Alles im Griff: Pierre Gasly chauffierte den KURIER über den Ring

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Sport Motorsport
06/28/2019

Tempo 280 und alles im Griff: Mit einem Formel-1-Star im Auto

Red-Bull-Fahrer Pierre Gasly kutschierte den KURIER über die Strecke in Spielberg. Warum der Österreich-GP Maßstäbe setzt.

von Philipp Albrechtsberger

Pierre ist Taxifahrer, kennt die Route und spricht – für einen Franzosen nicht selbstverständlich – exzellent Englisch.

„Hello! Welcome!“, sagt er, lässt das Fenster hoch und drückt das Gaspedal durch. Die Ziffern am digitalen Tachometer rasen. 100 ... 200 ... 280, die erste Kurve ist rasch erreicht. Ein exakter Lenkeinschlag, und das ausbrechende Heck ist elegant wieder auf Kurs gebracht. Nach der kurzen Nachfrage an den Fahrgast („Alles okay?“) ist wieder der rechte Fuß an der Reihe: Vollgas.

Pierre ist im Zeitdruck. Ein paar weitere Fahrten mit dem 700 PS starken Aston Martin sind an diesem Donnerstagnachmittag noch angesetzt.

Dazu muss man wissen: Pierre, der auf den Nachnamen Gasly hört, ist der aktuell sechstbeste Fahrer der Formel 1. Für seinen Arbeitgeber Red Bull gibt er beim Heimrennen des Konzerns in Spielberg den prominenten Taxifahrer. Der 23-Jährige soll ein paar glücklichen Auserwählten vor Augen führen (sofern diese nicht geschlossen sind), wie es ist, einen Sportwagen am Limit zu bewegen. Weltmeister Lewis Hamilton hat die Faszination einmal umschrieben, dass sich das Bremsen anfühle, als ob einem die Haut von den Knochen gezogen werde.

Das klingt nach weniger Spaß, als es tatsächlich macht. Nur: Nach Limit sieht das alles nicht aus bei Gasly. Vor der anspruchsvollen Rauch-Kurve mit neun Prozent Gefälle dreht er noch die Lautstärke höher, als das Lied „Bella Ciao“ im Radio erklingt. Er hat alles im Griff. Ginge es schneller? Er lächelt nur. Heißt wohl Ja. „Wir wollen es ja nicht übertreiben und den Motor killen bei dieser Hitze.“ Nicht unvernünftig bei einem Kaufpreis ab (!) 275.000 Euro.

Musterbeispiel für die Moderne

Vor den Taxifahrten trat Gasly im Rennsimulator gegen Fans in einem Videospiel an, danach schrieb er auf der großen Bühne Autogramme. Auch deshalb gilt das Rennen in den Obersteiermark bei den Rechteinhabern aus den USA als Musterbeispiel für einen modernen Grand Prix. 200.000 Fans werden heuer erwartet. Es ist die zweithöchste Besucherzahl seit der Rückkehr der Formel 1 nach Österreich im Jahr 2014.