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Sport Motorsport
07/18/2020

Motorrad-Experte: "Welt muss sehen, dass Corona nicht überstanden ist"

Gustl Auinger sprach über den Start der Motorrad-WM in Jerez und warum ihn Corona an seine schlimmste Zeit erinnert.

von Florian Plavec

Zwei Wochen nach der Formel 1 startet mit der MotoGP die spektakulärste Motorsport-Rennserie in Jerez in ihre Saison. Favorit ist einmal mehr Marc Márquez (Bild oben). Ein neuer Reifen könnte der Konkurrenz aber Chancen eröffnen, sagt August „Gustl“ Auinger. Der 65-jährige Oberösterreicher gewann in den Jahren 1985 und 1986 insgesamt fünf WM-Läufe in der 125cm³-Klasse. Derzeit ist er unter anderem Motorrad-Experte bei ServusTV. Als einer der wenigen Akkreditierten wird er am Wochenende aus Spanien berichten.

KURIER: Was erwarten Sie nach der langen Pause am Sonntag?

Gustl Auinger: Es gibt noch viele Fragezeichen. Sicher ist, dass alle hungrig sind. Jeder ist Profi und weiß, wie man sich mit Trainern und Therapeuten fit hält. Aber die Krise hat bei allen Spuren hinterlassen. Außerdem wird es in Jerez besonders schwer durch dieses Sicherheitsprotokoll. Außentemperaturen von 40 Grad sind prognostiziert, dabei gibt es Maskenzwang. So ein Szenario hat noch niemand erlebt, man hat es nur bei der Formel 1 im Fernsehen gesehen.

Wie konnten die Fahrer während der langen Pause trainieren?

Mit dem Wettbewerbsmotorrad durfte niemand fahren. Sie werden Probleme haben, das Auge wieder an die 300 km/h zu gewöhnen und an die Rad-an-Rad-Kämpfe. Die Zeit auf dem Rennmotorrad kann man nicht simulieren.

Wird es mehrere Rennwochenenden dauern, bis die Fahrer wieder zu 100 Prozent bei der Sache sind?

Ich glaube nicht, dass wir als Zuschauer merken, dass da Rostige dabei sind. Wenn alle 85 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit abrufen, haben wir ein fantastisches Rennen. Wenn aber einer 100 Prozent abruft und der andere 80, sehen wir es vielleicht. Wir werden nur verstehen müssen, dass die beiden Jerez-Wochenenden eine ganz brutale Prüfung sind. Danach ist man wieder im alten Trott.

Ist Marc Márquez wieder nicht zu schlagen?

Marc hat seine verletzte Schulter ausheilen lassen, die Muskeln sind aufgebaut, er ist absolut fit. Und er ist mit Sicherheit der kompletteste und beste Fahrer, den es zur Zeit gibt. Technisch hat er keine Schwächen. Aber vielleicht kann man ihm heuer trotzdem zusetzen.

Und zwar wie?

Eine Schwäche könnte sein, dass er den Bogen einmal überspannt, dass er sich unverwundbar fühlt. Außerdem gibt es heuer einen neuen Reifen von Michelin, der mehr Kantengrip bietet. Das heißt, die Motorräder können länger in Schräglage belastet werden. Aber man kann ihn nur schlagen, wenn man mit dem eigenen Paket Trumpfkarten ausspielen kann.

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Wer könnte das schaffen?

Immer wieder wird Fabio Quartararo (der 21-jährige Yamaha-Pilot aus Frankreich; Anm.) genannt. Der ist noch unverbraucht und hungrig. Er lernt mit jedem Zweikampf mit Márquez etwas, das ihn stärker macht.

Was ist mit dem 41-jährigen Valentino Rossi?

Man hört oft, dass der Rossi so viel Erfahrung hat und fragt sich, warum er dem Marc nicht mehr entgegenzusetzen hat. Ganz einfach: Erfahrung ist nicht alles.

Wir erleben vorerst eine WM ohne Zuschauer. Was bedeutet das für die Fahrer?

Der Zuschauer fehlt ungemein. Man spürt die Bedeutung des Fans als Fahrer am besten bei einem Heim-Grand-Prix. In dem Moment, wo man aus dem Hotel hinausgeht, weiß man: Heute ist ein besonderer Tag. Diese Gefühle entstehen nur durch die Begeisterung der Massen.

Vorerst bleiben die Zuschauer vor den TV-Geräten.

Jetzt müssen wir in den sauren Apfel beißen. Würden wir gar nicht rennfahren, wäre das noch schlimmer. Aber wir müssen ganz schnell den Fan wieder an die Strecke bringen. Das zeigt ja das öffentliche Interesse. Wenn die MotoGP kein Schwein interessieren würde, stirbt sie weg wie nichts. Wenn das aber die Massen bewegt, dann ist das heilig.

Wie sehen Sie die Corona-Sicherheitsmaßnahmen?

Diese konsequente Maskenpflicht, die man bei der Formel 1 gesehen hat, wird es auch bei der MotoGP geben. Ich frage: Ist es nötig, eine Maske zu tragen, wenn man aus zwei Metern Entfernung in eine Kameralinse spricht?

Was meinen Sie?

Ich meine, dass es nötig ist. Wenn so viele Menschen den Fernseher einschalten, muss die Welt sehen, dass Corona noch nicht überstanden ist. Eines hat uns diese Krise gelehrt: Wir können uns keinen zweiten Shutdown leisten. Das würde uns wirtschaftlich umbringen. Wenn wir kein Geld verdienen, haben wir nichts mehr zum Leben. Und das will ich nicht noch einmal erleben.

Das ServusTV-Team
Reporterin Andrea Schlager und Experte Gustl Auinger berichten aus der Boxengasse in Jerez. Christian Brugger und Alex Hofmann kommentieren aus dem Studio in Salzburg, wo sie u. a. Stefan Keckeisen  vom Moto2-Team IntactGP begrüßen

Samstag
12.25 Uhr: Start der Live-Übertragung und Qualifying Moto3
14.10 Uhr: Qualifying MotoGP
15.05 Uhr: Qualifying Moto2

Sonntag
10.20 Uhr: Start der Übertragung mit Moto3 (11 Uhr), Moto2 (12.20) und MotoGP (14 Uhr)

Noch einmal?

Ich habe eine ganz traurige Zeit hinter mir, als ich mit dem Rennfahren aufgehört habe. Ich habe nichts gehabt, gar nichts. Vor so einem Moment habe ich unglaublich Angst. Deshalb werde ich mich in Jerez bei 40 Grad Außentemperatur nicht aufregen, wenn ich diese gottverdammte Maske tragen muss.

Sie hatten also richtige Existenzprobleme?

Ich hatte damals Schulden wie ein Stabsoffizier. Ich habe zehn Jahre gearbeitet, bis ich alles zurückgezahlt hatte. Ich habe meine Teamjacken und die Lederkombis verscherbeln müssen. So etwas will ich nie wieder durchmachen müssen. Deshalb gibt es im Moment keinen anderen Weg.

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