Allmacht oder Ohnmacht? Die Hände von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sind im Streit um die Einnahmenverteilung gebunden.

© REUTERS/MAXIM SHEMETOV

Formel 1
11/03/2014

Ecclestone will "Verträge zerreißen"

Der 84-jährige Vermarkter sorgt sich um sein Lebenswerk und kündigt Reformen bei den Finanzen an.

Es ist nichts Geringeres als sein Lebenswerk – und das ist jetzt in Gefahr. Bernie Ecclestone sorgt sich um die Formel 1, um seine Formel 1. "Ich weiß, was schiefläuft, ich weiß aber nicht, wie ich es lösen soll."

So etwas hat man selten gehört vom 84-jährigen Engländer, einem der mächtigsten Sportmanager der Welt. 50 Minuten dauerte sein Vortrag am Samstag in einem Konferenzraum an der Rennstrecke in Austin, wo am Wochenende mit dem Großen Preis der USA das drittletzte Rennen der Saison stattfand.

"Ich will nicht, dass die Formel 1 verschwindet und die Leute mir nachsagen, dass es meinetwegen war." Die Probleme sind klar: Mit Caterham und Marussia haben zwei Rennställe wegen akuter finanzieller Probleme nicht die Reise nach Texas angetreten und sind von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Das Teilnehmerfeld der prestigeträchtigsten Rennserie der Welt ist auf neun Teams geschrumpft.

Ecclestone erkennt die systemimmanente Gefahr der in die Höhe geschossenen Kosten. "Das Problem ist, dass zu viel Geld schlecht verteilt wird. Das ist vermutlich mein Fehler", sagte der Brite, der seit den 70er-Jahren die Geschicke der Formel 1 lenkt. In der Debatte um eine Umverteilung der Einnahmen sieht er jedoch seine Hände gebunden. "Wenn wir in der Position wären, dass wir diesen Teams, die Probleme haben, helfen könnten, würden wir es tun. Aber wir dürfen es nicht", sagte er mit Blick auf die bestehenden Verträge.

Ecclestone selbst räumte den großen Teams seinerzeit großzügige Privilegien ein, um seine eigene Macht zu sichern. Nun würde er am liebsten "die Verträge mit den Teams zerreißen".

"Völlig falsch"

Die kleineren Teams üben nun erstmals auch öffentlich lautstark Kritik: "Das Verteilungsmodell der Einnahmen ist völlig falsch. Diejenigen, die mehr haben, bekommen mehr und als Resultat wollen sie mehr und wollen auch mehr ausgeben", sagte Lotus-Miteigentümer Gerard Lopez. Die Rennställe sind daher vermehrt auf externe Geldquellen angewiesen. So gab das Schweizer Sauber-Team die Verpflichtung des mit üppig Sponsorgeld ausgestatteten Fahrers Marcus Ericsson bekannt (Sd/Caterham).

Einem neuen Verteilungsschlüssel müssten alle Teams zustimmen. Ecclestone kündigte an, direkt mit den Herstellern über Reformen reden zu wollen. Ein schwieriges Unterfangen. Für Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci ist klar: "Das Ziel ist nicht, wie man den Kuchen anders verteilen kann, sondern wie man den Kuchen größer machen kann."

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