Tolle Stimmung auf den Rängen, aber eher wenig Action auf der Rennstrecke

© EPA/VINCENT JANNINK

Sport Motorsport
09/05/2021

Max Verstappen umjubelter Sieger bei seinem Heimrennen

Der niederländische Formel-1-Star gewann den Grand Prix in Zandvoort vor Lewis Hamilton und übernahm die WM-Führung.

von Florian Plavec

Man soll vorsichtig sein mit Superlativen. Doch so eine Stimmung wie in Zandvoort erlebt die Formel 1 nicht oft.  75.000 Zuschauer, ganz in Orange gewandet, säumten die Rennstrecke in den Dünen direkt an der Nordsee, ein Drittel davon war mit Fahrrädern angereist. Sie feierten die Rückkehr der Formel 1 in die Niederlande nach 36 Jahren – und sie feierten die erhoffte Party. 

1985 gewann Niki Lauda auf diesem Kurs den  letzten Grand Prix seiner Karriere, 2021 triumphierte Max Verstappen bei seinem Heimrennen. 

Der 23-Jährige gewann vor Lewis Hamilton, seinem großen Kontrahenten um die Weltmeisterschaft, und übernahm damit wieder  die Führung in der Gesamtwertung. Drei Punkte liegt er vor dem siebenfachen Weltmeister.

"Episch"

„Das war episch.  Genieße diese Runde“, lobte Red-Bull-Teamchef Christian Horner noch am Funk. Tatsächlich dominierte Verstappen das gesamte Rennen in eindrucksvoller Manier.  Mit seinem Red Bull erwischte er von der Poleposition einen perfekten Start – und das war schon die halbe Miete an diesem Sonntag. Denn das Überholen war sehr schwer auf der kurvigen Strecke.  Mit verschiedenen Reifen-Strategien versuchte das Mercedes-Duo Verstappen in die Zange zu nehmen, doch der Lokalmatador war nicht zu schlagen. „Die Erwartungen waren sehr hoch und es ist schwer, diese Erwartungen zu erfüllen“, sagte der Sieger. „Hier zu gewinnen und die WM-Führung zu übernehmen, ist großartig. Mercedes hat versucht, es uns schwer zu machen, aber wir haben die richtigen Antworten gefunden.“ 

Unruhe bei Mercedes

Für Lewis Hamilton gab es vom Publikum am Ende sogar noch Applaus. „Ich habe alles gegeben, es hat für Red Bull aber nicht gereicht“, sagte er. „Danke, dass wir hier sein durften. Das ist jetzt sicher eine meiner Lieblingsstrecken.“ Doch es scheint nicht mehr alles eitel Wonne zu sein bei den Silberpfeilen. Denn entgegen der Teamanweisung fuhr Valtteri Bottas  drei Runden vor Schluss die schnellste Runde. Hamilton kam deshalb noch einmal zum Reifenwechsel und musste in der letzten Runde alles riskieren, um sich den Extrapunkt zu holen.

„Es ist unglaublich. Die Erwartungen waren aber auch sehr hoch und es ist nicht einfach, diese zu erfüllen. Ich bin unglaublich glücklich, hier gewonnen und die WM-Führung wieder übernommen zu haben, und das vor diesem Publikum. Das ist natürlich ein sehr schöner Sieg“, freute sich Max Verstappen, dem auch das niederländische Königspaar zugesehen hatte. Er habe dem Erwartungsdruck und jenem der gleich starken Mercedes standhalten können. „Generell haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen.“

Von Lewis Hamilton gab es Lob für den nächsten Zandvoort-Sieger nach Niki Lauda 1985. „Max hat hier einen großartigen Job gemacht. Ich habe alles gegeben, aber sie waren einfach zu schnell für uns“, bekannte der Brite. „Für uns war es nicht das perfekte Wochenende. Ich habe alles versucht, was ich konnte, aber heute hatten wir keine Chance auf den Sieg. Ihr Auto war einfach schneller. Sie haben auch das mit dem Verkehr besser gelöst, auch abgesehen davon war die Strategie nicht perfekt“, meinte der Brite, der während des Rennens mehrfach ziemlich aufgeregt mit seinem Team gefunkt hatte.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zollte Verstappen ebenfalls Respekt. „Heute war Max unglaublich schnell, trotz des Drucks von unseren zwei Autos. Das war schon ein verdienter Sieg“, sagte der Wiener im Interview mit ServusTV. Mit dem Ausgang sei er angesichts der Verstappen-Vorstellung und zwei, drei kleiner Eigenfehler aber nicht unglücklich. Für Monza versprach Wolff vollen Angriff. „Das holen wir uns zurück.“

Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko war mit dem umjubelten Sieger und der zurückgeholten WM-Führung natürlich hochzufrieden. „Er hat in der jeweiligen Situation einfach das Richtige und Optimale gemacht, ohne die Reifen zu überfordern. Gratulation an das ganze Team, aber Max war unglaublich.“ Die Strategie sei vom gesamten Team präzise und genau ohne Hektik umgesetzt worden, betonte der Steirer. Im Hinblick auf das nächste Rennen bremste er die Erwartungen aber etwas. „Jetzt werden wir schauen, wie wir Monza meistern, das ist eigentlich ein Kurs, der uns nie gelegen ist.“ 

Kampfansage von Mercedes

Dass der Finne entgegen der Interessen des Teams gehandelt hat, ist ein Zeichen dafür, dass seine Zeit bei Mercedes zu Ende geht.  George Russell, aktuell bei Williams, wird ab 2022 wohl das Cockpit neben Hamilton besetzen. Im Interview versuchte Teamchef Toto Wolff zu beruhigen: „Valtteri wollte zeigen, dass er die Pace hat. Das ist okay.“ Eine Kampfansage kam Richtung Red Bull: „Nächste Woche in Monza holen wir uns das zurück.“ 

 

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