Warum die Formel 1 in ein „Schicksalsjahr“ startet
Fans in Melbourne feiern bereits vor dem ersten Rennen.
Eine Saison voller Veränderungen steht der Formel 1 bevor, die am Sonntag in Melbourne (5.00/live ServusTV, Sky) startet. Von einem „Schicksalsjahr“ wird sogar gesprochen. Wird die neue Formel bei Fahrern und Fans ankommen? Die Top-Teams scheinen jedenfalls eng beisammen zu liegen, einige der 24 Rennen sind bereits ausverkauft. Und in den USA hat Apple einen 700 Millionen Dollar schweren TV-Deal für den wachsenden US-Markt abgeschlossen.
Was sind denn nun die radikalen Änderungen?
Vor allem geht es um vier Punkte:
- Mehr Elektro-Power: Gefahren wird ab sofort mit 100 Prozent nachhaltigem Sprit. Die Kosten dafür: 275 Euro pro Liter. Zudem wird die Leistung des Verbrenners von 750 auf 550 PS reduziert, die Kraft aus dem Akku steigt von 240 auf 475 PS.
- Overtake-Modus statt DRS: Das Flachstellen des Heckflügels zum Überholen ist Geschichte. Ersetzt wird die Überholhilfe durch ein elektrisches System. Der Overtake-Modus darf in festgelegten Streckenabschnitten aktiviert werden, sofern sich das Fahrzeug innerhalb einer Sekunde hinter einem Gegner befindet. Allerdings muss der Pilot die Batterie dafür vorher auch aufladen.
- Aktive Aerodynamik: Bei der Aerodynamik wird abgerüstet, der nun wieder flache Unterboden verliert seine entscheidende Bedeutung. Dafür sind Heck- und Frontflügel verstellbar. Der „Straight Mode“ darf in bestimmten Zonen mit Geraden verwendet werden. Außerhalb dieser Bereiche befindet sich das Fahrzeug im „Corner Mode“, um Stabilität beim Bremsen und Einlenken zu haben.
- Kleinere Autos: Die Autos sind leichter geworden (768 statt 798 kg) und schmaler (1,90 Meter statt 2 Meter). Geschrumpft ist auch der Radstand von 3,60 auf 3,40 m.
Warum wurden die Regeln überhaupt geändert?
Die Formel 1 will sich modern und nachhaltig präsentieren. So hat das neue Reglement zwei namhafte Hersteller zum Einstieg in die Formel 1 bewegt: Audi übernahm das Sauber-Team und baute den neuen Motor selbst, Cadillac ist als elftes Team neu dabei.
Was sagen die Piloten zu den neuen Autos?
Die Rückmeldungen waren höchst unterschiedlich. Von einer „Formel E auf Steroiden“ sprach Max Verstappen, und Lewis Hamilton nannte die Regeländerungen „absurd komplex“. Fest steht: Die Konzepte sind neu, die Autos müssen im Laufe der Saison radikal weiterentwickelt werden. Für Technik-Freunde wird das Jahr 2026 auf jeden Fall interessant.
Was ändert sich für die Fahrer?
Sie müssen ihren Fahrstil anpassen. Um die Batterie, die bei voller Nutzung nach etwa elf Sekunden aufgebraucht ist, effektiver aufzuladen, müssen die Fahrer nun vor Kurven entweder früher vom Gas gehen („Lift and Coast“), in einen niedrigeren Gang schalten oder einfach nicht Vollgas fahren. Das widerspricht dem Instinkt eines Rennfahrers.
Werden die Rennen (noch) spektakulärer?
Das ist völlig offen. Max Verstappen bringt es in Melbourne auf den Punkt: „Es gibt noch viele Fragezeichen für uns alle. Aber das macht die Sache auch interessant, weil es einen Grund gibt, einzuschalten.“
Wer wird Weltmeister?
Selten waren Prognosen so schwer wie vor dieser Saison. Bei den Buchmachern ist George Russell im Mercedes Favorit knapp vor Charles Leclerc (Ferrari). Um die Top-Plätze sollten auch die beiden McLaren-Piloten kämpfen. Und Red Bull darf sich auf den Max-Faktor verlassen.
Was ist mit Aston Martin los?
Der Saisonstart wird für den Rennstall zum Albtraum. Design-Guru Adrian Newey spricht von einer „beängstigenden Situation“. Starke vom Motor ausgehende Vibrationen schädigen die Komponenten am Auto und auch die Nerven der Fahrer Fernando Alonso und Lance Stroll. Die Ursache des Problems wurde noch nicht gefunden. Es wäre ein Wunder, würden die beiden Piloten am Sonntag die komplette Distanz absolvieren. Selbst ein Rennstart ist nicht fix. Großen Rückstand vor dem allerersten Rennen der Teamgeschichte hat auch Cadillac.
Welche Auswirkungen hat der Krieg?
Für das Rennen in Melbourne mussten Hunderte Flüge umgebucht werden. Doch der Grand Prix wird programmgemäß stattfinden. Ein großes Fragezeichen steht hingegen über dem Rennen in Bahrain, das für den 12. April angesetzt ist. Und in der Woche darauf ist der GP in Saudi-Arabien geplant. Sollten beide Rennen abgesagt werden (was wahrscheinlich ist), wird es vermutlich keinen Ersatz geben.
Kommentare