Buhrufe für Vettel in Singapur

Sebastian Vettel wird auf dem Formel-1-Podium mit Champagner bespritzt.
Die Überlegenheit des Deutschen schmeckt den Ferrari-Fans gar nicht.

Sebastian Vettel kann sich in der Formel-1-WM nur noch selbst schlagen. Der Titelverteidiger dominierte am Wochenende in Singapur wie nie zuvor in dieser Saison. Rechnerisch könnte der deutsche Red-Bull-Star bereits beim übernächsten Rennen Mitte Oktober in Japan zum vierten Mal in Serie als Weltmeister feststehen. Realistischer ist Vettels Krönung aber beim folgenden Grand-Prix-Doppel in Indien und Abu Dhabi.

Der 26-Jährige geht mit 60 Punkten Guthaben auf seinen einzigen ernsthaft verbliebenen Rivalen Fernando Alonso in die sechs ausständigen Rennen. Dreimal in Serie hat Vettel den Spanier zuletzt auf Platz zwei verwiesen. In Singapur war Alonso trotz Raketenstarts und mutiger Strategie chancenlos. "Am Ende habe ich nur den Vorsprung verwaltet", erklärte Vettel. Mit 32,6 Sekunden war es der größte der laufenden Saison.

Die Überlegenheit von Red Bull überraschte selbst Teamchef Christian Horner. "Niemand hat erwartet, dass er in 15 Runden 30 Sekunden herausfahren kann. Es ist eine Kombination aus seinem Vertrauen in das Auto und dem Fortschritt, den wir damit gemacht haben", meinte der Engländer. Strecken ähnlich wie Singapur, bei denen viel Abtrieb notwendig ist, waren zu Saisonstart noch nicht die Stärke der Bullen gewesen.

Unbeliebt

Einzig die Buhrufe für Vettel auf dem Podium trübten das Bild. Schon zuletzt in Monza war der Deutsche dem Ärger der Ferrari-Fans ausgesetzt gewesen. Auch in Singapur war die Mehrheit der Fans im Alonso-Lager. "Ferrari hat eine lange Tradition", begründete Vettel. Das störe ihn aber nicht weiter. "Sie sind ziemlich emotional, wenn sie nicht gewinnen. Solange sie buhen, machen wir also einen guten Job."

Dass die Schmähungen spurlos an seinem Starpiloten vorbeigehen, glaubt Horner nicht. "Er ist auch nur ein Mensch", erinnerte der Teamchef, der Vettel auf das Podium begleitet hatte. "Das ist nicht sportlich. Der Bursche ist ein unglaubliches Rennen gefahren", betonte Horner. "Er wird fürs Siegen bestraft", urteilte die Bild-Zeitung am Montag, stellte aber auch die Frage: "Warum ist Vettel außerhalb von Deutschland so unbeliebt?"

Es dürfte an der Dominanz liegen, mit der der dreifache Weltmeister von Sieg zu Sieg eilt - und seinem unstillbaren, fast kannibalenhaften Erfolgshunger. Auch Rekordweltmeister Michael Schumacher hatte nicht die höchsten Beliebtheitswerte. Dafür nennt Vettels Kindheitsidol sieben WM-Titel sein Eigen. Selbst diese Marke scheint für den aktuellen Seriensieger längst nicht mehr utopisch.

Bedrohliche Finanzlage in der Formel 1

DEUTSCHLAND:

Bild: "Warum ist Vettel so unbeliebt? Er wird fürs Siegen bestraft. Gnadenlos hetzt Sebastian Vettel (26) von Erfolg zu Erfolg. Gnadenlos aber auch die neuen Pfiffe gegen unseren dreimaligen Weltmeister. Nach dem unfairen Pfeifkonzert vor zwei Wochen in Monza wurde Sieger Vettel auch in Singapur ausgebuht."

