Sport
19.01.2018

Melbourne: Marach siegt mit Virus, Nadal mit Glanz

Der Spanier hat mit dem Bosnier Damir Dzumhur wenig Mühe.

Eigentlich sah man Oliver Marach in den vergangenen Monaten selten pumperlg’sund. Was sich nicht unbedingt in seiner Statistik ablesen lässt. Im Vorjahr kämpfte er sich trotz Handgelenksproblemen mit Mate Pavic ins Wimbledon-Finale, am Saisonende plagte ihn ein kleiner Bandscheiben-Vorfall, der auch keine optimale Vorbereitung zuließ. Vor seiner Zweitrunden-Partie in Melbourne war der 37-Jährige erkrankt – und steht nun trotzdem als einziger Österreicher im Doppel-Achtelfinale. Gemeinsam mit seinem kroatischen Partner Pavic die Spielgemeinschaft Wesley Koolhof/Artem Sitak (BED/NZL) 6:7,6:4 und 6:4.

"Einen Tag zuvor hatte ich noch Fieber, ich habe mir leider einen Virus eingefangen", sagt der Grazer nach dem schweißtreibenden Akt bei 40 Grad. "Unter diesen Umständen haben wir unglaublich gespielt nach dem ersten Satz. " Der Erfolgsduo bleibt nach den Turniersiegen in Auckland und Doha heuer noch unbesiegt, im inoffiziellen Jahres-Ranking (Race) sind sie daher die Nummer eins der Welt.

Die heißt im Einzel Rafael Nadal. Auch offiziell. Und der 31-Jährige spielte auch so. Der Spanier ließ auch dem Bosnier Damir Dzumhur keine Chance, siegte 6:1, 6:3, 6:1 und steht damit ohne Satzverlust im Achtelfinale, wo am Sonntag der wieselflinke Argentinier Diego Schwartzman wartet. Übrigens ein guter Freund von Dominic Thiem, der in der Nacht zu Samstag sein Drittrunden-Spiel gegen den Franzosen Adrian Mannarino absolviert (3. Partie nach 1 Uhr MEZ).

Dimitrow mit Mühe

Etwas mehr Mühe hat neuerlich die Nummer drei, Grigor Dimitrow. Auch wenn das Ergebnis von 6:3,4:6,6:4,6:4 gegen den Russen Andrej Rublew einigermaßen souverän aussieht, schwächelte der Bulgare bei großer Hitze phasenweise. Der Semifinalist des Vorjahrs tat sich gegen die Nummer 30, die ihn in der 2. Runde der US Open sang- und klanglos verabschiedet hatte, alles andere als leicht, verzeichnete etwa 61 unerzwungene Fehler, darunter 15 Doppelfehler. Im dritten Satz lag sein 19-jähriger Kontrahent sogar ein Break in Front.

"Das sind die wichtigsten Spiele für mich, wenn gewisse Dinge nicht funktionieren und ich dann eine Lösung finde", erklärte Dimitrow, der in der zweiten Runde gegen den US-Qualifikanten Mackenzie McDonald sogar fünf Sätze benötigt hatte. Achtelfinalgegner ist Lokalfavorit Nick Kyrgios (17), der sich in vier Sätzen mit drei Tie-Breaks gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga 7:6(5),4:6,7:6(6),7:6(5) durchsetzte.

15-Jährige out

Bei den Damen stand zum Auftakt des Tages vor allem die brutale Hitze im Vordergrund. Bei Temperaturen von 40 Grad Celsius wurde etwa Alize Cornet schwindlig, die Französin musste während ihrer Drittrundenniederlage gegen Elise Mertens (BEL) untersucht werden. Die Veranstalter wiederum gaben ab, dass die kritischen Temperaturwerte noch nicht erreicht worden seien. Dann nämlich wird das Dach des Center Courts geschlossen und andere Spiele verschoben. Cornet forderte prompt, die betreffenden Werte zu senken. "Das ist äußerst gesundheitsgefährdend", sagte die ehemalige Nummer elf der Welt. Gegen Abend ließ die Hitze dann zumindest etwas nach.

Die 15-jährige Ukrainerin Marta Kostjuk verpasste hingegen eine weitere Überraschung. Im ukrainischen Vergleich mit der an Nummer vier gesetzten Jelina Switolina war das Talent chancenlos und verlor nach 59 Minuten 2:6,2:6. Switolina trifft nun am Sonntag auf die tschechische Qualifikantin Denisa Allertova, die zum ersten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier im Achtelfinale steht. Kostjuk hatte als jüngste Spielerin seit Martina Hingis vor 22 Jahren die dritte Runde der Australian Open erreicht.

Für Negativschlagzeilen sorgte Vorjahrshalbfinalistin CoCo Vandeweghe. Die Amerikanern erhielt für eine obszöne Beschimpfung ihrer ungarischen Erstrunden-Gegnerin Timea Babos eine Geldstrafe von 10.000 Dollar (8.173,27 Euro). Die an zehnte Stelle gesetzte Vandeweghe, als Heißsporn bekannt, war der ungesetzten Babos am Montag in zwei Sätzen unterlegen.