Siebenkämpferin Ivona Dadic bei der Hallen-EM in Glasgow

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Sport
09/28/2019

Leichtathletik-WM: So stehen Österreichs Chancen auf eine Medaille

Mit sechs Athleten - dem größten Team seit 2005 in Helsinki - startet Österreich in die WM in Doha.

von Florian Plavec

Es sind aufregende Zeiten im Kleinunternehmen der österreichischen Leichtathletik, dessen Konkurrenz kaum größer sein könnte. Rund 2.000 Teilnehmer aus 209 Nationen werden an der am Freitag in Doha gestarteten Weltmeisterschaft teilnehmen, in 49 Wettbewerben geht es um die Medaillen, darunter erstmals in einer Mixed-Staffel über 4x400 Meter.

33 Disziplinen umfasst die Leichtathletik, teilweise waren sie schon Teil der Olympischen Spiele der Antike, wie etwa Laufbewerbe, der Diskus- und Speerwurf oder der Weitsprung. Dementsprechend ausgereift ist der Sport, dementsprechend weit ist der Weg an die Spitze, dementsprechend neue Wege musste der österreichische Verband gehen. Klar war, dass nicht alle Disziplinen gefördert werden können.

„Das hätte den Verband ruiniert“, sagt Sportdirektor Gregor Högler. Daher wurde analysiert – und entschieden. Die Verantwortlichen sahen das größte Potenzial im Mehrkampf der Damen und in der akribischen Arbeit mit Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger. „Die Leichtathletik ist ein Sport der Extreme, maximal ausgereizt“, sagt Högler. „Kleinste Verbesserungen erfordern große Anstrengungen.“

Das Konzept scheint aufzugehen: Mit sechs Athleten (dem größten Team seit 2005 in Helsinki) startet Österreich in die WM. Drei davon haben Medaillenchancen.

Lukas Weißhaidinger/Diskus

Der 27-Jährige greift am Samstag als erster Österreicher ins Geschehen ein. Wenn der Diskus im Khalifa Stadium frühestens nach 65,50 Metern landet, geht es am Montagabend um die Medaillen. Die Formkurve des Oberösterreichers zeigt steil nach oben. „Ich bin hundertprozentig fit und habe zuletzt konstant Top-Resultate erzielt“, sagt Weißhaidinger. „Jetzt kann ich nicht mehr davon sprechen, Außenseiter zu sein. Das ist eine neue Situation.“ In der Weltrangliste liegt er auf Rang drei. Außer Reichweite scheint der Schwede Daniel Ståhl zu sein, der heuer neun der zehn weitesten Würfe zeigte. Doch sollte Weißhaidinger an seinen Bestwert (68,98 Meter) herankommen, ist Silber oder Bronze möglich.

Medaillenchance: 3 von 5 Punkten

Victoria Hudson/Speerwurf

Die 23-Jährige hat das Limit eigentlich verpasst, im letzten Moment wurde aber das Starterfeld noch aufgefüllt. Der österreichischen Meisterin fehlen auf die Spitzenathletinnen noch acht Meter. Auch sie wirft ihren Speer bereits am Samstag.

Medaillenchance: 0 von 5 Punkten

Ivona Dadic/Siebenkampf

Mit 18 Jahren sammelte Ivona Dadic als erste österreichische Olympia-Starterin im Siebenkampf schon Erfahrungen bei einem Großereignis (Rang 25). In Rio 2016 belegte sie Platz 21. Ihr größer Erfolg ist bisher Bronze bei der EM 2016 in Amsterdam, zudem holte sie sowohl bei der Hallen-WM 2018 als auch bei der Hallen-EM 2017 Silber. Ihre Saisonplanung hat die 25-Jährige voll auf die WM ausgerichtet, der Formaufbau scheint geglückt zu sein. „Ich will oft früh in der Saison zu viel“, sagte Dadic nach dem Messe-Meeting in Ried vor zwei Wochen. „Aber wenn ich dann in Form bin, kommen die Zeiten von selbst.“

Medaillenchance: 1,5 von 5 Punkten

Athletics 23rd IAAF Combined Events Challenge

Verena Preiner/Siebenkampf

Das Jahr 2019 hätte für Verena Preiner kaum besser laufen können. Die 24-Jährige stellte gleich beim Saisonstart Anfang Juni in Arona eine neue persönliche Bestleistung auf und holte dabei WM- und Olympia-Limit. Drei Wochen später gelangen ihr in Ratingen (GER) sechs persönliche Bestleistungen und mit 6.591 Punkten ein neuer österreichischer Rekord. „Ich weiß, dass ich um eine Medaille mitkämpfen kann“, sagt sie. „Das ist ein schönes Gefühl.“ Im Normalfall sind Gold und Silber an Nafissatou Thiam (BEL) und Katarina Johnson-Thompson (GBR) vergeben. Dahinter hoffen mindestens sechs Athletinnen mit ähnlichem Leistungsniveau auf das Podest.

Medaillenchance: 1,5 von 5 Punkten

Beate Schrott/Hürdensprint

Wie Hudson rutschte auch Beate Schrott ganz spät noch ins WM-Starterfeld. Die 31-Jährige zeigte erstmals bei den Olympischen Spielen in London 2012 auf, als sie sensationell ins Finale über 100m Hürden lief. Im selben Jahr lief sie in Luzern in 12,82 Sekunden österreichischen Rekord und wurde bei der Sportlerwahl als Aufsteigerin des Jahres ausgezeichnet. Doch immer wieder warfen Verletzungen Schrott zurück, an die absolute Weltspitze kam sie nicht heran. In Ried lief sie zuletzt 13,03 Sekunden und verbesserte damit den Stadionrekord. Ob eine weitere Steigerung möglich ist? „Der Modus mit den WM-Einladungen ist für uns Athleten eine Zumutung. Besonders, wenn die WM so spät im Jahr ist“, sagt sie. „Eine sinnvolle Saisonplanung ist so fast nicht möglich.“

Medaillenchance: 0 von 5 Punkten

Lemawork Ketema/Marathon

Aufgewachsen ist Lemawork Ketema als eines von sechs Kindern eines Bauern auf rund 2.000 Metern Seehöhe im Zentrum Äthiopiens. Er lief, seit er ein Kind war, doch der Durchbruch in der Heimat gelang nicht. Nach dem Marathon in Salzburg 2013 beantragte er Asyl – wegen politischer Verfolgung. Seit Dezember 2015 ist Ketema Österreicher. Heuer unterbot der 32-Jährige bei seinem ersten Vienna City Marathon den nationalen Rekord in 2:10:44 Stunden um drei Sekunden und erbrachte das Olympia-Limit. Dass es in Wien dabei nur zu Rang elf im Klassement reichte, zeigt, wie hoch die Leistungsdichte im Langstreckenlauf ist. In seinen ersten WM-Marathon startet er am 5. Oktober um 23.59 Uhr Ortszeit. Da soll es in Doha nur noch 30 Grad haben.

Medaillenchance: 0 von 5 Punkten

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