verabschiedet, am Freitag tritt die Mannschaft vor 15.000 Besuchern in Brüssel gegen Co-Gastgeber Belgien an. Denn erstmals hat sich Österreich auf sportlichem Weg für eine EM qualifiziert.

Das Turnier findet in Belgien statt?

Nicht nur. Zum ersten Mal wird die EuroVolley in vier Ländern ausgetragen: in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Slowenien. Österreich spielt in Brüssel und Antwerpen und trifft nach dem Spiel gegen den Gastgeber auf die Slowakei, Serbien, Deutschland und Spanien.

Wer steht hinter der EM-Qualifikation?

Verantwortlich dafür sind viele, vor allem aber Peter Kleinmann und Michael Warm. Der langjährige Verbandspräsident und „Mister Volleyball“ Kleinmann  (71) war mit seinen Reformen und Plänen Wegbereiter des Aufstiegs der Nationalmannschaft.  Der Deutsche Warm (51)  ist seit 2010 akribisch arbeitender Teamchef. Fraglich ist, ob der Vertrag mit ihm nach der EM verlängert wird, denn der 51-Jährige übernimmt Champions-League-Starter Friedrichshafen. Schwer vorstellbar, dass er nebenbei Teamchef bleiben kann.

Gehört Österreich nun zu Europas Spitze?

Nein. Schon 1999 und 2011 war Österreich Teil einer EM. Damals allerdings automatisch – als Veranstalter. Nach sechs Spielen ohne Satzgewinn waren die Turniere bald vorbei. Doch die Heim-EM 2011 gilt als Geburtsstunde für die jetzige Mannschaft. Für die EM 2019 hat sich Österreich erstmals aus eigener Kraft qualifiziert, dank starker Legionäre, aber auch dank der Aufstockung der EM von 16 auf 24 Teams. Österreich gehört bei der EM zu den Außenseitern.

Darf man sich von Österreich eine Überraschung erwarten?

Eher nein. Je mehr Punkte oder Tore in einem Spiel gemacht werden, desto schwieriger ist es für einen Außenseiter, eine Sensation zu schaffen. Im Fußball ist es demnach am leichtesten, beim Basketball am schwersten. Im Volleyball geht es auf drei Gewinnsätze (bis 25 Punkte mit mindestens zwei Punkten Vorsprung). Ein etwaiger fünfter Satz endet, wenn eine Mannschaft 15 Punkte erreicht hat. „Wir haben ein zweistufiges Ziel“, sagt ÖVV-Sportdirektor Gottfried Rath. „Raus aus der Gruppe, dafür müssen wir unter den besten vier sein.“ Danach würde ein Play-off-Spiel anstehen. „Das Nonplusultra wäre, dort noch einmal zu gewinnen.“ Denn dann wäre Österreich automatisch für die nächste EM qualifiziert.

Ist der heimische Verband nun am Ziel?

Nein. Rath: „2021 wollen wir auch mit den Damen zur EM. Wir wollen die Popularität unserer Spieler nützen, um noch mehr Kinder für Volleyball zu begeistern.“

Wer sind die Favoriten?

Titelverteidiger Russland, Deutschland (Zweiter bei der letzten EM), Gastgeber Belgien sowie Italien, Frankreich und Serbien.

Wo sind die Spiele zu sehen?

Alle Partien der Österreicher werden auf ORF Sport+ übertragen.

Warum spielen so viele Österreicher im Ausland?

Tatsächlich verdienen vor allem die Leistungsträger (Alexander Berger, Thomas Zass, Paul Buchegger usw.) ihr Geld im Ausland. Spätestens seit dem freiwilligen Abschied der AlpenVolleys Tirol in Richtung deutscher Liga ist die heimische Meisterschaft eine Ausbildungsliga.

Warum soll man sich ein Volleyballspiel anschauen?

Es gibt keine Ausschreitungen, die Energie ist ausschließlich positiv. Zudem spricht der Sport beide Geschlechter an. Rath: „Volleyball ist irrsinnig athletisch, die Spieler springen über einen Meter hoch in die Luft. Und es ist schnell, die Bälle werden mit 140 km/h geschlagen, der überholt einen auf der Autobahn.“

Warum klatschen die Spieler nach jedem Ballwechsel ab?

Diese Tradition ist schon jahrzehntealt. Die Spieler stehen eng beisammen, die Energie ist hoch, da kein Gegner dazwischen steht. Das Spiel ist strukturiert durch einen ständigen Wechsel von Aktion und Ruhe. Die Zeit der Unterbrechung wird genutzt. Gottfried Rath: „Entweder feiert man, oder man baut einander auf.“

Der EM-Fahrplan

Die Spiele der Österreicher

13.9. Belgien (20.30 Uhr)
14.9. Slowakei (20.30 Uhr)
16.9. Deutschland (17.30 Uhr)
17.9. Spanien (17.30 Uhr)
19.9.  Serbien (20.30 Uhr)

Sämtliche EM-Partien des österreichischen Nationalteams überträgt ORF Sport + live.