Sport
05.12.2011

Messner: "Stangl ist nicht wichtig"

Die Bergsteiger-Legende wundert sich im KURIER.at-Interview über den Skyrunner, der doch nicht am Gipfel des K2 stand.

Wenige Stunden, nachdem bekannt wurde, dass "Skyrunner" Christian Stangl doch nicht auf dem Gipfel des K2 war (siehe Hauptartikel), erreichte KURIER.at-Redakteurin Birgit Gehrke die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner in seinem Büro in Südtirol.

KURIER.at: Herr Messner, wie kann das passieren? Wie kann man sich einbilden, am Gipfel zu stehen und in Wahrheit 1000 Meter darunter zu sein?
Reinhold Messner: Das dürfen Sie nur den Herrn Stangl fragen. Bis vor kurzem habe ich auch daran geglaubt, dass er den Gipfel erreicht hat, und diese Leistung war die erste, die mich an seinen Touren bisher beeindruckt hat. Noch vergangene Woche habe ich betont, dass dies eine gute bergsteigerische Leistung war. Ich habe immer angenommen, wenn jemand sagt, dass er oben war, dann war er auch oben. Man kann das genau sehen, ob man jetzt oben war oder nicht. Ich persönlich behaupte das nur, wenn ich mir zu 100 Prozent sicher bin.
Aber Herrn Stangl haben Bergsteiger bis jetzt nicht so ernst genommen, er ist nicht wichtig für die Alpingeschichte. Er ist Skyrunner, sicher einer der Besten, aber sein Sport hat nichts mit Bergsteigen zu tun. Ich bin gespannt, wie er sich nun verhält, mit welchen Ausreden er kommt.

Könnte das was mit dem Höhenrausch bzw. im Zuge dessen verzerrten Wahrnehmungen zu tun haben? Stangl sagte ja wörtlich: "Beim letzten Versuch (der Gipfelbesteigung, Anm.) erreichte ich einen tranceartigen Bewusstseinszustand, an dem ich der Überzeugung war, auf dem höchsten Punkt zu stehen."
Es kann schon sein, dass man eine verzerrte Wahrnehmung bekommt, aber eher beim Abstieg. Da muss er schon absolut überfordert gewesen sein, wenn er nicht weiß, ob er am Gipfel ist oder nicht. Ausgeschlossen ist es aber nicht. Die Schulter am K2 ist flach.

Kennen Sie Herrn Stangl persönlich?

Nein, leider nicht.

Sie haben in den vergangenen Wochen Gerlinde Kaltenbrunner immer wieder stark kritisiert. Schon 2007 haben Sie Kaltenbrunner in einem Interview sogar mit Paris Hilton verglichen (Anm.: Kern der Aussage: Beide reden gerne über die Dinge, die sie tun) Warum?

Ich habe Kaltenbrunner nicht als Mensch kritisiert, sie ist derzeit die sicher stärkste Höhenbergsteigerin. Was mich aber stört ist, dass sie so tut, als ob sie im alpinen Stil steigt. Sie verwendet aber wie alle anderen die präparierten Pisten, die Fixseile und lässt sich auch dreimal ins Basislager fliegen. Sie kann ja nichts dafür, dass es Fixseile gibt und sie hat meinen ganzen Respekt, aber alpingeschichtlich ist das einfach wichtig. Und es beleidigt mich, dass sie denkt, ich wisse nicht, wie es heute beim Bergsteigen läuft. Trotzdem ist sie sicher die beste, die zäheste Bergsteigerin von allen.

Wenn Sie von solchen extremen Expeditionen hören - gehen diese ihnen nicht ab?
Ich habe heute meine neuen Herausforderungen. Im Moment bin ich mit meinem Bergmuseum mit fünf Häusern beschäftigt. Es wäre peinlich, in meinem Alter, mit 66 Jahren, über die Pisten - die müsste ich dann ja auch verwenden - zu stapfen. Und ich muss nicht jede Peinlichkeit mitmachen.

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