Die Welt: "Vettel krönt sich zum König der Nacht. Der vierte WM-Titel ist nach dem überlegenen Sieg in Singapur zum Greifen nah."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Eine Demonstration seiner Macht. Sebastian Vettel gewinnt überlegen in Singapur. Wer soll den deutschen Formel-1-Piloten jetzt noch aufhalten auf dem Weg zu seinem vierten Titel in Serie?"

Süddeutsche Zeitung: "Feuerwerk und Feuerspieler. Sebastian Vettel ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum vierten Formel-1-Titel geglückt. Vor dem nächsten Rennen gibt es für Sebastian Vettel nur eines, was ihm Sorgen bereiten könnte: Der Motor seines Teamkollegen Mark Webber spuckte in der Schlussphase des Singapur-Rennens Feuer."

Stuttgarter Nachrichten: "Vettel glänzt im Lichtermeer. Noch sind es sechs Formel-1-Rennen, bis die Saison vorbei ist. Doch Sebastian Vettel will nicht bis zum 24. November warten, um seinen Titel zu verteidigen."

Express: "Vettel, der Galaktische! Er landet seinen dritten " Grand Slam": Pole Position, Sieg, schnellste Rennrunde und alle Runden geführt."

GROSSBRITANNIEN:

The Sun: "Das Red-Bull-Ass erteilte eine Lehrstunde in Sachen 'Wie zerstöre ich den Rest des Fahrerfeldes'."

Independent: "Der amtierende Champion war erneut völlig unantastbar und kommt dem vierten Titel immer näher."

The Telegraph: "Es ist nur noch eine Frage, wann Vettel seinen vierten Titel feiert."

SPANIEN:

El Mundo: "Vettel macht sich die WM zum Untertan."

Marca: "Vettel macht das Licht aus. Die Geschichte der WM 2013 scheint abgeschlossen zu sein."

El Pais: "Gegen Vettel hilft kein Plan. Der bequeme Triumph des Deutschen über Alonso und Räikkönen bekräftigt, dass Red Bull wächst und der Rest aufgegeben hat."

El Mundo Deportivo: "Alonso schaffte einen tollen zweiten Platz dank eines unglaublichen Starts und einer großen Strategie. Aber alles war umsonst gegen einen Vettel, dessen Red Bull eine Demütigung aller Rivalen ermöglicht hat."

AS: "Der Deutsche hat das ganze Potenzial seines Red Bull ausgenutzt, um einen unglaublichen Rhythmus vorzugeben, der seine Rivalen zerstört hat."

ITALIEN:

Gazzetta dello Sport: "Unaufhaltsam! Vettel macht Angst, aber Alonso ist Zweiter: Ein Antritt wie Bolt und die Taktik der Genies."

Corriere dello Sport: "Verrückter Ferrari: Alonso und das Team perfekt in einem Rennen, in dem sich der F138 trotzdem Red Bull ergeben muss. Vettel gewinnt noch immer: Der Deutsche fliegt zu einem Vorsprung von 60 Punkten und sieht den vierten WM-Titel."

Tuttosport: "Alonso macht den Alonso, aber nimmt Abschied vom Titel. Der tolle Start und die passende Strategie reichen nicht."

Corriere della Sera: "Vettel, die gewöhnliche einsame Flucht. Alonso, meisterhafter Start. Der Deutsche von Red Bull hat die WM in der Hand."

La Stampa: "Vettel, einsamer Herrscher und die WM in der Hand. Alonso ertrotzt einen weiteren zweiten Platz, aber Ferrari kann schon an nächstes Jahr denken."

La Repubblica: "Das Gesetz von Vettel bestraft einen großartigen Alonso. Übermacht des Deutschen auch beim Nachtrennen."

FRANKREICH:

Liberation: "Vettel hat sich einmal mehr als unantastbar erwiesen."

SCHWEIZ:

Neue Zürcher Zeitung: "Überlegen wie noch nie. Sebastian Vettel steuert den Red Bull auch in Singapur unaufhaltsam einem weiteren Formel-1-WM-Titel entgegen."

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