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Sport Motorsport
05/16/2021

"Geschwindigkeiten sind irre": Warum die MotoGP gefährlicher wird

Der Oberösterreicher Mike Leitner, Race-Manager von KTM, über die Gefahren in der MotoGP und Jugendfreund Rudi Nierlich, der vor 30 Jahren starb.

von Florian Plavec

Sein Leben ist der Motorsport. Mike Leitner, 58, fuhr in den 1980er Jahren in der 125-WM mit, danach war er viele Jahre lang Chefmechaniker bei Honda an der Seite von Ausnahmekönner Dani Pedrosa. Seit 2015 ist der Mann aus St. Wolfgang Race-Manager bei KTM und mitverantwortlich für den rasanten Aufschwung des österreichischen Teams seit dem Einstieg in die MotoGP 2017. Im Vorjahr schaffte KTM die ersten drei Rennsiege in der schnellsten Motorrad-Serie der Welt.

KURIER: Heuer läuft es noch nicht wie geschmiert. Ist das Jahr nach dem ersten Sieg tatsächlich das schwerste?

Mike Leitner: Es ist alles unglaublich eng. Für die Zuschauer ist es ein Traum, die MotoGP gefällt jedem. Aber in Jerez waren wir 0,3 Sekunden hinten und waren nicht in den Top 10. Das ist schon eine harte Nummer. Es geht da um Nuancen. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir uns von den Rundenzeiten verbessert, aber die Konkurrenz entwickelt sich unglaublich schnell. Und man muss bedenken: Wir sind mit Abstand der jüngste Hersteller in dieser Klasse und bewegen uns auf einer Wellenlinie bergauf. Im Vorjahr hat die Welle nach oben ausgeschlagen.

Was waren rückblickend die größten Schritte?

Wir haben neben dem Werksteam ein Satellitenteam aufgebaut mit Tech 3 KTM. Das war eine unglaubliche Anstrengung, die Logistik hat sich verdoppelt. Aber wenn man ein zweites Team befeuert, wird es auf längere Sicht helfen. Jetzt haben wir vier Fahrer am Start, die voneinander profitieren.

KTM fertigt in der Fabrik immer noch alles selbst?

Ja. Wir sind der einzige Hersteller, der sogar die Federelemente selbst macht.

Wo liegen die Stärken des aktuellen Bikes?

Auf der Bremse sind wir sehr stark. Zulegen müssen wir beim Handling. Andere Motorräder sind noch ein bisschen einfacher zu beherrschen. Aber dafür haben wir starke, junge Fahrer.

Was macht den perfekten MotoGP-Piloten aus?

Schnell soll er sein. Das heißt, er muss eine unglaubliche Risikobereitschaft mitbringen und gleichzeitig intelligent sein. Das ist eine schwere Mischung. Der ganz große Unterschied zum Autosport ist, dass bei uns jeder Fehler zum Sturz führt, und man schlägt als Fahrer selbst auf dem Asphalt auf. Die Verletzungsgefahr ist sehr groß.

Machen Stürze langsamer?

Stürze mit schweren Verletzungen sind immer schwer wegzustecken. Aber die Fahrer sind top durchtrainiert und die Kleidung ist sehr gut geworden. Zum Glück hält es sich momentan mit den Verletzungen in Grenzen. Wenn bei einem Sturz nicht viel passiert, ist es am besten, dass der Fahrer gleich wieder auf das Ersatzmotorrad steigt und weiterfährt.

Zuletzt gab es Kritik an den zu hohen Geschwindigkeiten in der MotoGP, wo mehr als 350 km/h erreicht wurden. Wie kann man bremsen?

Mir gefällt diese Entwicklung auch nicht. Aber wir haben Regeln und natürlich nützt die jeder Hersteller aus. In den letzten Jahren haben die Hersteller Flügel auf die Motorräder montiert, und manche Teams können während der Fahrt das Heck absenken und die Fahrzeughöhe ändern. Wir haben zuletzt in Doha 362 km/h erreicht. Diese Geschwindigkeiten sind irre. Wir müssen uns da etwas überlegen und beim Regelwerk gegensteuern.

Die Formel 1 testet viel am Simulator. Geht das in der MotoGP auch?

Ganz schwer. In der Formel 1 rutscht der Fahrer im Auto keinen Millimeter hin und her. Das kann man sehr gut berechnen. Im Zweiradsport ist der Fahrer aber ein so großer Teil des ganzen Pakets. Wie er sich bewegt, wie er oben sitzt, wie sein Fahrstil ist ... das ist ganz schwer zu simulieren. Den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage in der MotoGP muss man auf der Strecke finden.

Spielt der Fahrer in der MotoGP eine größere Rolle?

In der MotoGP kann ein sehr guter Fahrer wahrscheinlich mehr kompensieren als in der Formel 1, vor allem mit dem Körpereinsatz. Aber egal ob beim Auto- oder Motorradfahren, der Fahrer hat immer eine große Rolle.

MOTO-PRIX-ESP

Sie waren ein enger Freund von Ski-Weltmeister Rudi Nierlich, dessen Todestag sich am 18. Mai zum 30. Mal jährt. Welche Erinnerungen haben Sie an den Menschen?

Puh, das ist jetzt ein ganz anderes Thema. Wir waren über Jahre sehr gute Freunde, haben nur drei Kilometer voneinander entfernt gewohnt ...

Hatten Sie durch den Sport eine besondere Verbindung?

Natürlich. Wir haben damals viel gemeinsam unternommen und trainiert. Ich war aktiver Motorradrennfahrer, er Skifahrer, wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Sein tödlicher Unfall mit dem Auto war natürlich unglaublich tragisch. Aber sonst habe ich nur gute Erinnerungen an ihn.

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