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Sport | Motorsport
06/26/2019

Verstappen sauste im Red-Bull-Boliden zum Grazer Uhrturm

Um die Grand-Prix-Woche in der Steiermark einzuläuten, bot der Niederländer Max Verstappen den Grazern ein Spektakel.

Keine Minute dauert es und da ist er schon. Max Verstappen parkt seinen 900-PS-Boliden elegant auf der Bühne der Kasematten in Graz, einem Veranstaltungsort hoch über der Stadt, wo üblicherweise keine Autos landen. Aber wenn Red Bull mit einem spektakulären Show-Run für den Grand Prix in Spielberg werben will, spielt das offizielle Graz gerne mit und erlaubt die Fahrt über enge Kurven und Kopfsteinpflaster, vorbei am Uhrturm.

„Es war noch nie leicht, den Schlossberg zu erobern“, sinniert Bürgermeister Siegfried Nagl in Anspielung auf dessen Vergangenheit als Wehranlage. „Zuerst hab’ ich mir auch gedacht, ist das eine gute Idee? Aber der Erfolg gibt uns Recht, es sind so viele Menschen da.“

Zumindest jene, die eine der Zählkarten erobert haben. Nur wer offiziellen Zutritt besitzt, darf am Mittwoch auf das Grazer Wahrzeichen. Für alle andere Besucher bleibt er ab acht Uhr früh gesperrt.

Selfies hoch im Kurs

Aber die, die Verstappens Fahrt auf dem Berg miterleben, freuen sich. Sie empfangen den Rennfahrer mit heftigem Applaus. „Ein Autogramm und ein Selfie hätte ich noch gern“, hofft Marie danach. Markus interessiert vor allem die Technik. „Das ist spannend. Der Motor ist weniger laut, als ich geglaubt hab’.“ Sebastian, Medizin-Student aus Deutschland, grinst dagegen breit. „Ich würde mich ja lieber mal in das Auto setzen und selbst fahren versuchen.“

Dabei dürfte auch für den Profi diese Strecke durchaus fordernd gewesen sein, obwohl sie nur ein paar hundert Meter kurz ist. „Es war ein bisschen holprig“, kommentiert Verstappen im Ziel. „Schon bei der ersten Kurve war nicht mehr viel Platz. Aber das war etwas Besonderes und sehr cool. Vielleicht können wir das im nächsten Jahr noch einmal machen.“

Altstadt und Tram

Gut möglich, denn die Landeshauptstadt Graz und die Renngemeinde von Red Bull kooperieren seit einigen Jahren. Sebastian Vettel düste schon einmal mit einem Rennauto durch die Altstadt, im Vorjahr lenkte Verstappen, unterstützt von seinem damaligen Teamkollegen Daniel Ricciardo, gar eine Straßenbahn durch Graz.

Diesmal ist eben der Schlossberg dran, was in der Stadt nicht von allen Seiten begrüßt wurde: Grüne und KPÖ (zweitstärkste Fraktion im Rathaus) reiben sich an fehlendem Umweltgedanken und erinnern an das Feinstaub-Problem. „Nichts Großes auf der Welt passiert ohne Widerstand“, kontert Stadtchef Nagl. Helmut Marko, der Motorsportberater von Red Bull, erinnert an den immensen Werbewert so einer Veranstaltung: So ein Budget habe die Stadt Graz in zehn Jahren nicht. Über die Kosten des Show-Runs wird geschwiegen, Antwort gibt es bei einer Pressekonferenz auf eine solche Frage keine.

Verstappen verrät immerhin, dass er nicht nervös war und auch sein Tempo, mit dem er den Schlossberg bezwang: „Ich habe nicht nachgeschaut, aber ich glaube, es war ein Dreißiger.“ Ab Freitag wird’s deutlich rasanter.