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10.10.2017

Motorsport: Wo die WM-Fragen noch offen sind

Die Titelentscheidungen in den spannendsten Motorsport-Meisterschaften der Welt biegen auf die Zielgerade.

Das Motorsport-Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Manche Titelkämpfe sind schon entschieden, wie etwa in den Formel-1-Nachwuchsserien der Formel 2 und der GP3, wo Ferrari-Junior Charles Leclerc und Mercedes-Jungstar George Russell am vergangenen Wochenende die jeweiligen Kronen eroberten. Manche Entscheidungen sind mehr oder weniger gefallen, wie etwa in der Formel 1. Und wieder andere Titelkämpfe sind noch völlig offen, wie etwa in der Motorrad-WM.

MotoGP: Fünf Piloten kämpfen um den Titel

Mit seinem fünften Saisonsieg setzte sich Marc Márquez beim Rennen in Aragón (24. September) ein wenig von seinem Konkurrenten Andrea Dovizioso ab. 16 Punkte Vorsprung hat Honda-Pilot Márquez auf den italienischen Ducati-Fahrer vor dem Grand Prix in Japan am Sonntag (7.00 MESZ/live ServusTV, Eurosport). Ein Sieg ist in der MotoGP wie in der Formel 1 25 Punkte wert.

Inklusive des Rennens in Japan stehen noch vier Grands Prix auf dem Programm. Eine realistische Chance auf den WM-Titel hat auch Maverick Viñales, dem Shooting-Star aus Spanien fehlen 28 Punkte auf Márquez. Für den WM-Leader spricht, dass ihm Honda-Teamkollege Dani Pedrosa kaum Punkte wegschnappen wird. Anders könnte es Dovizioso gehen mit Ducati-Teamkollege Lorenzo: Der Mallorquiner ist Vierter und will „heuer noch unbedingt ein Rennen gewinnen“. Und auch Viñales droht Gefahr aus dem eigenen (Yamaha-) Rennstall durch Altstar Valentino Rossi.

Denn theoretisch ist sogar für den auf Rang fünf liegenden Italiener der zehnte WM-Titel noch in Reichweite. Rossi liegt 56 Punkte zurück und fühlt sich nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch wieder fitter. Eineinhalb Monate nach dem verhängnisvollen Enduro-Unfall trainierte der Italiener schon wieder auf einer Dirt-Track-Maschine auf seiner Ranch und verkündete: „Ich habe noch Schmerzen im Bein, doch es macht mir schon wieder viel Spaß.“

Formel 1: Vettel braucht ein Wunder

Sebastian Vettel klammert sich an einen Strohhalm: 59 Punkte fehlen dem Deutschen nach dem Zündkerzen-Desaster von Japan auf Lewis Hamilton, vier Rennen sind noch zu absolvieren. Wie einst Michael Schumacher nimmt auch der 30-Jährige die Ferrari-Familie in Schutz. „Ich habe den Jungs auch gesagt, sie sollen nach Hause und sich etwas ausruhen, weil es eine schwere Woche war. Wir haben bis hierhin einen unglaublichen Job abgeliefert“, sagte Vettel kurz vor seiner fluchtartigen Abreise aus Japan.

Und: „Wir haben noch immer eine Chance, aber es ist nicht mehr so sehr in unserer Hand.“ Tatsächlich hat Vettel noch diese Chance, doch sie ist minimal. Sollte Vettel alle vier ausstehenden Rennen gewinnen, dürfte Hamilton insgesamt nicht mehr als 40 Punkte machen (für einen Sieg gibt es 25 Punkte, für Platz zwei 18, für Rang drei 15, ...).

Lewis Hamilton hingegen hat sogar die Chance, bereits in zwei Wochen in Austin seinen vierten WM-Titel zu fixieren. Bei einem Sieg des Engländers in Texas müsste Vettel zumindest Fünfter werden, um die Titelentscheidung zu vertagen. Hamilton ist freilich ein Austin-Spezialist, die vergangenen drei Grands Prix hat er dort gewonnen. Und der Brite ist fokussiert: „Falls man ein bisschen vom Gas geht, macht man sich selbst mehr Ärger als man braucht.“

Rallye-WM: Fünfter Titel für Ogier?

Der Sieg bei der Katalonien-Rallye ging am Sonntag an Kris Meeke mit seinem Citroën C3. Für den Briten war es der fünfte Sieg bei einer WM-Veranstaltung. Weltmeister Sébastien Ogier (Ford Fiesta) wurde Zweiter und baute seine Spitzenposition in der WM aus, auch, weil sein bisheriger Verfolger Thierry Neuville (Hyundai) aus Belgien mit einem Defekt ausschied. Der Franzose führt das Klassement vor den verbleibenden Rennen in Großbritannien und Australien an, 37 Punkte Rückstand hat sein Teamkollege Ott Tänak (EST).

Schon bei der Rallye in Wales (26.–29. 10.) möchte der 33-jährige Ogier den Sack zumachen. Wird er dort mindestens Sechster, ist ihm der fünfte WM-Titel in Folge nicht mehr zu nehmen. Übermütig ist der Seriensieger nicht: „Die Meisterschaft ist auch heuer mein Hauptziel“, sagte Ogier. Mit dem Abschneiden in Katalonien sei er zufrieden, „und im Kopf habe ich den Plan, dass ich in Großbritannien den nächsten Schritt mache“.

DTM: Zwei Matchbälle für Ekström

Bis zum Rennwochenende in Spielberg Mitte September zählte ein Österreicher zu den Titelkandidaten: Lucas Auer war großartig in die Saison gestartet, führte die DTM an und wurde als heißer Anwärter auf ein Formel-1-Cockpit gehandelt. Bewusst wies der 23-jährige Tiroler stets die Favoritenrolle von sich. Zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Mit 41 Punkten Rückstand auf Mattias Ekström hat Auer nur noch theoretische Chancen auf die Meisterschaft.

Ekström, der zweifache DTM-Champion aus Schweden, gewann heuer zwar nur ein Mal, punktete aber in 13 von 16 Rennen. Vor dem letzten Rennwochenende auf dem Hockenheimring (14./15. Oktober) ist Ekström der klare Favorit. „Es sieht gut aus“, sagt der zweifache Rallyecross-Weltmeister. Ernsthaft gefährden könnte den 39-Jährigen nur noch René Rast. Der Audi-Fahrer aus Deutschland liegt 21 Punkte hinter Ekström. Ein Sieg ist 25 Punkte wert, drei gibt es für die Poleposition.