Sport
11.09.2018

Konrad führt Österreichs Herren-Sextett bei der Rad-WM an

Die nicht nominierten Stefan Denifl und Hermann Pernsteiner zeigen sich schwer enttäuscht.

Patrick Konrad führt das österreichische Herren-Sextett bei der Rad-WM in Tirol im Straßenrennen am 30. September als Kapitän an. Unterstützt von seinen drei Bora-Teamkollegen Felix Großschartner, Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger sowie Georg Preidler (Groupama) und Michael Gogl (Trek) will der Niederösterreicher einen Spitzenplatz erreichen.

Aus dem vorläufigen Kader nicht nominiert wurden Hermann Pernsteiner, Stefan Denifl und Riccardo Zoidl. Preidler und Matthias Brändle bestreiten wenig überraschend das Einzelzeitfahren am 26. September. Dieses Aufgebot gab der Österreichische Radsport-Verband (ÖRV) am Dienstag bekannt.

Der 26-jährige Konrad habe sich die Führungsrolle im enorm schwierigen Straßenrennen mit 258,5 km Länge und 4.670 Höhenmetern durch den siebenten Gesamtrang beim Giro d'Italia sowie weiteren Spitzenrängen bei World-Tour-Rennen in der zweiten Saisonhälfte verdient. "Er hat dies mit dem Sieg im Bergklassement der Polen-Rundfahrt, bei der Deutschland-Tour mit Rang 15 im Gesamtklassement trotz eines Sturzes und den schweren Rennen in Quebec (5.) und Montreal (9.) eindrucksvoll bewiesen", erläuterte ÖRV-Nationaltrainer Franz Hartl.

Konrad, der Sohn von Wien-Marathon-Chef Wolfgang Konrad, der mit seiner Agentur auch in der Organisation der WM mitwirkt, träumt von einem großen Coup. "Am Ende des Tages ist das Ziel bei einer WM immer eine Medaille. In Innsbruck auf dem Podium zu stehen wäre das absolut Größte - einfach der Wahnsinn. Aber man muss auch realistisch bleiben: Eine Medaille hängt hoch, und so lange jeder von uns bis zum Letzten kämpft, müssen wir uns keinen Vorwurf machen. Und mit einer Platzierung unter den ersten zehn könnten wir alle sehr zufrieden sein", betonte der Niederösterreicher.

"Keine Underdogs"

Er sieht sich und seine Kollegen um Vorjahres-Giro-Etappensieger Pöstlberger nicht als Außenseiter. "Durch die Erfolge in diesem Jahr werden wir sicher keine Underdogs sein, und die anderen Nationen werden uns nicht unterschätzen. Jeder weiß, dass wir uns vor unserem Heimpublikum gut präsentieren möchten", bekräftigte der ÖRV-Kapitän. Man werde das Rennen aktiv mitgestalten und sich sicher nicht verstecken.

Die Nominierung von gleich vier Fahrern aus der deutschen Bora-Mannschaft und den auf höchstem Niveau als Helfer erprobten Preidler und Gogl sorge für die nötige Harmonie, begründete Hartl seine Aufstellung. "Großschartner, Mühlberger und Pöstlberger garantieren die absolute Unterstützung für Patrick." Dazu passe der erfahrene Preidler - im August Etappensieger bei der Polen-Rundfahrt, zuletzt aber von Weisheitszahnproblemen gebremst - und Gogl (5. bei der Tour Poitou-Charentes).

Die Enttäuschten

Der derzeit bei der Vuelta a Espana stark fahrende Pernsteiner zeigte kein Verständnis für seine Nichtberücksichtigung. Die Nachricht durch Hartl am Montag sei "ein ziemlicher Schock" gewesen. "Ich bin sehr enttäuscht. So eine Strecke und eine Heim-WM werde ich nicht mehr erleben", sagte Pernsteiner, vor dem Dienstag-Zeitfahren 19. der Vuelta und im Juli Gesamtzweiter der Österreich-Rundfahrt.

Ihm gegenüber sei die Eingespieltheit der Bora-Fahrer und seine fehlende Erfahrung bei World-Tour-Eintagesrennen als Begründung angeführt worden. "Von der Distanz sehe ich keine Probleme, ich hätte auch überhaupt keine Probleme, den Teamleader bei der WM zu unterstützen", sagte Pernsteiner und führte die Clasica San Sebastian Anfang August als gute Eintagesrennen-Referenz an. Im Baskenland war der Kletterspezialist nämlich als 44. anders als die WM-Teilnehmer Mühlberger, Großschartner und Gogl durchgekommen.

Auch  Stefan Denifl äußerte sich enttäuscht über die WM-Kaderentscheidung. "Mir ist bewusst, meine bisherige Saison war bescheiden. Diese Tatsache ändert aber nichts an meinen Ambitionen, meiner Erfahrung und an meinem Können als Rennfahrer auf einem so schweren WM-Kurs. Die WM in Tirol war mein großes Ziel, auf dieses Ziel habe ich seit Jahren hingearbeitet", schrieb Denifl auf Facebook.

Die Nichtberücksichtigung sei der nächste Tiefschlag nach der Auflösung seines bisherigen Rennstalles Aqua-Blue-Sports Ende August. "Die WM wäre für mich nach dem plötzlichen Aus meines Teams die letzte Plattform gewesen, mich zu präsentieren, daher erübrigt sich die Frage, ob ich bereit und fit gewesen wäre, mehr als."