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Sport Motorsport
03/30/2019

Das stotternde Taxi Orange der Formel 1

Der zweiterfolgreichste Rennstall sucht weiter verzweifelt den Anschluss an die Spitze. Dabei helfen soll ein Wunderkind

von Philipp Albrechtsberger, Florian Plavec

Seit elf Jahren wartet McLaren nun schon auf einen WM-Titel in der Formel 1, aber vielleicht noch schmerzhafter ist eine andere Marke in der noch jungen Saison: Erstmals seit 1995 sitzt beim zweiterfolgreichsten Rennstall der Königsklasse kein Grand-Prix-Sieger in einem der beiden Boliden. Den letzten Sieg holte Jenson Button 2012 beim Saisonfinale in Brasilien (siehe Video).

Dass das englische Team vor dem zweiten WM-Lauf am Sonntag in Bahrain (17.10 Uhr MESZ) dennoch keine Randerscheinung ist, liegt in erster Linie an einer Tatsache: Weil das Königshaus aus Bahrain über eine Investmentfirma 56 Prozent an McLaren hält.

Noch bleibt die große Kritik am sportlichen Erfolg durch den Haupteigentümer aus. Die 1965 vom neuseeländischen Piloten Bruce McLaren gegründete Renngemeinschaft hat ihr Kerngeschäft längst von der Rennstrecke auf die Straße verlagert. Und der Verkauf von Supersportwagen boomt. Im Vorjahr verkaufte McLaren 4.806 Autos und damit fast doppelt so viele wie im Jahr 2017.

Der Traum vom Supersportwagen hat seinen Preis. Für den das neue Modell, den McLaren Senna, muss man 922.250 Euro locker machen, dafür nennt man dann laut Hersteller „das schnellste Straßenauto der Unternehmensgeschichte“ sein Eigen.

Immerhin gibt es noch einen Bereich, in dem die Engländer das Tempo vorgeben. In der Formel 1 ist man seit vielen Jahren nur noch Passagier. In der Vorsaison war in der Konstrukteurswertung sogar Rang vier hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull außer Reichweite. WM-Position sechs und der bescheidene Ausblick auf bessere Zeiten haben daher auch Doppelweltmeister Fernando Alonso die Formel-1-Pension schmackhaft gemacht.

Im Zuge der x-ten Neustrukturierung an der Teamspitze wurde der Deutsche Andreas Seidl von Porsche abgeworben. Ein Umstand, der Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko die süffisante Bemerkung entlockte: „McLaren hat eine eigenartige Führungsphilosophie. Die haben eigentlich nur Chefs. Ich bezweifle, dass dies der richtige Weg ist.“

Interessanter ist freilich der Blick in die Cockpits: Gemeinsam mit Carlos Sainz besetzt Lando Norris nun das stotternde Taxi Orange. Und der 19-Jährige sorgte bereits beim ersten Rennen für Schlagzeilen, als er zum jüngsten britischen Piloten in der Königsklasse aufstieg.

Millionärssöhnchen

McLaren braucht etwas Frisches, etwas Neues“, verteidigte Lando Norris seine Unerfahrenheit bei seiner Vorstellung. Wobei, besser vorbereitet auf die Königsklasse waren nur wenige vor ihm.

Der Sohn eines Selfmade-Millionärs stürmte durch sieben Nachwuchsklassen, drei davon gewann er. Nur im Vorjahr musste sich Norris in der Formel 2 Mercedes-Zögling George Russell (nun bei Williams) geschlagen geben.

„Ich mag diesen Jungen nicht“, scherzt Teamkollege Carlos Sainz, 24, über Lando Norris, „er lässt mich alt aussehen.“ In punkto Arbeitseinstellung macht dem Teenager niemand etwas vor. Gefragt nach seinen Hobbys abseits der Rennstrecke, antwortete er: Simulatorfahren.

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