Legenden: Der Porsche 911 von Richard Lietz und die Strecke in Spa

© Porsche / Florent Gooden/Porsche Motorsport

Sport Motorsport
05/04/2019

Zwei Österreicher steuern der WM-Krone entgegen

Pilot Richard Lietz und sein Chef Fritz Enzinger wollen für Porsche den Gesamtsieg in der Langstrecken-WM perfekt machen.

von Philipp Albrechtsberger

Als ob sechs Stunden Fahrzeit bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von mehr als 200 km/h nicht schon genug Stresspotenzial auslösen würden, weiß nun auch der liebe Wettergott die weltbesten Langstrecken-Piloten herauszufordern. Für das Sechs-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps am Samstag (Start: 13.30 Uhr) werden in den belgischen Ardennen Frühtemperaturen um den Gefrierpunkt samt Schneefall prognostiziert.

Der Mostviertler Richard Lietz sitzt zwar in einem Porsche, hat aber weder Stand- noch Sitzheizung in seinem 911 RSR. Weil das Gewicht kostet – und Leistung alles ist. Die 510 PS sollen dauerhaft zur Verfügung stehen.

Video: So fährt sich der Porsche 911 RSR

Erwärmend ist für den 35-Jährigen schon eher die Aussicht auf Erfolg. Lietz ist seit mehr als zehn Jahren einer der besten GT-Fahrer der Welt, dekoriert mit drei Klassensiegen beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans sowie dem GT-Gesamtsieg in der Langstrecken-WM 2015.

Diesen Coup wiederholen könnte der Porsche-Werksfahrer auch heuer. Gemeinsam mit dem Italiener Gianmaria Bruni, mit dem er sich den Wagen teilt, fehlen Lietz 25 Punkte auf die Spitze.

In Spa, dem vorletzten Rennen der WEC-Saison, erhält das Siegerteam 25 Zähler gutgeschrieben, ehe es beim prestigeträchtigen Saisonabschluss in Le Mans (15./16. Juni) noch einmal 38 Punkte zu ernten gibt. „Wir würden es gerne bis zum letzten Meter offen gestalten“, sagt Richard Lietz.

Das einzige Problem: Das führende Duo sitzt ebenfalls in einem Porsche und hat daher das gleich schnelle Material zur Verfügung. In Spa-Francorchamps hat daher ein anderes Ziel Vorrang – den Gesamtsieg in der Herstellerwertung bereits vor Le Mans nach Deutschland zu holen.

Strategisch verantwortlich dafür ist ein zweiter Österreicher: Fritz Enzinger. Dem 62 Jahre alten Steirer ist zuletzt die Motorsport-Verantwortung im gesamten Volkswagen-Konzern übertragen worden, zuvor hatte er bei Porsche das Langstrecken-Projekt neu aufgebaut. Mit Erfolg(en).

Bei vier Starts in der höchsten Kategorie in Le Mans (LMP1) siegte Porsche drei Mal. Vor der laufenden Saison zog der Hersteller aus strategischen Gründen den Stecker, um künftig in der Formel E zu siegen.

In der vollelektrischen Rennserie geht die Edelmarke ab der kommenden Saison an den Start. Fritz Enzinger durfte dabei wieder einmal bei Null beginnen: „Es ist der Traum eines jeden Ingenieurs“, sagt er.

Sogar Benzinbruder Lietz kann sich mit der neuen Mobilität anfreunden: Sein Dienstwagen ist ein Porsche Panamera Hybrid. „Der startet so leise, dass ich niemanden störe, wenn ich frühmorgens von meinem Haus Richtung Flughafen fahre.“