Lucas Auer: "Die Formel 1 hat sich komplett geändert"
Mercedes-Werksfahrer Lucas Auer.
Groß war die Überraschung vor einer Woche, als bekannt wurde, dass sich Lucas Auer seinen Mercedes mit einem höchst prominenten Mann teilen wird. Gemeinsam mit Max Verstappen wird der 31-jährige Tiroler am 16. Mai bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring starten.
Schon am Sonntag (8.00 MEZ/live ORF 1) startet der vierfache Weltmeister beim Formel-1-Rennen in China. Lucas Auer macht sich Gedanken. Sowohl über den Doppelpass mit dem Superstar als auch über die Formel 1 im Jahr 1 nach der Regelreform.
KURIER: Was bedeutet es Ihnen, gemeinsam mit Max Verstappen ein 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zu fahren?
Lucas Auer: Das nenne ich einmal ein Line-up! Mit dem Max, Jules (Gounon; Anm.) und dem Dani (Juncadella) haben wir ein sehr starkes Team. Es ist eine unglaubliche Story, einen Formel-1-Weltmeister im Team zu haben, der noch aktiv ist und nebenbei ein 24-Stunden Rennen fährt. Das zeigt, was der Max für ein Motorsportler ist. Der atmet Benzin.
Wie gut kennen Sie das Auto, einen Mercedes-AMG GT3?
Ich sitze eigentlich das ganze Jahr in diesem Auto in verschiedenen Meisterschaften. Da unterscheiden sich nur leicht die Reglements oder die Reifen. Aber die Basis ist immer die gleiche.
Sie kennen das Auto so gut wie auswendig. Kann der Formel-1-Weltmeister etwas von Ihnen lernen?
Man kann sich immer etwas abschauen. Ich kann natürlich über Details Feedback geben. Aber ich bin mir sicher, dass sich der Max am Simulator vorbereiten wird, und er wird auf Anhieb schnell sein. Wir brauchen einen guten Austausch untereinander, alle vier Fahrer können voneinander profitieren. Jetzt ist es wichtig, dass wir eine gute Vorbereitung haben. Denn das Auto ist die eine Sache, aber die Nordschleife ist etwas anderes. Da braucht jeder maximale Erfahrung und Testrunden. Bei dieser Strecke muss man extrem gut mit dem Verkehr umgehen.
Warum das?
Es sind viele verschiedene Klassen in einem Rennen. Man läuft manchmal auf Autos auf, die 180 km/h langsamer sind. Der Verkehr macht das Rennen.
Die Nordschleife galt als sehr gefährlich. Ist das immer noch so?
Ja, extrem. Durch die unterschiedlichen Klassen ist es gefährlich, aber die Strecke ist generell Hardcore. Das sagt schon der Name „die Grüne Hölle“. Fehler werden extrem hart bestraft. Auch mental ist es extrem anspruchsvoll. Man ist immer mehr als zwei Stunden am Stück im Auto.
Was macht Verstappen so stark?
Wir sind schon in der Formel 3 zusammen gefahren. Da ist einmal sein Talent. Er ist aber auch ein unglaublich harter Arbeiter. Er weiß genau, was er vom Auto braucht und vom Team. Motorsport ist ein Teamsport und Max kann da das Maximum herausholen. Ich glaube, er ist aktuell weltweit der beste Fahrer.
Themenwechsel zur Formel 1. Was ist Ihr erster Eindruck nach der Regelreform?
Bei jeder Regeländerung werden die Abstände vorerst größer. Das ist schade, liegt aber in der Natur der Sache. Aber generell muss man dem einmal drei, vier Rennen Zeit geben und dann schauen, wie das Racing ist. Die Formel 1 hat sich komplett geändert. Man muss vor den Kurven früh vom Gas gehen oder Energie rekuperieren.
Widerspricht das den Instinkten eines echten Rennfahrers, der möglichst lang Gas geben und spät bremsen möchte?
Ja. Es kommt eine andere Disziplin dazu. Davor waren meistens die Reifen der limitierende Faktor. Man hat sich immer am Limit des Reifens bewegt, der langsam abbaut. Jetzt kommen andere Sachen dazu, auch beim Überholen. Für den Fahrer ist das extrem komplex.
Wen sehen Sie in der Favoritenrolle auf den WM-Titel?
Mercedes. Ganz klar.
Also wird George Russell Weltmeister?
Nein, das würde ich gar nicht sagen. Der Kimi Antonelli ist jetzt im zweiten Jahr. Da würde ich einmal abwarten, wie er in Schwung kommt, der wird heuer noch aufdrehen. Und wenn es das Material zulässt, ist der Max auch vorne dabei.
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