Zehnfacher Formel-1-Sieger: Gerhard Berger fuhr von 1984 bis 1997

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Sport Motorsport
08/24/2019

Zum Geburtstag von Gerhard Berger: Ein Raser in der 60er-Zone

Der Tiroler ist der vielleicht österreichischste aller Grand-Prix-Sieger, er wurde dennoch nicht bedingungslos verehrt.

von Philipp Albrechtsberger

Ferrari-Rot und Hunderte PS sind auch heute noch Teil des Alltags von Gerhard Berger. Ein Blick von seinem Wörgler Büro hinunter auf den Parkplatz und da stehen sie auch schon, akkurat aufgereiht und feuerrot lackiert, die Lkw von Berger Logistik.

Benzin hat Gerhard Berger von Geburt an im Blut. Was heißt da Benzin, viel eher schweren Diesel, dank dem das Frachtunternehmen des Vaters früh Fahrt aufgenommen hat. Der Sohn hat es ausgebaut, mittlerweile gehören 50 Prozent davon Dietrich Mateschitz. Nur logisch, dass Berger Logistik die zuckersüßen Dosen des Milliardärs quer durch die halbe Welt kutschiert.

Über das Hier und Jetzt (zwei weitere Betriebe haben sich auf die Lkw-Konstruktion und -Wartung spezialisiert) redet Gerhard Berger voller Freude, fast scheint es so, als wolle er an seiner Vergangenheit ja nicht anstreifen dieser Tage. Was schwierig wird, wenn Österreichs letzter lebender Grand-Prix-Sieger den 60er begeht (27. August).

27. August 1959: In Wörgl geboren. Derzeitiger Wohnsitz: Söll in Tirol / 1978: Erstes Autorennen auf dem Österreich-Ring (Ford Escort Gruppe 5) / 1979: Einstieg in die Europäische Formel 3

19. August 1984: Formel 1-Debüt auf dem Österreichring (12.) auf ATS, schwerer Verkehrsunfall mit dem PKW / 1985: Wechsel zu Arrows 

1986: Wechsel zu Benetton, Erster von zehn Grand-Prix-Siegen (bei insgesamt zwölf Polepositions und 48 Podestplätzen)

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1987: Wechsel zu Ferrari, Siege in Japan, Australien

1988: Sieg in Adelaide / 1989: Sieg in Portugal, Feuerunfall in Imola

1990: Wechsel zu McLaren-Honda / 1991: Sieg in Japan / 1992: Sieg in Kanada 

1993: Rückkehr zu Ferrari / 1994: Sieg in Hockenheim 

1995: Hochzeit mit Portugiesin Ana Corvo (bis 2013, zwei Töchter, eine Tochter stammt aus einer älteren Beziehung) 

1996: Rückkehr zu Benetton-Renault / 1997: Sieg in Hockenheim, letzter GP in Jerez 

1998: Motorsportdirektor von BMW (bis 2003) / 2006: Hälfteeigentümer des Formel-1-Teams Scuderia Toro Rosso (bis 2008)

2013: Mit Freundin Helene wird Berger zum vierten Mal Vater 

2016: Berger wird zum fünften Mal Vater, erstmals eines Jungen 

2017: 1. Vorsitzender des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM/bis heute)

Es passt dem Tiroler ganz gut, dass es ihm rund um seinen Runden an Arbeit nicht mangelt. An diesem Wochenende ist er als Chef des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) auf dem Lausitzring im Einsatz. Viele hielten den Job als Himmelfahrtskommando, nachdem mit Mercedes ein Gründungsmitglied ausgestiegen war. Die Neuausrichtung ist im Gange, Berger mag das harte Racing, das BMW, Audi und Aston Martin zur Schau stellen. Nah dran an den Fans wolle man sein.

Da spricht ganz der Racer aus dem fünffachen Familienvater. Gleich mehreren Generationen von Rennfans hat Gerhard Berger Sonntag für Sonntag unvergessliche Nachmittage beschert. Zehn Grand-Prix-Siege weist die Statistik aus, dazu 38 Podestplätze und zwei dritte Plätze in der WM-Wertung.

Berger stand im Dienst der zwei besten Teams der Formel-1-Geschichte (Ferrari, McLaren). Selbiges können danach nur noch Fernando Alonso und Kimi Räikkönen vorweisen – nicht die schlechteste Gesellschaft. Bis heute ist der Jubilar auch ohne WM-Titel einer der Populärsten im Ferrari-Land.

Video: Der letzte Sieg von Gerhard Berger 1997

So einen wie Berger sucht die rot-weiß-rote Rennsportgemeinde in den Ergebnislisten derzeit vergebens. Bedingungslose Liebe wurde ihm hierzulande dennoch nicht immer entgegengebracht. Man kann es Pech nennen, dass der sauschnelle Tiroler just in jener Zeit in die Formel 1 einstieg, als der National-Eilige Lauda sein Comeback mit dem Titel krönte.

Gerhard Berger war dennoch vielleicht der österreichischste Grand-Prix-Sieger. Er hatte weder diese popstar-hafte Aura eines Jochen Rindt noch diesen perfektionistischen Größenwahn von Lauda, dafür aber Tatendrang gemischt mit Tiroler Urigkeit. Berger liebte das Rennfahren, weniger die Technik.

Playboy statt Bibel

So ärgerte sich der Fernsehzuseher nicht selten, wenn Heinz Prüller in Heinz-Prüller-Manier mal wieder einen kapitalen Motorschaden an Bergers Boliden verkündete oder ein gewisser Ayrton Senna noch schneller war im McLaren. Mit dem brasilianischen Renn-Gott verband Berger eine spezielle Partnerschaft, obwohl vor den Rennen „ich den Playboy las und Ayrton die Bibel“. Der Beziehungsstatus reichte von Rivale, Kollege über Feind und Freund bis zu Sargträger.

Ausgelassen haben die beiden in der Formel 1 nix, schon gar nicht Berger, der „alles Schöne und Aufregende“, das der Job Rennfahrer so mit sich brachte, aufsaugen wollte. Von Luxus hält er noch immer nicht viel, eher von einem „gewissen finanziellen Polster“. Wobei das mit Luxus so eine Sache ist, wenn man einmal an der Avenue Princesse Grace in Monaco gewohnt, die eigene Yacht ein paar Meter weiter unten geankert hat und der Flieger auf Abruf bereit gestanden ist.

Von dem Besitz im Fürstentum hat sich Berger komplett getrennt, er zieht die Tiroler Berge mittlerweile dem südfranzösischen Meer vor.

Der jüngste Nachwuchs soll bewusst Tirolerisch aufwachsen, soll heißen: am Berg, im Wald, in der öffentlichen Schule. Für den Kindergarten hat Berger selbst gesorgt in seinem Unternehmen. Ein krasser Gegenentwurf etwa zum Lebensstil von Tochter Heidi, die zwischen Monaco und New York pendelt. Auf einem Fleck waren seine fünf Kinder bisher noch nie, der sehnliche Geburtstagswunsch wird ob der Distanzen und Verpflichtungen wohl einer bleiben.