2011 musste sich Thomas Muster in der Stadthalle Dominic Thiem geschlagen geben.

© REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Tennis
05/09/2014

Musters Rat an Thiem: Distanz zu Schulterklopfern

Die ehemalige Nummer eins rät dem Jungstar, sich wenig in Österreich aufzuhalten.

Tennis-Legende Thomas Muster sieht die Entwicklung von Dominic Thiem mit Interesse bzw. im 20-Jährigen noch viel Potenzial für mehr schlummern. Bei einem Informationsgespräch am Donnerstagabend bei einem Wiener Heurigen ließ der 46-Jährige durchblicken, dass er die für kommenden Montag fixe Wachablöse an der Spitze des heimischen Rankings als langfristig erachtet.

Jürgen Melzer wird da im Ranking hinter Thiem zurückfallen und nach Musters Einschätzung es nicht wieder in die Top 20, 30 schaffen. "Es wird für ihn nicht leichter werden", sagte Muster über den bald 33-jährigen. Die sechsmonatige Verletzungspause könnte demnach zu lange gewesen sein. "Man braucht dreimal so lange, bis man wieder dort ist, wo man vorher war. Das ist eine Faustregel. Ich würde mich aber freuen, wenn mich Jürgen eines Besseren belehrt."

Entwicklungspotential

Ziemlich gegenteilig schätzt der Steirer Thiems Aussichten ein. "Mit ihm haben wir einen Spieler, der sich heuer nur nach oben entwickeln kann. Wenn nichts Gravierendes passiert, wird er im Oktober beim Erste Bank Open um die 40 oder sogar besser in der Weltrangliste stehen. Da wird er das erste Mal nicht als Außenseiter ins Turnier gehen, sondern mit einem gewissen Druck." Diesen Montag wird Thiem im Ranking bereits um Position 60 aufscheinen.

Doch die eigentliche Herausforderung für den Niederösterreicher komme laut Muster erst 2015. "Da muss er das von heuer verteidigen und für ein besseres Ranking noch besser spielen", erläuterte der ehemalige Weltranglisten-Erste. "Das ist dann für mich viel interessanter als das, was jetzt passiert." Da werde man dann Thiems Potenzial sehen. "Aber das sehe ich in jeder Hinsicht. In den nächsten zwei, drei, vier Jahren wird es sich abzeichnen, wo die Reise hingeht."

Der Leibnitzer stuft seinen jungen Landsmann als einen Spieler wie etwa Kei Nishikori ein, der Japaner ist mit seinen 24 Jahren aktueller Weltranglisten-Zwölfter. "Das ist ein gewachsener Spieler, der hat alle Stufen durchgemacht. Diese Anlagen sehe ich auch bei Dominic Thiem." Als Gegenbeispiel nannte Muster den US-Amerikaner Michael Chang, sein Gegner im Pariser Grand-Slam-Finale 1995. Der sei einst früh in seiner Tennis-Entwicklung stehen geblieben.

Erwartungshaltung

Die aktuelle Euphorie um Thiem nach seinem Madrider Zweitrundensieg über den Schweizer Australian-Open-Sieger Stanislas Wawrinka gefällt Muster nicht. "Das ist das Problem in Österreich, dass wenn irgendwer wo herausschaut, verliert man gleich den Boden unter den Füßen." Soll heißen, nach dem Wawrinka-Match sei gleich von einem möglichen Finale gegen Rafael Nadal die Rede gewesen. Solche Erwartungen könnten auch zur Belastung werden.

"Ich habe das auch Schritt für Schritt erfahren müssen", erinnerte sich Muster zurück. "Für mich waren die Schulterklopfer immer ein Schritt zurück. Die zwei Turniere in Österreich und der Davis Cup waren für mich immer eine psychische Belastung." Der 44-fache Turniersieger habe sich sogar zu verstecken versucht, um dem Druck zu entgehen. "Man ist 35 Wochen im Jahr auf der Tour. Dafür braucht man jeden Zentimeter Kraft und Energie."

Für Thiem hat Muster daher folgenden Ratschlag: "Er soll sich im Ausland die Hörner abstoßen, sich zwar schon in Österreich auf die Schultern klopfen lassen, aber nicht zu lang. Ich würde ihm raten, wenig in Österreich zu sein bei den Schulterklopfern. Nur ab und zu für ein 'Hallo' und 'Bussi, Bussi'." Noch habe Thiem auch nicht so viel erreicht. Muster: "Er steht so bei 800 Punkten. Es fehlen ihm also noch rund 12.000 bis zur Nummer eins. Das sind die nackten Zahlen."

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