Sport
23.04.2017

Kenianische Siege beim Vienna City Marathon

Der Österreicher Valentin Pfeil erreicht das WM-Limit. Bei den Damen gibt es die zweitschnellste Wien-Zeit.

Fernsehbilder können täuschen. Locker sah es auf der großen Leinwand vor dem Burgtheater aus, wie Valentin Pfeil seinen zweiten Marathon absolvierte; es schien fast, als würde er mit einem Lächeln im Gesicht den Lauf genießen. In einer Zeit von 2:14:50 unterbot der 28-jährige Oberösterreicher beim Vienna City Marathon nicht nur klar seine Zeit aus dem Vorjahr (2:16:37), er schaffte damit auch das Limit für die Weltmeisterschaft in London (2:15:00).

Doch im Athletenzelt im Zielraum sah man es: Pfeil hatte leiden müssen. Mit Mühe konnte er sich die wärmende Überhose anziehen, beim Umziehen fiel sein Shirt zu Boden – er konnte es nicht mehr aufheben. Also sprach Pfeil über ...

... Genuss: Es war großartig, welche Unterstützung ich an der Strecke erfahren habe, das hat mich über die Distanz getragen. Aber Genuss? Nein, genießen kann man einen Marathon nicht.

... Leiden: Ich habe alles durchgemacht, was man bei einem Marathon durchmachen kann. Der Wind war auf der Reichsbrücke brutal, auf der Wienziele war es ein Gemetzel. Gegenwind spürt man immer stärker als Rückenwind. Am Schluss war’s nur noch eine Qual. Der Marathon hätte keine hundert Meter länger sein dürfen.

... Gefühle: Ich bin so glücklich! Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob sich das Limit ausgehen wird.

... sein Rennen: Es hat vieles gepasst: die Gruppe, die Pacemaker ... Nach ein paar Kilometern ist auch das Vertrauen in das eigene Können gekommen. Ein Jahr älter zu sein, ist im Marathon kein Fehler.

Junger Kenianer

Mit 23 Jahren noch jung ist Sieger Albert Korir. Der Kenianer setzte sich bei seinem ersten Marathon-Sieg im Zielsprint in 2:08:40 gegen Landsmann Ishmael Bushendich durch. Dritter wurde mit Ezekiel Omullo ein weiterer Kenianer (2:09:10). "Es war großartig! Nur am Start war es schon sehr kalt", sagte der Sieger und gab – wie es sich gehört – ein Versprechen ab: "Ich komme nächstes Jahr und werde den Titel verteidigen." Der Streckenrekord (2:05:41) war wegen des Windes nicht in Gefahr.

Alte Kenianerin

Auch das Damenrennen sah eine Premierensiegerin: Die bereits 37-jährige Nancy Kiprop siegte in 2:24:20, der zweitbesten je in Wien gelaufenen Zeit. "Bei besseren Verhältnissen wäre noch mehr möglich gewesen", sagte Kiprop, die sieben Kinder hat (fünf davon adoptiert). In ihrer Heimat Kenia möchte sie ein Schul-Projekt aufziehen. 15.000 Euro Preisgeld hat sie am Sonntag dafür gesammelt.

Marathon (42,195 km) - Männer:

1. Albert Korir (KEN) 2:08:40 Stunden
2. Ishmael Bushendich (KEN) 2:08:42
3. Ezekiel Omullo (KEN) 2:09:10
4. Alfonce Kigen (KEN) 2:10:24
5. Suleiman Simotwo (KEN) 2:10:36
Weiter:
11. Valentin Pfeil (AUT) 2:14:50 (WM-Limit)
18. Peter Herzog (AUT) 2:23:13
24. Christian Robin (AUT) 2:29:31

Frauen:

1. Nancy Kiprop (KEN) 2:24:20
2. Rebecca Chesir (KEN) 2:24:25
3. Roza Dereje ( ETH) 2:25:17
4. Shuko Genemo ( ETH) 2:26:06
5. Angela Tanui (KEN) 2:26:31
Weiter:
11. Katharina Zipser (AUT) 2:47:23
15. Karin Freitag (AUT) 2:52:14

Halbmarathon (21,097 km)
Männer: 1. Joe Simon (LUX) 1:10:47 Stunden - 2. Sorin Mineran (ROM) 1:10:55 - 3. Steve Bovay (SUI) 1:10:56. Weiter: 5. Daniel Müller (AUT) 1:12:22

Frauen: 1. Fabienne Amrhein (GER) 1:14:43 - 2. Elena Dolinin (ISR) 1:15:01 - 3. Cornelia Moser (AUT) 1:18:07

Weitere Ergebnisse: http://www.vienna-marathon.com/

(Anmerkung: angegeben sind die international gültigen Bruttozeiten)