Sport | Motorsport
15.03.2016

Rallye-Staatsmeisterschaft: Serienmeister als Außenseiter

Die Zulassung von WRC-Autos wirbelt die Rallye-Staatsmeisterschaft durcheinander.

Die Rallye-Staatsmeisterschaft war in den vergangenen Jahren stets eine klare Angelegenheit. Mit Raimund Baumschlager gab es stets einen klaren Favoriten, der 56-Jährige ist mittlerweile 13-facher Staatsmeister. Und obwohl sich für Baumschlager selbst nicht viel geändert hat, findet er sich vor dem Saisonstart am Freitag plötzlich in der Außenseiterrolle wieder.

Denn 2016 sind zum ersten Mal WRC-Autos in der Staatsmeisterschaft zugelassen - also Fahrzeuge mit denselben technischen Eckdaten wie die Boliden in der Rallye-Weltmeisterschaft. Mit Gerwald Grössing und Hermann Neubauer setzen bei der Rebenland-Rallye zum ersten Mal solche Fahrzeuge ein. Beide gehen mit einem Ford Fiesta WRC an den Start.

Zum ersten Mal das Auto versichert

"Nach der Papierform sind wir heuer chancenlos", meint Baumschlager, der die bisherigen vier Austragungen der Rebenland-Rallye für sich entscheiden konnte. Co-Pilot Thomas Zeltner stimmt seinem Piloten zu. "Unser fünfter Sieg im Rebenland ist realistisch betrachtet nicht möglich. Wenn alles planmäßig abläuft, sind wir am Ende eineinhalb Minuten hinten." Die gute Wetterprognose für das steirische Rebenland trägt nicht zum Optimismus bei. Bei schwierigen Verhältnissen hätte Baumschlager mit seiner enormen Erfahrung sicher einen kleinen Vorteil gehabt.

Trotzdem will sich der Rekordstaatsmeister nicht geschlagen geben. "Um mithalten zu können, muss ich sicherlich mehr Risiko nehmen und mehr ans Limit gehen als in den letzten Jahren", meint Baumschlager. Deshalb bricht der Oberösterreicher heuer auch mit einer Tradition - und hat seinen Skoda Fabia R5 erstmals versichern lassen. Bei etwa 30 PS Leistungsnachteil muss der 56-Jährige mehr riskieren, um mit Neubauer und Grössing mithalten zu können. Seine Hoffnung ist, dass sich die beiden Kontrahenten gegenseitig in Fehler treiben. "Dann werden wir da sein", meint Zeltner.

Der Zweikampf ist ein Generationenduell

Für Gerwald Grössing ist die Rebenland-Rallye so etwas wie ein Heimrennen. Der 48-jährige Steirer hofft, dass die Meisterschaft heuer spannender wird als in den letzten Jahren. "Wir haben jetzt zumindest einmal drei hochqualifizierte Autos am Start", so Grössing. Für ihn ist Baumschlager nicht zuletzt wegen seiner technischen Überlegenheit so oft Staatsmeister geworden. Den Titel als Rekord-Champion habe er sich zwar hoch verdient, aber manchmal habe er nur gewonnen, weil er im stärksten Auto gesessen sei. "Jetzt ist es halt einmal umgekehrt, und es sind zwei motorisch stärkere Autos als seines im Feld", so Grössing.

Die Favoritenrolle schiebt Grössing aber dem mehr als zwanzig Jahre jüngeren Hermann Neubauer zu. Der 27-jährige Salzburger nimmt diese Rolle auch gerne an. "Ich trete an, um Meister zu werden", steckt Neubauer die Saisonziele ab. Mit dem WRC-Auto geht für ihn "ein Kindheitstraum in Erfüllung". Trotzdem hält er Grössings Aussage, er könne sich aus beruflichen Gründen nicht voll auf die Meisterschaft konzentrieren, für "Tiefstapelei, die nicht angebracht ist."
Die Rallye-Staatsmeisterschaft 2016
Rebenland-Rallye ( Leutschach, Steiermark) 18.-19. März
Lavanttal-Rallye ( Wolfsberg, Kärnten) 8.-9. April
Wechselland-Rallye ( Pinggau, Steiermark) 29.-30. April
Schneebergland-Rallye (Rohr i. Gebirge - Niederösterreich) 25. Juni
Rallye Weiz ( Weiz, Steiermark) 22.-23. Juli
Rallye Liezen (Liezen, Steiermark) 24.-25. September
Rallye Waldviertel (Grafenegg, Niederösterreich) 18.-19. November