Drei Benzinbrüder
04/21/2014

Lenkwerkstatt Österreich: Ein Trio gibt Vollgas

Die Motorsport-Abteilungen von Porsche, Mercedes und Audi werden von Österreichern geleitet. Deren Kompetenz wird gelobt, die heimische Ausbildung gilt als exzellent. Eine Spurensuche.

von Philipp Albrechtsberger

Ferrari ist der stolzeste Rennstall im Motorsport. Vermutlich ist Ferrari ein bisschen zu stolz. Sechs Jahre fahren die Italiener einem WM-Titel in der Formel 1 bereits hinterher. Das ist für das Selbstverständnis der Herren aus Maranello eindeutig zu lange, zu Wochenbeginn räumte daher der Teamchef seinen Platz. Der Italiener Mattiacci folgte dem Italiener Domenicali nach. Vielleicht hätten die Signori einen Blick Richtung Alpen riskieren sollen, Richtung Österreich.

Drei der derzeit erfolgreichsten Projekte im Motorsport werden von Österreichern geleitet. Das Formel-1-Team von Mercedes hat der Wiener Toto Wolff, 42, zurück auf die Siegerstraße gebracht, der Steirer Fritz Enzinger, 57, zeichnet für die Rückkehr von Porsche nach Le Mans verantwortlich. Und bei Audi prägt Wolfgang Ullrich, 63, eine der erfolgreichsten Ären der Geschichte im Automobilrennsport.

Seit zwanzig Jahren steht der Wiener Ullrich der Motorsportabteilung bei Audi vor. Der deutsche Automobilbauer aus dem VW-Konzern konzentriert sich vorwiegend auf die Langstrecke und die Tourenwagen-Szene. In beiden Bereichen ist Audi das rasante Maß der Dinge.

Im Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) hat seit der Neugründung der Serie im Jahr 2000 kein Hersteller mehr Fahrertitel eingefahren als Audi (sieben), im selben Zeitraum hat beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans bei 14 Ausgaben nur zwei Mal kein Bolide aus Ingolstadt die Ziellinie als Erster überquert.

Stolzer TU-Absolvent

"Dieser Job ist ein Privileg", sagt Audi-Mann Ullrich, "ich kann meine erhaltene Ausbildung mit dem verbinden, was mich fasziniert." Der promovierte Maschinenbauer und Fahrzeugtechniker nennt sich auch Jahrzehnte danach noch einen "stolzen Absolventen der Technischen Universität Wien".

Obwohl Österreich im Gegensatz zu Deutschland, Italien oder Frankreich über keinen Autobauer mehr verfügt, seien österreichische Ingenieure auch im 21. Jahrhundert heiß begehrt in der umkämpften Automobilbranche, erklärt Ullrich: "Die TU Wien genießt mit dem Institut für Fahrzeugtechnik noch immer Weltruf."

Er selbst kam ebenfalls über die TU in Kontakt mit der Theorie zur Raserei. Ein unabhängiges Universitätsgutachten für die Formel 1 Ende der Siebzigerjahre, und wenig später lag Ullrich ein Angebot der Motorsport-Sparte von Renault vor.

Aus dem Job wurde zwar nichts, doch die Kontakte blieben. "Irgendwann bin ich eben doch meiner Leidenschaft gefolgt." Und die heißt seit 1993 Audi Sport.

Entwicklung vs. Sport

Im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern ist Audi Sport seit jeher eine Unterabteilung der Serien-Fahrzeugentwicklung. "Für Audi darf es keine Distanz zwischen Motorsport und Serienentwicklung geben. Deshalb weckt die Formel 1 auch überhaupt kein Interesse bei uns", betont Ullrich.

Der Höhepunkt für den Konzern ist das 24-Stunden-Rennen in Le Mans, das heuer am 14./15. Juni über die Runden geht. "Le Mans ist für Audi die Chance, den Slogan unter Beweis zu stellen: Vorsprung durch Technik", sagt Ullrich. Beim Autokauf ist das Image der Marke ein mitentscheidender Faktor. "Klar machen wir das nicht nur zum Spaß", gibt Ullrich zu, "Sportlichkeit beweist man am besten dadurch, dass man selbst Sport betreibt."

Und die ultimative Herausforderung finde sich eben auf den Straßen von Le MansFormel 1 hin, DTM her: "Dort werden Legenden geboren. Die 24 Stunden sind wie ein Schachspiel, nur ohne Bedenkzeit."

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