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12.09.2018

Mick Schumacher: Plötzlich ein Thema für die Formel 1?

Auf dem Fahrermarkt der Formel 1 herrscht vor der Saison 2019 viel Bewegung. Nun kommt auch ein bekannter Name ins Gespräch.

Daniel Ricciardo hat mit seinem überraschenden Wechsel von Red Bull zu Renault eine Lawine der Fahrerwechsel in der Formel 1 losgetreten. Und nur einen Tag nach der Bekanntgabe der Fahrerrochade bei Ferrari und Sauber taucht ein neuer Name in Verbindung mit einem der noch zu vergebenden Cockpits auf.

Laut Medienberichten soll Mick Schumacher, Sohn der Formel-1-Legende Michael Schumacher, ein ernsthafter Kandidat auf einen Platz bei Toro Rosso sein. Beim Red-Bull-Nachwuchsteam ergibt sich trotz der seit Jahren bewährten Nachwuchsarbeit ein unerwarteter Mangel an Kandidaten, nachdem Pierre Gasly bei Red Bull Ricciardo ersetzt und Carlos Sainz seine Bande zu Red Bull vorerst gelöst hat, um bei McLaren zu unterschreiben.

Alte Sünden

Weil Brendon Hartley in seiner ersten vollen F1-Saison alles andere als überzeugend auftritt, werden wohl beide Cockpits neu besetzt werden. Eines davon dürfte an den früheren Ex-Red-Bull-Piloten Daniil Kvyat gehen, der sich zuletzt als Test- und Simulatorpilot bei Ferrari verdingt hatte. Für das zweite soll eben Schumacher ein Kandidat sein.

Paradox: Schumacher kämpft derzeit in der Formel-3-EM um den Titel, liegt nur drei Punkte hinter Dan Ticktum - der seines Zeichens Red-Bull-Nachwuchsfahrer ist. Warum also nicht Ticktum ins Formel-1-Cockpit setzen? Der Grund dafür liegt im Jahr 2015: Damals rauschte Ticktum bei einem Rennen in Silverstone unter Safety-Car-Bedingungen ins Heck eines Konkurrenten, nachdem er zuvor zehn Autos überholt hatte. Dafür brummte ihm der britische Verband eine einjährige Sperre auf.

Die musste Ticktum 2016 absitzen - und genau das fällt ihm jetzt auf den Kopf. Weil ein Formel-1-Pilot für die Startgenehmigung eine sogenannte Superlizenz benötigt, die basierend auf den Ergebnissen der vergangenen drei Saisonen ausgestellt wird. Ticktum kann für die Saison 2016 keine Punkte vorweisen - und selbst, wenn es heuer für den Formel-3-EM-Titel reichen sollte, hält er für 2017 und 2018 "nur" bei 30 der benötigten 40 Punkte.

Aufstieg ja, aber wohin?

So könnte also Schumacher zum Zug kommen, der 2016 Vizemeister der deutschen und italienischen Formel-4-Serie war und 2017 eine solide, wenn auch nicht überragende Formel-3-Debütsaison absolviert hat. Gelingt dem Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister der Titelgewinn, dann hätte er zudem seinen ersten Titel im Automobilrennsport in der Tasche.

Was spricht gegen einen Aufstieg? Zum Einen Schumachers bisherige Formkurve. Sowohl in der Formel 4 als auch in der Formel 3 brauchte der 19-Jährige jeweils ein Jahr Anlaufzeit, um ganz vorne mitfahren zu können. Angesichts dessen wäre wohl auch seine Managerin Sabine Kehm, die auch Vater Michael viele Jahre begleitete, vorsichtig mit einem vorschnellen Aufstieg.

Wahrscheinlicher ist, dass Schumacher - ob als Formel-3-Meister oder nicht - im kommenden Jahr dennoch einen Aufstieg macht, allerdings "nur" in die Formel 2. Dort ist sein aktuelles Team Prema Motorsport ebenfalls vertreten und erlebt nach dem dominanten Titel mit Charles Leclerc im Vorjahr derzeit eine durchwachsene Saison. Nyck de Vries liegt nur auf Rang fünf der Tabelle, Sean Gelael ist gar nur Fünfzehnter. Hier drängt sich Schumacher als Ersatz geradezu auf.