Sport | Motorsport
01.07.2018

Red Bull stellt die Weichen für eine neue Ära

Das Team fiebert der gemeinsamen Zukunft mit Honda entgegen. Der neue Vertrag mit Ricciardo steht kurz vor dem Abschluss.

Es ist ausgerechnet der Red-Bull-Ring, auf dem die Red Bulls nie richtig funktionieren. Zu viele Vollgas-Passagen hat der Kurs in der Steiermark, dafür zu wenige mittelschnelle Kurven. Und trotzdem dreht sich vor dem heutigen Rennen (15.10 Uhr/live ORFeins, RTL) fast alles um das österreichisch-englische Team, das die Weichen für die Zukunft gestellt hat. Mit der Entscheidung, ab 2019 mit Honda-Motoren zu fahren, machte man einen mutigen Schritt. Mit welchen Fahrern ab nächstem Jahr um die WM gekämpft wird, ist hingegen noch nicht fixiert.

Warum wechselt Red Bull von Renault zu Honda?

Mit den Franzosen feierte Red Bull großartige Erfolge und gewann von 2010 bis 2013 vier Mal in Folge die WM. Doch ab 2014 hat man in der Hybrid-Ära den Anschluss verloren. Zwar konnte Renault den Rückstand zuletzt deutlich verkürzen, doch Teamchef Christian Horner wollte neue Wege gehen. „Wir hätten so weitermachen können wie bisher. Aber wir haben uns entschieden, etwas zu ändern“, sagte er am Freitag. „Die Ressourcen, die Honda hat, sind eindrucksvoll. Red Bull startet in eine neue Ära. Die Zeit für diesen Schritt war da.“

Doch weshalb ausgerechnet Honda?

Im Heck des McLaren war der Honda-Antrieb bis Ende 2017 ein Desaster. Doch heuer treibt er (mit Erfolg) bereits das Red-Bull-Schwesternteam Toro Rosso an. Und das Wichtigste: Mit Honda hat Red Bull erstmals einen Motorhersteller, der sich ausschließlich auf das Team konzentrieren kann. Honda-Technikchef Toyoharu Tanabe sagt: „Wir werden eng zusammenarbeiten. Und wir erwarten natürlich Siege.“

Was sagt die Konkurrenz zum Motoren-Deal?

„Der Weg zum WM-Titel führt nur über einen Werksstatus“, sagt Toto Wolff. „Kurzfristig wird der Motorenwechsel Red Bull vielleicht Kummer machen. Langfristig ist es aber die richtige Entscheidung.“ Und völlig offen sei, wie sich die Situation ab 2021 entwickeln wird: Dann wird es ein neues Motoren-Reglement geben. Und niemand weiß heute, wie dieses aussehen wird.

Welche Rolle spielt Daniel Ricciardo?

Der Australier ist die heißeste Personalie auf dem Fahrermarkt. Der Vertrag des zweifachen Saisonsiegers, der heute 29 Jahre alt wird, läuft Ende des Jahres aus. Red Bull würde gerne verlängern, doch Ricciardo ziert sich. „Ich bin froh mit dem, was ich geleistet habe, und bringe gute Argumente zum Verhandlungstisch“, sagt er. Teamkollege Max Verstappen hat sich bis Ende 2020 gebunden, angeblich zu Top-Konditionen. Ähnliches erwartet nun auch Ricciardo. Doch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sagt: „Wir wollen ihn. Aber nicht um jeden Preis.“ Und er meint damit tatsächlich das Geld.

Hat Ricciardo andere Optionen?

Das ist der springende Punkt: Er hat kaum Optionen. Mercedes wird mit Hamilton und Bottas verlängern. Sollte Räikkönen Ferrari verlassen, würde dort wohl Charles Leclerc nachrücken, der bei Sauber überzeugt und aus dem Ferrari-Förderprogramm kommt. Bei McLaren verdichten sich die Hinweise, dass Fernando Alonso das krisengeschüttelte Team verlässt. Doch es ist kaum vorstellbar, dass Ricciardo nur dem Ruf des Geldes folgt, ohne Aussicht auf Erfolg. Vieles deutet deshalb darauf hin, dass zusammenbleibt, was nach Ansicht von Red Bull zusammengehört. Ricciardo bleibt mit seinen 29 Jahren nicht mehr so viel Zeit, sich den Titeltraum zu erfüllen.

Weshalb ist Spielberg ein doppeltes Heimrennen für Red Bull?

Zum einen fährt das Team auf dem Red-Bull-Ring. Zum anderen ist da Max-Verstappen mit seinen Fans: Zu kaum einem anderen Rennen kommen so viele Niederländer. Mindestens 19.000 sollen extra wegen Verstappen in die Steiermark gereist sein. „Österreich ist nicht nur wegen Red Bull mein Heim-Grand-Prix“, sagt Verstappen. „Er ist es jetzt auch wegen der Fans.“