Fernando Alonso sieht keine Chance, beim Heimrennen auf das Podest zu fahren.

© REUTERS/ALBERT GEA

Formel 1
05/10/2014

Die Bestie Fernando Alonso gibt sich ganz zahm

Fernando Alonso ist der beste Fahrer der Welt. Doch der Lokalmatador hat das Siegen verlernt.

von Florian Plavec

Wie gut ein Formel-1-Fahrer ist, zeigt sich nicht unbedingt in den Ergebnislisten. Es zeigt sich erst im Vergleich mit seinen Teamkollegen; wenn die Piloten im gleichen Auto sitzen und das Fahrkönnen sowie das Vorbereiten des Dienstwagens den Unterschied ausmachen zwischen Champagnerdusche und Stehen im Regen.

Ein Blick auf diesen teaminternen Vergleich macht sicher: Fernando Alonso ist ein außergewöhnlicher Fahrer. Mehr noch, er ist vermutlich der beste Formel-1-Pilot der Welt. Seit 13 Jahren fährt der Spanier in der Formel 1, elf Mal konnte er seine Teamkollegen klar distanzieren, zwei Mal lag er gleichauf (Grafik).

2010 kam er als zweifacher Weltmeister zu Ferrari – mit einer Mission: Möglichst rasch den Titel für die Scuderia zu holen. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sah in dem Spanier einen Garantieschein für WM-Titel in Serie. So weit, so falsch. Vier Mal musste sich Ferrari hinter Red Bull anstellen, hinter "einem Limonadehersteller", wie Di Montezemolo feststellte. 2014 ist Alonsos fünfte Saison im Ferrari, seinem dritten WM-Titel fährt er weiter hinterher, nur elf Grands Prix konnte er für Ferrari gewinnen.

Am Circuit de Barcelona-Catalunya sitzt Alonso dieser Tage mit starrem Blick bei den Medienterminen, und er muss vor seinem Heimrennen zugeben: "Wenn ich sagen würde, dass ich hier um das Podium kämpfen werde, würde ich lügen. Im Moment ist ein Top-Platz für uns außer Reichweite. Wir sind bei Weitem nicht da, wo wir sein sollten."

Einmal mehr schaffte es das erfolgreichste Formel-1-Team der Welt nicht, seinem Superstar einen konkurrenzfähigen Wagen zu bauen. Mercedes ist enteilt, bereits auf gleicher Höhe wie Ferrari tauchen Red Bull und Force India auf. Ohne Alonso am Steuer wären wohl auch schon McLaren und Williams vorbeigezogen. Teamkollege Kimi Räikkönen, 2007 letzter Weltmeister für Ferrari, hält bei mickrigen elf WM-Punkten.

Die Fans verehren Alonso wie keinen Ferrari-Star mehr seit Michael Schumacher – nicht nur hier in der Heimat. "Go Fernando Go!!!" steht auf einem überdimensionalen Transparent auf der Haupttribüne. Gerade in Spanien fordern die in Rot gekleideten Fans ein ähnliches Wunder wie im Vorjahr. Damals hatte ihnen der Lokalmatador einen Sieg versprochen – und sein Versprechen gehalten. Es war der bis dato letzte Sieg für Alonso. Dieser flüchtet sich in Galgenhumor: "Ich habe mittlerweile leider viel Erfahrung damit, nicht zu gewinnen."

Der Faktor

Doch Alonso wäre nicht Alonso, würde er nicht in jeder Situation das Maximum aus seinem Auto herausholen. Dies weiß auch die Konkurrenz. Toto Wolff: "Ferrari kann auf den Alonso-Faktor zählen, denn er ist eine Bestie, die zu unglaublichen Leistungen fähig ist", sagte der Mercedes-Motorsportchef den Salzburger Nachrichten. Deshalb sehe er Ferrari als stärksten Gegner, stärker als Red Bull.

Alonso bewegt sein Auto am Limit und begeht dennoch kaum Fehler. Dass der 32-Jährige zu den Allerbesten gehört, bestätigen auch einige Formel-1-Kollegen. "Fernando ist ein Genie", sagt Lotus-Fahrer Pastor Maldonado. "Wenn ich Teambesitzer wäre und zwischen ihm und Vettel wählen müsste, würde ich Alonso nehmen." Sergio Pérez (Force India) legt sich fest: "Alonso ist noch immer der Beste." Und Lewis Hamilton, der als einziger Ex-Teamkollege mit Alonso hatte mithalten können, sagte im Vorjahr: "Wenn Alonso im Red Bull sitzen würde, würde er mehr gewinnen als Vettel."

Das Alphatier

Der Spanier ist der einzige aktuelle Fahrer, der Michael Schumacher in dessen Blütezeit bei Ferrari über lange Sicht die Stirn bieten konnte. Ingenieur Pat Symonds hat mit beiden Fahrern zusammengearbeitet und sieht Parallelen: "Fernando ist wie Michael ein Mann, der in der Formel 1 explodiert."

Alonso ist das Alphatier im Cockpit. Über sein Selbstverständnis in einem Team sagt er: "Ich reklamiere nie die Nummer eins für mich. Aber ich will nicht die Nummer zwei sein."

Mercedes auch im Abschlusstraining voran

Mercedes hat am Samstagvormittag auch das Abschlusstraining für den Formel-1-Grand-Prix von Spanien dominiert. WM-Leader Nico Rosberg verwies seinen Teamkollegen Lewis Hamilton, am Vortag der Schnellste, um mehr als acht Zehntelsekunden auf Platz zwei. Lokalmatador Fernando Alonso lag als Dritter im Ferrari bereits 1,3 Sekunden zurück.

Die Red Bulls von Daniel Ricciardo und Weltmeister Sebastian Vettel kamen nicht über die Ränge sieben bzw. zehn hinaus. Mercedes ist im fünften Saisonrennen auf den fünften Sieg aus. Zuletzt hatte dreimal Hamilton vor Rosberg gewonnen. Das für die Startaufstellung des Europa-Auftakts maßgebliche Qualifying beginnt um 14.00 Uhr.

Ergebnisse des dritten freien Trainings:

1. Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:25,887 Min. - 2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:26,756 - 3. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:27,188 - 4. Felipe Massa (BRA) Williams 1:27,223 - 5. Romain Grosjean (FRA) Lotus 1:27,682 - 6. Kevin Magnussen (DEN) McLaren 1:27,806 - 7. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 1:27,808. Weiter: 10. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:28,085 - 12. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:28,242 - 13. Daniil Kwjat (RUS) Toro Rosso 1:28,298

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