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16.03.2016

Taktik und Talent: Darauf fährt die Formel 1 im neuen Jahr ab

Neues Qualifying, stärkere Motoren, zusätzliche Reifen. Die Saison 2016 verspricht Spannung.

Gravierende Neuerungen wird es frühestens 2017 geben. Doch schon heuer wurde am Reglement geschraubt.

Qualifying

Heftige Kritik erntet das neue Qualifying-Format. Als "chaotisch" bezeichnet es Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Man kann nicht glauben, dass es ein globaler Sport ist." Weiterhin wird das Rennen um die Startaufstellung aus drei Teilen bestehen. Allerdings scheidet der langsamste Fahrer bereits nach sieben Minuten aus, alle 90 Sekunden folgt ein weiterer Pilot (siehe Grafik unten). Einige befürchten daher, dass in den letzten Minuten kein Auto mehr auf der Strecke ist. Eine weitere Idee von Bernie Ecclestone wurde allerdings abgelehnt: Der langjährige Formel-1-Boss hatte gefordert, dass der Sieger des vorhergehenden Rennens eine Strafzeit für das nächste Qualifying addiert bekommen sollte.

Reifen

Spannung garantiert 2016 wieder einmal das schwarze Gold der Formel 1. Denn das Sortiment von Hersteller Pirelli wurde um einen Reifentyp erweitert (siehe Grafik unten). Der lila markierte Ultrasoft-Reifen ist der fünfte Trockenreifen (bei zwei Regenreifen) und erlaubt die schnellsten Rundenzeiten. Allerdings ist seine Haltbarkeit auf ganz wenige Runden beschränkt. Erstmals eingesetzt dürfte er in Monaco werden. Neu ist daher auch, dass die Rennställe pro Grand Prix nun aus drei statt wie bisher zwei Trockenreifen-Mischungen wählen dürfen, zwei davon müssen wie bisher im Rennen zum Einsatz kommen. Im Qualifying am Samstag sind die besten zehn Fahrer verpflichtet, im letzten der drei Abschnitte des Startplatzrennens (Q3) mit dem weichsten (= schnellsten) Reifen zu fahren, ins Rennen starten sie allerdings mit jenem Reifen, mit dem sie in Q2 ihre beste Zeit gefahren sind.

Klingt kompliziert, ist es auch. Aber: Die Neuerungen erlauben Fahrern und Teams, noch mehr zu taktieren – und noch mehr Fehler zu machen. Die zehn frei zur Wahl stehenden Reifensätze pro Fahrer werden geheim bestellt – und zwar lange im Voraus: 14 (!) Wochen bei Übersee-Rennen, acht Wochen bei Grands Prix in Europa. Einige Teams könnten sich daher bereits verzockt haben.

Motor

Auf Druck von Ferrari, Renault und Honda dürfen die Triebwerke doch stärker verändert werden als geplant. In mehreren Etappen darf über die Saison gut die Hälfte des Motors neu entwickelt werden. Im Ferrari-Heck ist über den Winter kaum ein (Motorbau-)Stein auf dem anderen geblieben. Von den sechs Hauptkomponenten des Hybridmotors findet sich nur eine an der selben Stelle wieder wie 2015.

Faktor Mensch

Vorbei ist die Fernsteuerung der Piloten von der Kommandozentrale. Der Weltverband gab eine 32-Punkte-Liste heraus, welche Funksprüche noch erlaubt sind. Die Fahrer müssen nun u.a. selbst entscheiden, wann sie zum Reifenwechsel an die Box kommen; welche Reifen sie sich abholen; ob sie mit voller Motorleistung fahren oder Sprit sparen. "Das eröffnet Räume für Fehler", prophezeit Wolff.