Sport
17.05.2017

Die Stars der Tennis-Szene beehren das Foro Italico

Mittendrin sind in Rom auch einige Österreicher, darunter Aufsteiger Thiem.

Foro Italico. Mitten in Rom. Eine Tennis-Anlage wie aus einem Bilderbuch. Nahe des Stadio Olimpico, wo die Herren Kicker ihre Beinarbeiten verrichten.

Hier hat alles Hand und Fuß. Bereits am dritten Turniertag ließen es sich die jungen und alten Römer nicht nehmen, den weltbesten Tennisspielern und -Spielerinnen bei ihrer Hauptbeschäftigung zuzusehen. Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad begann das bunte Treiben, der Getränkeabsatz nahm baldigst zu, wie die Begeisterung der Freunde der Filzkugel. Sie trugen Shirts mit einem Nadal drauf, aber auch mit Landsfrau und Liebling Sara Errani (die 1,64 Meter kleine Dame passt auf jedes Leiberl).

Und die Stimmung stieg dann fast ins Unbeschreibliche, als Stars wie Rafael Nadal und der Ranglisten-Erste Andy Murray (streng bewacht) durch die Anlage schlenderten und Novak Djokovic gegen Mittag eine Trainingseinheit absolvierte. Dazwischen wurde laut Musik gespielt und es gingen Jugendliche ebenso lautstark auf Autogramm-Jagd. Etwas zu klein geraten ist lediglich der Medienbereich.

König Fußball

Paolo hat seinen Platz. Schon seit 20 Jahren, wie er sagt. Er freut sich auf die Italiener, auf den Spanier Nadal. Und ein bisserl auch auf Dominic Thiem, Österreichs Durchstarter. "Er spielt erfrischend. Im Moment ist Nadal eben noch um eine Nuance besser, auch wenn Thiem hervorragend aufschlagen kann", sagt Paolo. Ob viel über den Lichtenwörther in Italien geschrieben wird? "Nein, das liegt aber nicht an ihm. Außer der Gazzetta dello Sport berichtet kaum ein Blatt groß über Tennis. Bei uns regiert der Fußball. Dann kommt Fußball und dann noch einmal Fußball."

Chelsea-Fan Dominic Thiem selbst ist es egal, was Drumherum passiert. Zu bedeutend ist dieses ATP-1000-Turnier. Er wird heute, wie schon vergangene Woche im Semifinale von Madrid, von Pablo Cuevas aus Uruguay gefordert. Der war am Dienstag irgendwie bei einer kleinen Sternstunde dabei: Seinem Gegner Adrien Mannarino gelang ein Stopball, der wieder zurück ins eigene Feld hüpfte, bevor ihn Cuevas auch nur berühren konnte. Da gab es auf Court Nummer zwei Standing Ovations. Am Ende galt der Applaus dann doch dem 31-Jährigen nach einem 6:4-7:6-Erfolg.

Thiem freut sich auf die heutige Partie: "Das wird wieder sehr eng, es gibt keine leichten Aufgaben. Aber der Centre Court ist schneller als in Madrid, das liegt mir eigentlich noch mehr", erklärte der 23-Jährige bei einem Essen im kleinen Kreis. Eine Kampfansage für das Viertelfinale, wo Nadal warten könnte? "Soweit denke ich noch nicht." In Madrid hatte Thiem, der gestern auch bestätigte, dass er im September im Daviscup in Wels gegen Rumänien antreten wird, dem Spanier ein tolles Finale geboten. Und der Spanier sagte: "Thiem kann durchaus auch die French Open gewinnen. Nur nicht nicht heuer." Der 30-Jährige beliebte auch sonst zu scherzen. Auf die Frage, bei wie viel Prozent er derzeit stehen würde, antwortete der Sandplatz-König, der auf seinem Lieblingsboden heuer noch kein Match verloren hat: "Ich war nie gut in Mathematik."

Im Tennis-Reich

Auch Thiem-Trainer Günter Bresnik rechnet noch nicht mit einem Viertelfinale, freut sich aber übers Dasein. "Eines der schönsten Turniere ist das hier. Und gerade hat mir Nadals Trainer-Onkel gesagt, dass er Domi bewundert." Was Nadal, also der Neffe, seinem Schützling noch voraushat? "Er returniert besser, ist physisch eine Nuance noch vorne, vor allem hat er aber eine unglaubliche taktische Reife. Aber Domis Schläge sind härter und haben vor allem mehr Drall."

Es gibt aber noch einen weiteren Österreicher, der dieser Tage in Roms Tennis-Paradies arbeitet. Herwig Straka, Turnierboss der Erste Bank Open in Wien, ist emsig am Verhandeln. "Heute konnten wir neben Dominic Thiem auch den Japaner Kei Nishikori verpflichten."

Als Gehörtes und Gesehenes zu Computer gebracht werden mussten, tauchte Paolo wieder auf: "Aufpassen. Strom zu verwenden, ist in Italien streng verboten." Als seine Kollegin lachte, wusste man: Ein bisserl Humor haben sie, die Italiener.

(aus Rom)