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Sport | Motorsport
04/30/2019

Die Unvergessenen: Roland Ratzenberger und Ayrton Senna

Formel 1: Vor 25 Jahren starben Roland Ratzenberger und Ayrton Senna in Imola. Was ihr Tod bewirkt hat

Der Tod von Roland Ratzenberger trifft Ayrton Senna tief. Am 30. April 1994 verfolgt der Brasilianer den Unfall des 33-jährigen Österreichers in Imola auf einem Bildschirm. Er muss miterleben, wie Ärzte erfolglos versuchen, den Fahrer des Simtek-Teams zu reanimieren.

Senna ist damals 34 Jahre alt, dreifacher Weltmeister und der beste Formel-1-Fahrer der Welt. Nach dem Unfall steigt er nicht mehr in seinen Williams. Er verzichtet darauf, seine Bestzeit vom Vortag zu verteidigen. Senna lässt sich an die Unfallstelle fahren, von einem Streckenposten den Unfallhergang schildern und spricht mit Rennarzt Sid Watkins über die Tragödie. Der Mediziner will ihn dort angeblich zum Rücktritt überreden.

Mit seinem Freund und ehemaligen Teamkollegen Gerhard Berger bespricht Senna, wie man die Formel 1 sicherer machen könnte. Senna sei an diesem Tag sehr nachdenklich gewesen, erinnert sich seine damalige Freundin Adriane Galisteu.

Trotzdem steigt er am Renntag (1. Mai), wieder in den Williams. „Ich liebe diesen Beruf und kann das Rennen nicht einfach absagen. Das ist mein Leben“, sagt er am Telefon seiner Freundin, die in Portugal geblieben ist.

Adriane Galisteu sieht den Unfall im TV. Die Szene sieht nicht beängstigend aus. Im ersten Moment denkt sie sich: „Gut, so wird er früher wieder zurück sein.“ Dann bekommt sie einen Anruf von Sennas bestem Freund, sie müsse nach Imola fliegen. Kurz vor dem Start des Privatjets erreicht sie noch eine Nachricht. „Adriane, du brauchst nicht zu kommen.“ – „Schön. Geht es ihm besser?“ – „Nein, er ist tot.“

Ex-Teamkollege Alain Prost über Ayrton Senna

"Zu Ehren von Ayrton Senna werde ich mich nie wieder in ein Formel-1-Auto setzen. Er war der Meister seines Fachs. Ich bin stolz, gegen ihn gefahren zu sein."

Sebastian Vettel über Ayrton Senna

"Was er in so kurzer Zeit erreicht hat und wie präzise er hinter dem Lenkrad war, war einzigartig." 

Enzo Ferrari über Ayrton Senna

"Es liegt etwas Fesselndes im Blick dieses Jungen."

Helmut Marko über Ayrton Senna

"Die Einstellung, das Charisma, der reine Speed ... Natürlich hat Schumacher die meisten Titel. Aber Senna war der Größte."

Juan Pablo Montoya über Ayrton Senna

"Hätte Senna überlebt, wäre Schumacher drei Mal weniger Weltmeister geworden."

Landsmann Felipe Massa über Ayrton Senna

"Ich kann mich noch erinnern, wie wunderbar er im Auto war. So einen Fahrer auf diese Weise zu verlieren, das war dramatisch - nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt."

Lewis Hamilton über Ayrton Senna

"Im gleichen Atemzug wie Senna genannt zu werden, macht mich sehr demütig. Er war für mich ein Held, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Für mich ragt Senna aus allen heraus, er fuhr auf einem ganz anderen Niveau."

Gerhard Berger über Ayrton Senna

"Ich habe all die Jahre gesagt, ich sehe keinen in der Nähe von Ayrton. Aber Lewis (Hamilton; Anm.) ist der erste Fahrer, den ich auf dem gleichen Level sehe."

Kopfverletzung

Bei seinem Unfall in der Tamburello-Kurve erleidet Senna keine Knochenbrüche oder innere Verletzungen. Es wird vermutet, dass sich eine Strebe der gebrochenen Radaufhängung durch den Helm gebohrt hat. Andere Quellen berichten, dass Senna von einem Reifen am Kopf getroffen wurde. Er ist bereits tot, als er von Sid Watkins und seinen Helfern aus dem Cockpit gehoben wird. Offiziell wird der Tod erst im Spital in Bologna festgestellt.

Jahre später bezeichnet der damalige Williams-Designer Adrian Newey das Auto als aerodynamische Fehlkonstruktion. Die Seitenkästen seien zu lang gewesen, sodass gerade auf schnellen Strecken wie in Imola die Gefahr eines plötzlichen Strömungsabrisses gegeben war. Tatsache ist, dass am 1. Mai 1994 die Lenksäule an Sennas Boliden bricht.

Zehn Jahre zuvor war Senna in die Formel 1 eingestiegen. Im Jahr darauf gewinnt er in Portugal sein erstes Rennen. 40 weitere Siege und drei WM-Titel folgen. Der Brasilianer ist ehrgeizig, kompromisslos – und schnell. Oft fährt er hoch aggressiv, privat ist er ruhig und tief gläubiger Katholik. Als er 1988 in Japan seinen ersten WM-Titel holt, sagt er: „In der ganzen Anspannung spürte ich seine Gegenwart – ich sah Gott.“

Senna hat Fans auf der ganzen Welt, sie nennen ihn „The Magic“. Die erbitterten Duelle mit Alain Prost gehen in die Geschichte ein, in seiner Heimat Brasilien wird er vergöttert. Als am 1. Mai 1994 die Meldung von Sennas Tod verkündet wird, ist die ganze Nation geschockt. Fußballspiele werden unterbrochen, eine dreitätige Staatstrauer wird ausgerufen, Geschäfte bleiben zu.

Das Begräbnis ist ein Staatsakt. Zwei Millionen Menschen säumen die Straßen, als der Sarg vom Flughafen in São Paulo zum Friedhof gebracht wird. Die letzten Meter wird der Sarg von Rennfahrerkollegen getragen, etwa von Intimfeind Alain Prost und Freund Gerhard Berger. „Es war, als hätte man einen König zu Grabe getragen“, sagt der Tiroler.

Einen Sieg in Imola 1994 hätte Senna Ratzenberger gewidmet. Als Experten das Wrack untersuchen, finden sie eine kleine rot-weiß-rote Fahne im Cockpit.