© Plavec Florian

Sport Motorsport
11/14/2021

Motorrad-Star Valentino Rossi und sein größter Fan

Die Karriere des Italieners geht zu Ende. Er wird nicht in Vergessenheit geraten – schon gar nicht beim Steirer Gerhard Abel.

von Florian Plavec

Zumindest das Schlafzimmer ist Valentino-Rossi-frei. Das war immer so, und das soll auch so bleiben, darauf besteht Ehefrau Barbara. Allerdings: Wenn Gerhard Abel sein Schlafzimmer betritt, kommt auch Rossi mit – der Steirer hat sich das Konterfei des Motorrad-Superstars auf den Arm tätowieren lassen, daneben die legendäre Startnummer 46 des Italieners.

Gerhard Abel ist der größte Rossi-Fan. Ganz sicher in Österreich, vielleicht sogar weltweit. Auf dem Balkon seiner Wohnung im steirischen Irdning weht die Flagge mit der „46“, drinnen dreht sich alles um den „Doctor“, der heute in Valencia das letzte WM-Rennen seiner Karriere fahren wird. Rossi-Poster, Rossi-Briefmarken, Rossi-Schlüsselanhänger, Rossi-Taschen, Rossi-Rucksäcke, Rossi-Bierdeckel, Rossi-Christbaumkugeln, Rossi-Bücher, eine von weltweit nur fünf Sonderanfertigungen der Rossi-Stoffschildkröte, sechs Rossi-Uhren, 20 Rossi-Häferln, 23 Rossi-Replika-Helme, 60 Rossi-Kappen, ein Rossi-Ringkissen für die Hochzeit mit den Namen „Barbara“ und „Gerhard“, darüber die 46.

„Wenn man es genau nimmt, haben wir uns über Vale kennengelernt“, sagt Abel. „Meine Frau war schon länger Fan von ihm als ich. Als sie dann auf meiner Facebook-Seite ein Foto von mir und Vale gesehen hat, hat sie mich angeschrieben ...“

Rossis Aura

Der Stuckateur und Trockenbauer erlag 2008 der Faszination der MotoGP – und ganz speziell jener von Valentino Rossi. Da hatten ihn Freunde erstmals zum Grand Prix in Brünn mitgenommen, da spürte er erstmals die Gewalt der Motoren, „da habe ich zum ersten Mal den 46er gesehen“.

Im Jahr darauf war er wieder dort, 2010 dann bereits im Paddock-Bereich. „Ich habe zweieinhalb Stunden gewartet, bis Vale aus seinem Motorhome rausgekommen ist. Und dort hat er mir mein erstes Autogramm gegeben.“

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54 weitere Autogramme sollten im Laufe der nächsten Dekade folgen. Rossi unterschrieb auf Rossi-Fotos auf Rossi-Stiefeln, auf Rossi-Handschuhen, auf Rossi-Helmen, auf einem Seitenteil einer Vespa. Das Problem dabei: Sobald der Star unterschrieben hat, wandert das Stück in die Vitrine. Abel musste sich also zum Motorradfahren neue Rossi-Handschuhe kaufen, neue Rossi-Stiefel oder ein neues Seitenteil für die Vespa.

Das alles kostet viel Geld. Wie viel? Darüber will Abel nicht sprechen. Lieber spricht er über seine Sammelleidenschaft. „Eigentlich wollte ich bei 46 Autogrammen aufhören“, erzählt er. „Aber das ist sich nicht ausgegangen.“

Rossis Erfolge

Wenn Gerhard Abel (42) über Valentino Rossi (42) sprechen darf, gerät er ins Schwärmen. „Er ist gleich alt wie ich – und er hat sich auch seine kindliche Seite erhalten.“ Rossi habe so viel erreicht, so viel verdient. „Trotzdem ist er menschlich geblieben, und er will sein Wissen an die Jungen weitergeben.“

Der Italiener hat in seiner Heimatstadt Tavullia die VR46-Academy ins Leben gerufen, wo er mit jungen italienischen Talenten trainiert: Zwei seiner ehemaligen Schützlinge, Franco Morbidelli (25) und Francesco Bagnaia (24), haben jeweils den WM-Titel in der Moto2 geholt und den Sprung in die Königsklasse MotoGP geschafft. „Außerdem hat Vale nicht vergessen, dass er das alles auch seinen Fans zu verdanken hat. So ein Kapperl kostet ja gleich 30 Euro – und fast das gesamte Merchandising der MotoGP geht über seine Firma.“

