Timo Glock, der Dauer-Überrundete

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Der Deutsche kämpfte vor zwei Jahren um Podestplätze. Am Sonntag kreist er im Virgin als Hindernis durch Monza.

Wieder sind er und sein Team aufgefallen. Wieder war Timo Glock auf den großen Bildschirmen rund um eine Formel-1-Strecke zu sehen. Geht es nach dem 29-jährigen Deutschen, er würde auf die mediale Präsenz gerne verzichten.

Woche für Woche rast Glock im elitärsten Kreisverkehr des Automobilsports, doch immer wenn die TV-Kameras seinen rot-schwarzen Marussia-Virgin-Boliden ins Bild rücken, verheißt das nichts Gutes.

So auch am Freitag im ersten freien Training in Monza. Erst spät konnte Glock in die 90-minütige Probefahrt einsteigen, da war Teamkollege Jerome D'Ambrosio schon gar nicht mehr auf der Piste (Getriebeprobleme). Am Ende hatte Glock 7,1 Sekunden Rückstand auf Lewis Hamilton.

Alarm

Bleibt der Abstand am Samstag in der Qualifikation gleich, muss Glock im Rennen aufgrund der 107-Prozent-Regel zuschauen. Viel alarmierender müssen aber die 1,5 Sekunden sein, die ihm auf Heikki Kovalainen von Lotus gefehlt haben. Ein Team, das wie Virgin vor zwei Jahren in die Formel 1 eingestiegen ist. "Die haben einfach zu Beginn einen besseren Job gemacht."

Glock kennt die Fragen und Begriffe, die im Zusammenhang mit Virgin fallen. Bernie Ecclestone bezeichnete die Neueinsteiger als "Krüppel". Ist man nicht der polternde Formel-1-Boss, sagt man Nachzügler. Timo Glock hasst den Begriff, "aber wir konnten noch nicht den Gegenbeweis antreten." Auch in Monza wird die rasante Gegendarstellung kaum gelingen, als ein auf Hochglanz poliertes Hindernis wird Glock den Italien-GP absolvieren. "Man versucht, nicht im Weg zustehen", sagt Glock zum Unumgänglichen. Zu den Überrundungen.

2009 war er es noch, der in den Seitenspiegel der Konkurrenz immer größer wurde und zwei Mal vom Podest winken durfte. Als Toyota am Ende der Saison den Ausstieg bekannt gab, entschied sich Geheimtipp Glock gegen Angebote von etablierten, aber finanziell wackligen Teams (Renault, Sauber) und für das gut dotierte Virgin-Projekt des extravaganten Milliardärs Richard Branson. "Ich glaube noch immer an das Potenzial des Teams", sagt Glock, der seinen Vertrag bis 2014 verlängert hat.

Russland-Connection

In zwei Jahren kreist die Formel 1 erstmals in Sotschi, spätestens dann soll dem Team, das seit der Beteiligung der Moskauer Sportwagenschmiede Marussia unter russischer Flagge antritt, der Anschluss gelungen sein. "Andere Rennserien haben mich außerdem nicht gereizt", sagt Glock, "es gibt nichts Größeres als die Formel 1, selbst ..." Selbst als Nachzügler, Herr Glock? Beinahe wär's ihm dann selbst rausgerutscht.

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Erstellt am 05.12.2011