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Sport Motorsport
09/13/2020

Das 1.000. Rennen für Ferrari - Traum und Albtraum in Rot

Der berühmteste Rennstall der Welt steckt vor dem Jubiläum in der tiefsten Krise der Geschichte

von Florian Plavec

"Ich möchte Autos bauen, die schneller sind als alle anderen, und dann möchte ich sterben."

Enzo Ferrari

Ferrari baute die schnellsten Autos. 15 Weltmeistertitel holte die Scuderia, 238 Rennen gewannen Piloten in einem Ferrari (siehe Grafik), das rote Auto mit dem springenden Pferd wurde zur Legende. Firmengründer Enzo Ferrari durfte 1988 im Alter von 90 Jahren einigermaßen zufrieden sterben.

Auf der Rennstrecke in Mugello in der Toskana begeht Ferrari heute ein besonderes Jubiläum. Die Scuderia startet zum 1.000. Mal in ein Rennen der Formel 1 (15.10/live ORF1, RTL, Sky). Das Team hat sich einiges überlegt für den Feiertag. In Anlehnung an die ersten Rennwagen der Italiener wird es eine dunklere Lackierung geben, auch die Rennanzüge der Piloten sind dunkler als gewohnt. Die Zahl 1.000 wurde in großen gelben Ziffern auf die Autos lackiert. Außerdem dürfen erstmals in dieser Saison 2.800 Fans auf die Tribünen. „Ich sehe es als Ehre, beim 1.000. WM-Lauf von Ferrari antreten zu dürfen“, sagte Sebastian Vettel.

Ferrari! Das klingt nach Geschichte, Erfolgen, Emotionen. Ferrari stieg im Gründungsjahr 1950 ein – und danach nicht mehr aus. Bald wurden die roten Boliden zum Inbegriff des Rennsports, zum Traum jedes Nachwuchspiloten. „Jeder träumt davon, einen Ferrari zu fahren“, sagte Enzo Ferrari. „Das war von Anfang an meine Absicht.“

1975 holte der junge Niki Lauda den WM Titel. „Ich wurde in die Box gerufen, Enzo Ferrari war am Telefon“, erzählte der damalige Teamchef Luca di Montezemolo. „Er sagte nur ‚Grazie‘. Ein Wort, das er nicht oft benutzt hat. Er war hörbar gerührt. Um genau zu sein, hat er geweint.“ Große Erfolge, aber auch große Worte und große Gesten zeichneten die Ära von Enzo Ferrari („Kein Pilot ist größer als die Marke“) und Luca di Montezemolo aus. So kam es vor, dass Di Montezemolo die Mechaniker nach Niederlagen zur Buße in Mönchskutten durch Maranello marschieren ließ.

In Verbindung mit dem deutschen Ausnahmekönner Michael Schumacher, ebenfalls ein Alphatier, erlebte Ferrari in den Jahren 2000 bis 2004 die erfolgreichste Phase der Geschichte. Den Grundstein dafür legte Schumacher mit akribischer Arbeit und tausenden Testkilometern – ausgerechnet auf der Strecke in Mugello.

An diese goldene Zeit erinnern sich die Fans in Italien sehnsüchtig zurück. Vor dem Grand Prix wird Mick Schumacher in den Ferrari F2004 seines Vaters steigen und eine Runde drehen.

Krisen und Kritik

Doch die Erfolge liegen lange zurück. Die Weltmeister Fernando Alonso (2 Titel) und Sebastian Vettel (4) schafften es nicht, für Ferrari den Titel zu gewinnen. Heuer steckt das erfolgreichste Team der Geschichte in seiner tiefsten sportlichen Krise. Der aktuelle SF1000 ist eine Fehlkonstruktion; in der Teamwertung liegt Ferrari nur auf Platz sechs; auf unwürdige Weise wurde Sebastian Vettel vom Team verabschiedet.

„Dieser Ferrari ist unfahrbar und gefährlich“, sagt Ex-Weltmeister Nico Rosberg. Und der ehemalige Ferrari-Pilot Gerhard Berger ist sich sicher: „Diese Krise wird noch drei Jahre anhalten.“

Natürlich träumen die Italiener davon, dass gerade nach dem Jubiläumsrennen wieder die Kirchenglocken in Maranello läuten werden. Das passiert jedes Mal, wenn Ferrari gewinnt. Die Chancen dafür stehen schlecht. Doch vielleicht führt ein rotes Auto zumindest das Rennen an. Zu Ehren von Ferrari wurde das Safety-Car rot lackiert.

Es ist ein Mercedes.

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