Abel weiß so gut wie alles über Rossi, er kennt dessen Rituale, er weiß, wo er im Paddock stehen muss, um Chancen zu haben, ihn zu treffen. Absolut niemals gebe Rossi ein Autogramm vor Training oder Qualifying. Im Anschluss daran gibt es die ausführliche Analyse mit dem Team. Erst danach verlässt er das Motorhome.

„Wenn man im Paddock gewisse Regeln einhält, kommt man ziemlich weit“, sagt Abel. Höflichkeit stehe dabei an erster Stelle. „Eine Drängelei mag Vale gar nicht. Wenn er fünf Autogramme gibt und ich bin der Siebente, dann muss ich das akzeptieren.“ Zweiter Punkt: Respekt. „Ich würde nie vor seinem privaten Haus warten. Ich bin ja kein Stalker.“

Ein höfliches Fragen brachte Abel einst in Misano in den Truck von Rossis Helm-Marke AGV. Dort wollte er nur ein Foto vom originalen Kopfschutz machen. „Plötzlich wurde mir der Helm vom Vale in die Hand gedrückt, mit dem er gerade zuvor das Training gefahren ist. Das Futter innen war noch schweißnass“, schwärmt Abel.

Rossis Rituale

Zu einem folgenschweren Aufeinandertreffen kam es am 8. August dieses Jahres beim Grand Prix der Steiermark. Gerhard Abel war als Helfer am Red-Bull-Ring; als Pick-up-Fahrer war es seine Aufgabe, gestürzte Piloten mit seiner kleinen KTM-Maschine zurück in die Box zu fahren. Als das Rennen beendet war, war Abel genau vor der Rossi-Tribüne stationiert. „Ich habe genau gewusst, dass er da stehen bleiben wird. Und da er im Nassen noch die Trockenreifen hatte, war klar, dass er auf dem Asphalt bleiben wird. Also bin ich losgesprintet.“ Ein anderer Streckenposten bekam das Motorrad an der Front zu fassen, Abel griff am Heck zu. Rossi stieg auf seine Maschine, winkte seinen Fans, stützte sich an Abels Helm auf. Dieser wiederum streckte seinen rechten Arm in die Höhe, entblößte dadurch die Rossi-Tätowierung – und dahinter drückte Rossis Leibfotograf auf den Auslöser.

„Das Foto ist in Social Media um die Welt gegangen“, erzählt Abel. „In Italien war es in allen Zeitungen. Mich haben danach Leute angesprochen und mich um ein gemeinsames Foto gebeten. Dieses Bild hat mir Türen geöffnet.“

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Rossis „Ciao“

Mit dem großformatig ausgearbeiteten Foto reiste Gerhard Abel nach Tavullia, wo Rossi auf seiner „Moto Ranch“ immer am Mittwoch und Samstag trainiert. Auf einem Plateau wartete er geduldig, bis der Superstar auftauchte. „Er hat mich wiedererkannt“, erzählt Abel. Und natürlich hat er seine Unterschrift auf das Foto gesetzt, die 55. mittlerweile. „Darüber hat er noch ‚Ciao‘ geschrieben. Das macht er normalerweise nicht.“

Rossis letztes Rennen lässt sich Abel nicht entgehen, in Valencia sitzt er heute auf der Tribüne. Doch was kommt danach? „Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, und ich will es auch noch nicht wahrhaben“, sagt er. „Wahrscheinlich werden wir alle auf der Tribüne sitzen bleiben und nicht gehen wollen.“

Ob dann die große Leere droht? Abel vermittelt keineswegs den Eindruck. Einerseits gebe es ja noch andere, junge MotoGP-Piloten wie Fabio Quartararo oder Marco Bezzecchi. Andererseits sei ja Rossi nicht aus der Welt. „Ich bin mir sicher, dass er zu den vier Rädern wechseln wird“, sagt Abel. „Ein Besuch bei den 24 Stunden von Le Mans ist schon fix eingeplant.“

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